MM-Steinheim

Pläne für Umfahrung überzeugen Bürger nicht

MM Steinheim

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Bild: Stefanie Rauh

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Stadtteilversammlung Steinheimer zweifeln an dem Nutzen einer neuen Straße und befürchten, dass dadurch sogar mehr Lärm für die Bewohner im Westen des Orts entsteht
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Von von David Specht
17.09.2019 | Stand: 15:33 Uhr

„Das wäre bundesweit die erste Umfahrung, die näher an das Dorf heranrückt. Bei Westwind haben wir eh schon den Lärm der Autobahn, der Europastraße und jetzt auch noch der Umfahrung. Die armen Leute, die da wohnen.“ Diese Aussage eines Bürgers quittierten die Steinheimer auf einer Infoveranstaltung in dem Ortsteil am Dienstagabend mit langem Applaus. Auf dem Treffen stellten Planer unter anderem Varianten einer Ortsumfahrung für Steinheim vor und erläuterten diese den Besuchern. Deren Reaktionen zeigten: die Steinheimer sind von den bisherigen Plänen nicht begeistert.

Konkret ging es um zwei mögliche Trassenverläufe. Beide biegen von Memmingen aus kommend nach der Amendigner Feuerwache von der Donaustraße nach Westen ab, verlaufen anschließend etwa parallel zur A7 und zur Europastraße, auf die sie schlussendlich auch münden. Variante I endet nördlich von Steinheim an der Kreuzung vor Heimertingen, Variante II bereits etwas früher am Egelseer Kreisverkehr. Eine Variante, die noch früher auf die Europastraße mündet, habe man wegen des geringen Nutzens nicht weiter verfolgt, erklärte Uwe Weißfloch vom Stadtplanungsamt.

Beide Varianten senken den Verkehr, der laut Prognose des Ingenieurbüros Brenner Bernard im Jahr 2030 durch Steinheim fährt, um bis zu 7900 beziehungsweise 7600 Autos, Motorräder und Lastwagen. Daneben entlasten sie allerdings auch die Europastraße um 5200 und 4100 Fahrzeuge. Da diese Straße, genau wie die geplante Umgehung westlich von Steinheim verläuft, veranlasste das einen Besucher zu der Frage: „Wieso muss man denn eine Umgehungsstraße entlasten.“

Unabhängig von der Umgehungsstraße plant die Stadt, die Ortsdurchfahrt von Steinheim, also die Heimertinger Straße, für Autofahrer unattraktiver zu machen. So sollen etwa Tempo 20- und Tempo 30-Zonen eingerichtet, die Fahrbahn verengt und der Ortskern selbst in einen verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt werden. Ein Steinheimer fragte deshalb: „Müssen wir also langsamer fahren, damit andere drumrum fahren?“

Das Gebiet, auf dem die beiden Trassen verlaufen, wird derzeit noch landwirtschaftlich genutzt. Vor diesem Hintergrund zweifelte ein Mann, ob eine solche Umgehung überhaupt zustande kommt: „Keiner der Grundstückseigentümer ist bereit, zu verkaufen.“ Ein anderer Teilnehmer regte an, mehr über Möglichkeiten zur Verkehrsreduzierung nachzudenken – und nicht darüber, wie man den Verkehr anders lenken könne.

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Natürlich werde die Stadt alternative Verkehrsarten ins Auge fassen, antwortete Oberbürgermeister Manfred Schilder. So sei man etwa dabei, ein neues Buskonzept zu erarbeiten und wolle Memmingen in eine Fahrradstadt umbauen. „Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die ihr eigenes Auto nutzen“, sagte Schilder. Diesen Verkehr, der nur durch Steinheim durchfahre und dort eigentlich nichts zu suchen habe, wolle man gern aus dem Ort heraushalten. „Ob eine Westumfahrung da der Weisheit letzter Schluss ist, muss man prüfen.“

Angesichts der Bedenken der Anwesenden stellte Schilder jedoch klar: „Keiner will die Umgehung erzwingen, wenn Sie das nicht wollen.“ Die Untersuchungen zur Umgehungsstraße hatte das Ingenieurbüro Brenner Bernard dem Stadtrat bereits im Juli vorgestellt. Mit den Aussagen der Steinheimer Bürger im Hinterkopf werden die Ratsmitglieder nun voraussichtlich im Oktober einen Grundsatzbeschluss zum Thema fassen.