Flugplatz Mindelheim-Mattsies

Bericht aus dem Cockpit: „Man muss auf das Unerwartete reagieren, das ist das Spannende“

Grob Aircraft Flug

Mit der Maschine vom Typ G 120TP üben Thomas Brenner und seine Flugschüler auf der ganzen Welt.

Bild: Dominik Schätzle

Mit der Maschine vom Typ G 120TP üben Thomas Brenner und seine Flugschüler auf der ganzen Welt.

Bild: Dominik Schätzle

Thomas Brenner ist Pilot bei Grob Aircraft in Mattsies. Dort testet er neue Systeme und bildet Luftwaffenpiloten aus. Warum das nichts für schwache Nerven ist.
13.09.2021 | Stand: 16:31 Uhr

Knöpfe, Schalter, Warnlampen, Displays, Messgeräte, dazu Steuerknüppel und Pedale: Im Cockpit der Grob G 120TP die Übersicht zu behalten ist schwierig. Für Pilot Thomas Brenner hingegen ist es Routine. Er legt einen Hebel um und erhöht die Geschwindigkeit. Der 41-Jährige lenkt das Flugzeug in eine enge Rechtskurve. Wie in einer Achterbahn werde ich in den Sitz gedrückt. Durch regelmäßige Übungsflüge ist Brenner es gewohnt, wenn große Kräfte auf seinen Körper einwirken. Und auch für Ungeübte wie mich ist es gut auszuhalten. Doch dann kommt der Moment der Wahrheit: Brenner zieht den Steuerknüppel zu sich. Das Flugzeug fliegt in einem steilen Bogen fast senkrecht nach oben. Sofort werde ich mit voller Wucht in den Sitz gepresst. So fühlt es sich also an, wenn das Fünffache des Körpergewichts auf den eigenen Körper wirkt.

Der Ausblick aus dem Cockpit.
Der Ausblick aus dem Cockpit.
Bild: Dominik Schätzle

Nervenkitzel über den Wolken in Mattsies

Für Thomas Brenner ist das Alltag. Der 41-Jährige leitet die Flugschule bei Grob Aircraft. Er bildet Piloten aus. Seine Schüler sind meist vom Militär und selbst auch Ausbilder. Sie geben ihr Wissen dann an andere Luftwaffenpiloten weiter. Diese lernen in den Grob-Maschinen Flugmanöver, die sie später in ihren Kampfjets brauchen werden. Wie zum Beispiel Loopings und Rollen – Brenner beherrscht diese und weitere Manöver praktisch im Schlaf. (Lesen Sie auch: Fliegerhorst Kaufbeuren: Hubschrauber der Bundeswehr machen Übungsflüge über dem Allgäu)

Die Vielfalt der verschiedenen Instrumente und Displays im Cockpit ist beeindruckend.
Die Vielfalt der verschiedenen Instrumente und Displays im Cockpit ist beeindruckend.
Bild: Dominik Schätzle

Eine halbe Stunde zuvor: Thomas Brenner steht auf dem Flugplatz Mindelheim-Mattsies. Neben ihm ein weiß-oranger Flieger – die Grob G 120TP. Das kleine Flugzeug wurde als Trainingsflieger für die militärische Piloten-Ausbildung entwickelt. Ein Triebwerk von Rolls-Royce treibt es mit etwa 380 PS an, für kurze Zeit können auch 450 PS abgerufen werden. Das Flugzeug kommt damit auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 400 Stundenkilometern.

Mit Grob Aircraft nicht nur in Deutschland, sondern auch international unterwegs

Grob Aircraft hat die Maschine schon an Luftwaffen in der ganzen Welt geliefert. Darunter Indonesien, Argentinien, Mexiko, Myanmar, Äthiopien, Bangladesch, Schweden, die USA und die Royal Air Force in Großbritannien. Brenner ist über die Jahre auch bereits bei fast allen Kunden vor Ort gewesen. „Es ist interessant, dass man die verschiedenen Nationen kennenlernen kann“, findet er. Besonders spannend seien auch die drei Atlantiküberquerungen in die USA gewesen. Denn wenn die Flugzeuge ausgeliefert werden, so kommen sie nicht immer per Containerschiff zum Kunden. Manchmal werden sie einfach direkt dorthin geflogen. Im Fall der Überführung in die USA dauerte das drei Tage, mit Zwischenstopps in Island und Kanada.

Abflug beim Flugplatz Mindelheim-Mattsies

Thomas Brenner ist nicht nur Leiter der Flugschule. Sein Einsatzgebiet ist auch die Flugerprobung. Er testet also neue Flugzeuge und Systeme, muss darüber berichten und sie bewerten. Funktioniert ein System nicht, wie es soll, könnte es also gefährlich werden. Darüber macht sich Brenner aber keine großen Gedanken. „Für mich sind es immer der technische Anspruch, die dreidimensionale Bewegung des Flugzeugs, was mich fasziniert“, sagt er. Jeder Flug habe seine Besonderheiten. „Man muss auf das Unerwartete reagieren, das ist das Spannende.“

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Mit Headset auf dem Kopf, Fallschirm auf dem Rücken und stramm festgegurtet geht es schließlich los. Brenner führt vor dem Start noch die Routinetests durch. Er drückt verschiedene Knöpfe. Systeme: gecheckt. Quer-, Höhen- und Seitenruder: gecheckt. Dazu notiert er sich Zahlen auf einem Block. Der 41-Jährige ist ursprünglich Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur. Bereits mit 17 hat der Neu-Ulmer erste Flugerfahrungen gesammelt, dann auch immer mehr Interesse an den technischen Hintergründen der Fliegerei entwickelt. Seit zehn Jahren arbeitet er bei Grob Aircraft.

Die Grob G 120TP wurde als Trainingsflieger für die militärische Piloten-Ausbildung entwickelt.
Die Grob G 120TP wurde als Trainingsflieger für die militärische Piloten-Ausbildung entwickelt.
Bild: Dominik Schätzle

Pilot bei Grob Aircraft zu sein, ist nichts für zarte Gemüter

Brenner kann nicht alle Manöver vorführen – und darüber bin ich gar nicht unglücklich. Manche davon sind nichts für schwache Nerven. Beim „Hammerhead Turn“ etwa wird das Flugzeug von der Horizontalen in die Vertikale gebracht und während es fast in der Luft stehen bleibt, um 180 Grad gedreht. Zur Ausbildung der Luftwaffenpiloten gehört auch, dass der Flieger absichtlich ins Trudeln gebracht wird, sich also in einer steilen Spirale Richtung Boden bewegt. Ein Zustand, den man normalerweise vermeiden will und der zu Unfällen führen kann. Genau deshalb müssen die Piloten aber lernen, das Flugzeug wieder abzufangen. (Lesen Sie auch: Segelfliegen in Bad Wörishofen: Simon Schröder ist Doppelweltmeister).

Für Brenner gehören Nervenkitzel und hohe Belastungen zur Berufsbeschreibung: „Es macht das Fliegen spannend, dass immer wieder andere Sachen aufkommen.“