Unterallgäu/Mindelheim

Raus aufs Land und gleich Kandidat

Freie Wähler Unterallgäu beim Besuch der Mindelheimer Zeitung.

Freie Wähler Unterallgäu beim Besuch der Mindelheimer Zeitung.

Bild: Johann Stoll

Freie Wähler Unterallgäu beim Besuch der Mindelheimer Zeitung.

Bild: Johann Stoll

Kommunalwahl Alex Eder zog mit seiner Familie im Januar von München nach Türkheim. Nun will der 36-Jährige bei der Landratswahl für die Freien Wähler ins Rennen gehen
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Von Johann Stoll
17.10.2019 | Stand: 15:28 Uhr

Es war der amtierende Landrat Hans-Joachim Weirather persönlich, der den ersten Kontakt herstellte. Weirather, der sich im nächsten Jahr nicht mehr zur Wahl stellt, machte sich auf die Suche nach seinem möglichen Nachfolger. Er wurde im Bauamt Krumbach fündig, wo seit August 2019 Alex Eder als Abteilungsleiter für das Straßennetz im Landkreis Günzburg zuständig ist. Weirather legte seinen Freien Wählern den Kandidaten dringend ans Herz. Und auch dort überzeugte Eder nach intensiven Gesprächen die gesamte Führungsmannschaft.

Mit vier möglichen Bewerbern hatten die Freien Gespräche geführt, berichtet Reinhold Bäßler, der dem Vorstand angehört. Einstimmig fiel die Wahl auf Eder. Noch steht zwar die offizielle Nominierung am 23. Oktober in Günz aus. Sie gilt aber als reine Formsache. Die Findungsgruppe um German Fries, Reinhold Bäßler, Stephan Drexel und Josef Steidele hatte Eder überzeugt, dass er das Zeug dazu hat, „die erfolgreiche Arbeit unseres Landrats Weirather fortzusetzen“, wie es der Kreisvorsitzende Stephan Drexel bei einem Redaktionsgespräch formuliert.

Alex Eder hat bisher keine kommunalpolitische Erfahrung, auch wenn der Umgang mit Bürgermeistern und Landräten seit vielen Jahren zu seinen Aufgaben gehört. In München war er Abteilungsleiter am Bauamt Freising, das für die drei Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau und Freising zuständig ist. Ehrenamtlich engagiert er sich als Geschäftsführer bei der Vereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure Bayern.

Noch zu Jahresbeginn 2019 war Eder am Bayerischen Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Es war die Zeit, als er mit seiner Familie ins Unterallgäu zog. Das war eine bewusste Entscheidung. Er und seine Frau wollten aufs Land – der Kinder wegen. München war ihnen zu hektisch und zu unübersichtlich geworden. Im Januar 2019 haben Alex und Lisa Eder mit ihren beiden Söhnen (drei und sechs Jahre alt) in Türkheim ihr Traumhaus bezogen, nicht weit vom Freibad entfernt. „Ich bin da noch davon ausgegangen, dass ich längere Zeit nach München pendeln werde“, erzählt er beim Redaktionsgespräch. Aber schon im Sommer ereilte ihn der Ruf nach Krumbach.

Als dann Weirather anklopfte, sorgte das erst einmal für einige schlaflose Nächte. Seine Frau reagierte allerdings „überraschend positiv“, wie er formulierte. Die viele Zustimmung, die er in der Folge verspürt habe, ermunterte ihn, das Wagnis einzugehen. Inzwischen ist er sicher: Landrat im Unterallgäu ist ein Traumjob. In Türkheim hat die Familie vor allem über die Kinder guten Anschluss gefunden. Seine Frau, die aus Lüneburg stammt, ist Mitglied im Elternbeirat. Der ältere Sohn hat sich von Eishockey begeistern lassen. Vom Unterallgäu haben sie bisher nur einen Teil gesehen. In allen 52 Gemeinden war Eder bisher noch nicht.

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Der 36-Jährige schlägt in seiner Familie als Techniker ein wenig aus der Reihe. Seine Mutter ist Richterin, sein Vater Polizist. Er ist waschechter Münchner, hat an der Technischen Universität studiert und dort als Diplomingenieur abgeschlossen. In seiner Freizeit läuft und wandert er gerne und liebt die Berge. Er ist auch begeisterter Handwerker. In der Garage hat er eine Werkstatt eingerichtet. Eine Truhe für Feuerholz war sein jüngstes Werk.

Bei Verwandten seiner Frau in Norddeutschland ist er immer gerne gesehen. Sie restaurieren einen alten Bauernhof. Eder hat da dieses Jahr zwei Wochen mitangepackt und mit seiner besonderen Arbeitsweise für Heiterkeit gesorgt: „Ich mache erst einmal zwei Tage lang nur Pläne“, erzählt er. „Danach geht es aber umso schneller“.

Einst war Eder bei der Jungen Union. Er hat sich von der Nachwuchsorganisation der CSU aber wieder abgewandt, weil „mich stört, dass manchmal gute Ideen deshalb nicht aufgegriffen werden, weil sie aus der falschen Ecke kommen“. Bei den Freien Wählern schätzt er, dass jeder seine Meinung sagen könne und die Sachpolitik im Vordergrund stehe.

Von den übrigen Parteien hat bisher nur die CSU ihren Kandidaten Rainer Schaal nominiert.