Dreckiges Bachbett

Ohne Fischertag: Wer macht dieses Jahr den Memminger Stadtbach sauber?

MM Stadtbach

Ein bisschen trüb fließt der Stadtbach derzeit durch die Altstadt. Für Anfang August schwimmen außerdem noch ungewöhnlich viele Forellen darin. Der Ausfall des Fischertags hat auch Auswirkungen auf die Reinigung des Gewässers.

Bild: David Specht

Ein bisschen trüb fließt der Stadtbach derzeit durch die Altstadt. Für Anfang August schwimmen außerdem noch ungewöhnlich viele Forellen darin. Der Ausfall des Fischertags hat auch Auswirkungen auf die Reinigung des Gewässers.

Bild: David Specht

Normalerweise wird nach dem Fischertag auch immer das Bachbett gereinigt. Fallen die Putzaktionen wegen Corona heuer aus? Bleibt der Stadtbach dreckig?

30.07.2020 | Stand: 09:39 Uhr

Was war zuerst da, das Ausfischen oder der Bachschmotz? Anders gefragt: Hat man die Forellen aus dem Bach geholt, weil man das Bachbett reinigen wollte – oder war es umgekehrt? Das Reinigen des Stadtbachs gehört jedenfalls genauso zum Fischertag wie ein lautes „Höö!“ und ein Tritt in den Allerwertesten des Vorjahresfischerkönigs. Beides war heuer nicht möglich. Aber macht sich der Ausfall des Fischertags auch an der Sauberkeit der Memminger Ach bemerkbar?

Reinigung wird aufwendiger als sonst

Zuständig dafür sind die Stadt Memmingen und der Fischertagsverein als Fischereipächter des Gewässers. „Ausnahmsweise kann der Bach dieses Jahr auch ohne Ausfischen und Ablassen gereinigt werden“, teilt Alexandra Wehr von der Pressestelle der Stadt mit. Die Arbeiten, die normalerweise bei Niedrigwasserstand nach Ablassen des Bachs durchgeführt werden – zum Beispiel das Reinigen der Bachsohle von Müll und das Entfernen von Bewuchs – seien in diesem Jahr aber aufwendiger.

Denn auch wenn der Fischertag mittlerweile vor allem Fest und Spektakel ist, ein bisschen etwas von der ursprünglichen Funktion bleibt doch noch: „In den Wochen nach dem Fischertag, wenn der Stadtbach auf einen minimalen Wasserstand abgelassen wird, können Reinigung und Pflege einfacher und wirtschaftlicher durchgeführt werden“, erklärt Wehr.

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Reinigungsarbeiten beginnen schon vor dem Memminger Fischertag

Auch vor dem Fischertag sind die städtischen Angestellten stets aktiv. Sie reinigen schon einmal die Bachsohle von Scherben und anderem Unrat, an dem sich die Stadtbachfischer beim Ausfischen verletzen könnten. Auch beim Schneiden von Gras und Pflanzen im Stadtbach orientieren sich die Bauhofmitarbeiter am Fischertag. Etwa vier bis sechs Wochen vorher erledigen sie diese Arbeit bei leicht abgesenktem Wasserstand. „Diese Pflege wird dieses Jahr ganz normal durchgeführt“, sagt Wehr.

Memminger Bachschmotzer finden Vielerlei in der Ach

Innerhalb des Fischertagsvereins erinnert die Schmotzgruppe an die Burschen, die in früheren Jahrhunderten das Bachbett gereinigt haben. Heutzutage zieht die Gruppe zwar nach dem Ausfischen durch den Bach – „dieser traditionelle Bachschmotz ist aber eher eine Darbietung“, sagt Oberschmotzer Hans-Martin Pfeifer. Um das tatsächliche Saubermachen kümmern er und seine Gruppenmitglieder sich vor allem den Rest des Jahres über. Ungefähr einmal pro Woche laufen zwei Schmotzer einen Abschnitt des Bachs ab und gehen bei Bedarf auch ins Wasser, um Unrat herauszuholen.

Vom Fahrrad bis zur Plastiktüte sei alles dabei, sagt Pfeifer. Das finde nicht streng zu einer festgelegten Zeit statt, stattdessen rufe man sich unkompliziert zur Bachreinigung zusammen.

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Was gab's zuerst: Das Ausfischen oder das Saubermachen

Als Pächter des Bachs habe der Fischertagsverein schließlich eine Sorgfaltspflicht, erklärt Pfeifer. Der Abschnitt, um den sich die Schmotzgruppe kümmert, reiche ungefähr vom Luginsland bis zum Rossmarkt – „zumindest mache ich immer bis dahin sauber“.

Und was sagt der Oberschmotzer darüber, ob Ausfischen oder Saubermachen zuerst da war? „Damit man das Bachbett reinigen konnte, musste man den Stadtbach ausfischen!“