Aktionswoche #HierWirdGeimpft

Ottobeurer Ehrenamtliche zur Impfdebatte: „Vorangehen, aber nicht missionieren“

OB Impfwoche

Doris Ludwig (links), Walter Schumann und weitere Vorstandsmitglieder vom „Verein für bürgerschaftliches Engagement“ in Ottobeuren werben für die Corona-Schutzimpfung. Am Treffpunkt „Mach Mit“ in der Bahnhofstraße haben sie Schaufenster zu diesem Thema zusammengestellt.

Bild: Verena Kaulfersch

Doris Ludwig (links), Walter Schumann und weitere Vorstandsmitglieder vom „Verein für bürgerschaftliches Engagement“ in Ottobeuren werben für die Corona-Schutzimpfung. Am Treffpunkt „Mach Mit“ in der Bahnhofstraße haben sie Schaufenster zu diesem Thema zusammengestellt.

Bild: Verena Kaulfersch

Impfbus kommt nach Ottobeuren. Warum sich auch Ehrenamtliche vom „Mach Mit" für das Thema einsetzen, obwohl es eine schwierige Gratwanderung ist.
18.09.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Die bundesweite Aktionswoche „#HierWirdGeimpft“ soll derzeit mit kostenlosen, niederschwelligen Impfangeboten weitere Fortschritte im Kampf gegen die Pandemie bringen. Im Unterallgäu konnten Gemeinden, Betriebe und Vereine etwa einen Besuch des Impfbusses anfordern. Genutzt hat diese Möglichkeit die Marktgemeinde Ottobeuren und um das Thema Impfen bemühen sich Ehrenamtliche vom Treffpunkt „Mach Mit“ in der Bahnhofstraße, die dazu seit Anfang des Jahres Schaufenster gestalten.

Bürgermeister German Fries: "Niederschwelliges Angebot ist wichtig"

Schon vor einiger Zeit habe die Gemeinde Interesse an einem Termin mit dem Impfbus signalisiert, sagt Bürgermeister German Fries. Damals scheiterte es noch an der Verfügbarkeit von Material und Terminen – nun habe man die Chance genutzt, das Vorhaben mit dem Malteser Hilfsdienst umzusetzen. „Ich halte es für wichtig, ein niederschwelliges Angebot zu präsentieren“, sagt Fries, der sich einen zweiten Besuch des Busses vorstellen kann. Das Angebot will er als eine Einladung an Impfwillige verstanden wissen, nicht als Drängen.

"Hausärzte haben sich ins Zeug gelegt"

Als Bürgermeister wie auch als Privatmensch erlebe er, mit welcher Erbitterung die Diskussionen zwischen Impf-Befürwortern und -Gegnern mitunter geführt werden. In der Kommunikation in Corona-Zeiten wurde es seiner Ansicht nach versäumt, „die Menschen frühzeitig so zu informieren, dass sie für sich eine gute Entscheidung treffen können“. Fries spricht sich dafür aus, Zweifeln mit Transparenz zu begegnen. In der Debatte vermisst er auch die Frage, wie zusätzlich zum Impfen weitere Strategien aussehen könnten – etwa für Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Als „tolle Erfahrung“ in der Pandemie erwähnt Fries den schnellen Aufbau verschiedener Testmöglichkeiten im Ort. Bei den Impfungen hätten sich „die Hausärzte sehr ins Zeug gelegt“. Dies werde fortgeführt mit bis zu 15 Impfungen am Tag.

Schaufenster zum Thema Corona-Impfung am Ottobeurer Treffpunkt "Mach Mit"

Um den schwierigen Balanceakt in der Impfdebatte wissen auch Doris Kienle, Walter Schumann, Doris Ludwig und Josef Schmelcher vom Vorstand des „Vereins für bürgerschaftliches Engagement“. In den Schaufenstern des Treffpunkts „Mach Mit“ hängen Bilder aus der Aktion „Krempelfoto“, die sie bei ihrer Impfung zeigen. Daneben finden sich Informationen – etwa zum Ablauf der Impfung, zu Kontaktnummern sowie zu den Impfzentren.

Einerseits wollen die Ehrenamtlichen nach eigenen Worten niemanden missionieren, andererseits aber doch „vorangehen und ein Zeichen setzen“. „Natürlich ist es jedermanns eigene Entscheidung, aber ich find’s gut und steh’ dazu“, sagt Schmelcher. Auch Kienle und Ludwig stellen nicht die Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen, Ängsten und Einwänden infrage. Doch Kienle hält mehr Aufklärung für entscheidend.

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Was letztlich den Ausschlag gab, sich für das Impfen auszusprechen und Informationen in die Gemeinde zu tragen, formuliert Quartiersmanagerin und Seniorenbeauftragte Isolde Stock: „Es geht darum, die Gemeinschaft nicht zu verlieren.“ In Zeiten, als wegen Corona keine Treffen möglich waren, hätten Seniorinnen und Senioren stark unter Einsamkeit gelitten, sagt Ludwig. Sie erzählt auch, dass Asylbewerber erworbene Deutschkenntnisse ohne Übung bei Zusammenkünften wieder verloren hätten.

Um Kontakt halten zu können, ohne andere zu gefährden, setzt man im „Mach Mit“ neben dem Impfen weiter auf Vorsicht. So finden zwar Gruppenaktivitäten statt und es sind Veranstaltungen geplant – jedoch in eingeschränktem Rahmen.

Impfbus-Termin:

Der Impfbus macht im Rahmen der Initiative „#HierWirdGeimpft“, jedoch erst in der Folgewoche am Donnerstag, 23. September, von 10.30 bis 17 Uhr Station auf dem Ottobeurer Marktplatz. Dort kann man sich ohne Termin impfen lassen. Mtzubringen sind der Personalausweis und der Impfpass. Verabreicht werden die Impfstoffe von Johnson & Johnson, bei dem eine einmalige Impfung genügt, sowie der Impfstoff von Biontech/Pfizer. Bei letzterem ist für die vollständige Impfung eine zweite Spritze nötig, die mit einem Zeitabstand von drei bis sechs Wochen im Impfzentrum verabreicht wird.