Nach Tod des langjährigen Vorsitzenden

Rolf Spitz führt jetzt den Verein Stolpersteine in Memmingen

Das neugewählte Führungsteam des Vereins Stolpersteine in Memmingen (von links): Dr. Hans Martin Steiger, Walter Stenzel, der neue Vorsitzende Rolf Spitz, Andrea Wanner, Dr. Thomas Epple, Stefan Nielsen und Rolf Kleidermann.

Das neugewählte Führungsteam des Vereins Stolpersteine in Memmingen (von links): Dr. Hans Martin Steiger, Walter Stenzel, der neue Vorsitzende Rolf Spitz, Andrea Wanner, Dr. Thomas Epple, Stefan Nielsen und Rolf Kleidermann.

Bild: Armin Schmid

Das neugewählte Führungsteam des Vereins Stolpersteine in Memmingen (von links): Dr. Hans Martin Steiger, Walter Stenzel, der neue Vorsitzende Rolf Spitz, Andrea Wanner, Dr. Thomas Epple, Stefan Nielsen und Rolf Kleidermann.

Bild: Armin Schmid

Rolf Spitz tritt in die Fußstapfen von Helmut Wolfseher. Weitere Erinnerungssteine sollen bald in Memmingen verlegt werden.
02.05.2022 | Stand: 15:30 Uhr

Rolf Spitz ist neuer Vorsitzender des Vereins Stolpersteine in Memmingen. Während einer Mitgliederversammlung in der Staatlichen Realschule wurde der 61-Jährige einstimmig zum Nachfolger des Ende vergangenen Jahres plötzlich und unerwartet verstorbenen Gründungsvorsitzenden Helmut Wolfseher gewählt.

Wolfseher war unbestrittene Leitfigur

Dr. Hans-Martin Steiger betonte, dass Helmut Wolfseher die unbestrittene Leitfigur des im Jahr 2013 gegründeten Vereins gewesen sei und bedeutsames für den Verein und seine Heimatstadt Memmingen geleistet habe. „Er war der Motor und Gründer der Stolpersteine in Memmingen und hat mit Leidenschaft gegen das Vergessen des im Nationalsozialismus Geschehenen gekämpft.“ Sein Ziel sei es gewesen, die Opfer des Nazi-Regimes wieder zurück ins gesellschaftliche Leben zu rücken. 2013 seien die ersten sieben Stolpersteine in Memmingen verlegt worden. Bis heute ist die Anzahl auf rund 150 Stolpersteine angewachsen. Weitere Steine liegen im Bauhof bereit.

Walter Stenzel erläuterte, dass die für die jüdischen Opfer vorgesehenen Stolpersteine für Hugo, Elsa und Horst Günzburger (Moltkestraße 8) und Wilhelm, Gertrud, Alice, Susanne und Hilde Rosenbaum (Kaisergraben 15) sowie Moses und Klara Eisfeld und Elise Klara Halle (Maximilianstraße 5) so bald als möglich verlegt werden sollen.

Oberbürgermeister Manfred Schilder betonte, dass angesichts des derzeitigen Kriegsgeschehens eine Erinnerungskultur notwendiger sei denn je. „Ein menschenverachtendes Regime darf es nicht mehr geben.“ Und trotzdem passiere es in der Ukraine wieder.

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Großes historisches Projekt gerät ins Stocken

Durch den Tod Wolfsehers sei mit der historischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung des Strafgefangenenlagers Stalag VII B Memmingen ein großes Projekt ins Stocken geraten. Das Ziel von Wolfseher war laut Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer, die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers aufzuarbeiten und einen Verein zu gründen, der dieses Projekt betreut. Bei Kriegsende seien noch rund 2400 Kriegsgefangene im Lager vor Ort gewesen und etwa 25.500 bei Arbeitseinsätzen. Meist im Bereich der Landwirtschaft und im Gewerbe. Laut Bayer hat es 800 Einsatzorte für Zwangsarbeit in ganz Bayern gegeben, die von Memmingen aus beschickt und gesteuert wurden. Das wissenschaftliche Forschungsprojekt zu diesem Thema läuft laut dem Kulturamtsleiter weiter. Die gesellschaftliche Verkettung und Vereinsgründung hingegen nicht.

Rolf Spitz meinte, dass man das Projekt zur weiteren Entwicklung in den Händen des Bezirks Schwaben lassen sollte. Der Verein Stolpersteine in Memmingen sei mit der Aufarbeitung der Geschehnisse rund um das Kriegsgefangenenlager überfordert. „Das können wir nicht leisten.“ Eine Vereinsgründung wäre auch laut Rolf Spitz der richtige Weg. Im Moment biete sich die Gelegenheit hierfür aber nicht. Daher müsse man es bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung belassen. Ein Promotionsprojekt könnte nach den Worten von Kulturamtsleiter Bayer ein erster Schritt in diese Richtung sein.

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