RS-Virus

„Flut an Patienten kaum noch zu beherrschen“: Memminger Kinder-Notaufnahme durch Infektwelle überlastet

Das Klinikum Memmingen schlägt Alarm: Derzeit werde die Kinder-Notaufnahme durch eine Infekt-Welle  überlastet. Grund dafür seien altbekannte Erkältungsviren wie der RS-Virus.

Das Klinikum Memmingen schlägt Alarm: Derzeit werde die Kinder-Notaufnahme durch eine Infekt-Welle  überlastet. Grund dafür seien altbekannte Erkältungsviren wie der RS-Virus.

Bild: Klinikum Memmingen (Symbolbild)

Das Klinikum Memmingen schlägt Alarm: Derzeit werde die Kinder-Notaufnahme durch eine Infekt-Welle  überlastet. Grund dafür seien altbekannte Erkältungsviren wie der RS-Virus.

Bild: Klinikum Memmingen (Symbolbild)

Wegen Erkältungsviren wie dem RS-Virus ist das Klinikum Memmingen am Limit. Der Chefarzt der Kinderklinik warnt - und appelliert an die Vernunft der Eltern.
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Von Allgäuer Zeitung
18.11.2021 | Stand: 11:55 Uhr

Notfall-Situation am Memminger Klinikum: Immer öfters werden Kinder wegen Virus-Erkrankungen eingeliefert. „Die Flut an Patienten ist kaum noch zu beherrschen“, sagt Kinderklinik-Chefarzt Prof. Frommhold. Zahlreiche Eltern würden gerade feststellen, dass ihre Kinder viel häufiger und schwerer krank sind als früher.

Der Grund: Durch die strengen Corona-Hygiene-Maßnahmen, die seit eineinhalb Jahren gelten, ist das Immunsystem vieler Kinder kaum trainiert worden. Dadurch werden sie anfälliger für Erkältungsviren wie etwa dem RS-Virus. Das Respiratorisches Synzytial-Virus ist eine Atemwegserkrankung, die derzeit bei vielen deutschen Kliniken ein aktuelles Problem ist. Vor allem auf den Kinderstationen nimmt die Anzahl an jungen Patienten zu. Denn es sind häufig Kinder und Säuglinge, die sich mit dem RS-Virus infizieren.

RS-Virus im Allgäu: Klinikum Memmingen schlägt Alarm

Eine Erkältungswelle, ausgelöst durch verschiedene andere Atemwegsviren, die "die Kinderkliniken wahrlich überrollt", sei laut Frommhold nach den langen Lockdown-Phasen so nicht vorhersehbar gewesen.

Die Folgen in den Krankenhäusern: Volle oder überbelegte Stationen und immense Wartezeiten für Patienten auch in der Notaufnahme. Erschwerend hinzu komme der landesweite Pflegemangel samt Bettensperrungen sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie hinzu.

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Kinderklinik-Chefarzt am Klinikum Memmingen bittet Eltern um Hilfe

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Weil am Klinikum Memmingen seit einigen Wochen eine übermäßige Inanspruchnahme der Kindernotaufnahme beobachtet werde, appelliert der Chefarzt an die Eltern. Um eine schnelle Entlastung zu gewährleisten und eine Überlastung der Klinik zu vermeiden, sei es für Eltern wichtig, Ruhe zu bewahren.

"Ich kann sehr gut verstehen, dass sich Eltern gerade in der jetzigen Zeit Sorgen um Ihr krankes Kind machen, aber es gehört eben zur normalen Entwicklung des Immunsystems dazu, dass es sich mit verschiedenen Krankheitserregern auseinandersetzt", erläutert Frommhold.

Rat eines Allgäuer Mediziners: Erkältungssymptome erst einmal von Zuhause aus bekämpfen

„Wenn Ihr Kind Infektionszeichen wie Fieber, Husten, Schnupfen oder Durchfall zeigt, so ist das in den meisten Fällen kein Notfall.“ Maßnahmen wie etwa viel Trinken und Schlafen würden genauso wie fiebersenkende Mittel bereits in vielen Fällen zur Genesung beitragen. „Denn kommen Eltern mit ihren kranken Kindern ohne zu überlegen zu jeder Tages- und Nachtzeit in unsere Kinderklinik, sind wir schnell überlastet und nicht mehr in der Lage, alle Patienten angemessen zu behandeln", warnt der Allgäuer Mediziner. (Lesen Sie auch: Droht die "Triage" in deutschen Kliniken? Die wichtigsten Fragen und Antworten)

Prof Dr. David Frommhold ist der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Memmingen. Der Mediziner bittet angesichts der Notlage am Klinikum die Eltern um Mithilfe und rät zur Ruhe.
Prof Dr. David Frommhold ist der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Memmingen. Der Mediziner bittet angesichts der Notlage am Klinikum die Eltern um Mithilfe und rät zur Ruhe.
Bild: Koch, Klinikum Memmingen

Das gefährde unnötig Menschenleben. Denn es sei die Hauptaufgabe der Notaufnahme der Kinderklinik, nur schwerstkranke Patienten stationär aufzunehmen. Da die Kinder nach der Schwere ihrer Erkrankung und nicht nach der Ankunftszeit behandelt werden, könne es außerdem aktuell zu längeren Wartezeiten kommen.

Wenn das Kind krank ist: Erste Informationen geben die Ärzte vor Ort

Für einen ärztlichen Rat sollten sich Eltern laut Frommheld an erster Stelle an den kassenärztlichen Dienst wenden. Eltern sollten ihren Nachwuchs also am besten zuerst in den Arztpraxen vor Ort untersuchen lassen. Außerhalb der Sprechzeiten könne dann der kassenärztliche Notdienst weiterhelfen.

Auf einen Blick: Wo und wann sich Eltern in Memmingen an einen Arzt wenden können

  • Wochentags von 8 bis 18 Uhr: In der Kinderarzt-Praxis oder bei einem Vertreter
  • am Wochenende/Feiertag von 9 bis 15 Uhr: In der kinderärztlichen Bereitschaftspraxis Bismarckstraße 2 in Memmingen (circa 200 Meter vom Klinikum Memmingen entfernt, Richtung Stadtmitte)
  • Außerhalb dieser Zeiten: Durch den kassenärztlichen Notdienst (Tel.: 116-117)

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