Jubiläum

Sebastian Kneipps Kirchenfenster landeten fast auf dem Müll

OB Kneippfenster

Dieser Ausschnitt zeigt die Widmung von Sebastian Kneipp.

Bild: Brigitte Unglert-Meyer

Dieser Ausschnitt zeigt die Widmung von Sebastian Kneipp.

Bild: Brigitte Unglert-Meyer

Wasserdoktor stiftete in Stephansried 20000 Goldmark für Kapelle seines Geburtsortes. Warum es in 1960er Jahren Kritik und einen "Kitsch"-Vorwurf gab.
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Von Brigitte Unglert-Meyer
19.08.2021 | Stand: 11:45 Uhr

Der 200. Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp wird in diesem Jahr begangen. Eine kleine Geschichte rankt sich um die Kirchenfenster in der Stephanus-Kapelle von Stephansried, der Geburtsheimat des berühmten Wasserdoktors, dessen Lehre auch heute noch populär sind.

„Geschenk sämtliche Fenster 1891 von Sr Hochwürden Herrn Seb Kneipp“ – so lautet eine Inschrift im Fenster mit der Darstellung des heiligen Sebastian. Dass die Fenster noch da sind und die Sanierung 1967 überstanden haben, ist dem Einsatz der Stephansrieder zu verdanken. Als 1891 das Kirchlein in ganz schlechtem Zustand war, entschlossen sich die Ortsführer und Kirchenpfleger zum 40. Priesterjubiläum von Pfarrer Kneipp, es vor dem Verfall zu retten. Aber die Kassen der Rechtler, die für den Erhalt des Kirchleins gedacht waren, sind durch Eigenverbrauch des Holzes nach dem großen Brand im Weiler von 1841, dem auch Kneipps Elternhaus zum Opfer gefallen war, leer gewesen.

Dank an die Stephansrieder

Als Dank an alle Stephansrieder, „die mir so viel Gutes getan haben“, habe dann der in Wörishofen berühmt gewordene Msg. Kneipp die Kosten übernommen und damals 20000 Goldmark aufgewendet. In einer sorgfältig geführten Chronik ist auch festgehalten, dass unter anderem Pflaster, Kirchenstühle, Altar und Dachrinnen erneuert wurden.

Auch sechs neue Fenster in Kathedralglas mit farbigen Butzen und Bordüren hat Kneipp in Auftrag gegeben. Eine gewichtige Rolle spielte bei der Beschaffung Kneipps Berater und Freund Dr. Andreas Schmid, der Direktor des herzoglichen Klerikalseminars „Georgianum“ in München, der sogenannte „Kunstschmid“. Geschaffen wurden die Fenster 1891 von Glasmeister Joseph Peter Bockhorni München, wie die Initialen im Fensterbild des heiligen Joseph zeigen. Er fertigte Glasgemälde für Kirchen und nach Entwürfen von Künstlern, so auch die weiteren Fenster mit den vier Evangelisten Markus, Matthäus Lucas und Johannes.

Radikale Idee: "Farbfenster sind Kitsch und müssen raus!"

1964 stand hinsichtlich der 1200-Jahrfeier der Basilika wieder einmal eine Sanierung an. Pater Hermann Orf und sein Berater Architekt Willy Hornung stellten sich eine Neugestaltung nach modernen Gesichtspunkten vor: der alte Stil, Altar, Türen, Bänke und auch die von Kneipp gestifteten Farbfenster müssten raus. Sie waren im sogenannten Nazarener Stil und nach Auffassung der beiden, so die Chronik, wertlos und „Kitsch“.

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Die Stephansrieder Rechtler wollten zwar die Restaurierung, aber sie wollten auf jeden Fall die Farbfenster als Geschenk und Erinnerung an Pfarrer Kneipp erhalten. Sie hatten offenbar einen schweren Stand gegenüber Bürgermeister, Abt, Landrat und Architekt. Beim Kunstausschuss der Diözese Augsburg, Msg. Joseph Kunzmann und dem Stammkneippverein Bad Wörishofen fanden sie schließlich Unterstützung. Letzterer würde zur Restaurierung einen Zuschuss von 20000 Mark geben, hieß es. Aber nur unter der Bedingung, dass die Fenster blieben.

So kam es schließlich auch. Die Kunst- und Bauglaserei Arthur Wegmann hat die insgesamt 116 Teile für 6551,55 D-Mark ausgebaut und repariert. Die Einweihung erfolgte erst zum 150. Geburtstag von Kneipp 1971.