Gesundheit in Memmingen

Sicherheit auf Knopfdruck

MM Hausnotruf

Verena Gotzes (rechts) hat sich vor einem halben Jahr einen Hausnotruf zugelegt. Über den Kooperationspartner Mewo kam sie zum Hausnotruf der Johanniter. Goda Beyer-Hörmann, Hausnotrufexpertin der Johanniter, traf die Stadträtin in ihrer Wohnung und erkundigte sich über deren bisher gemachten Erfahrungen.

Bild: Werner Mutzel

Verena Gotzes (rechts) hat sich vor einem halben Jahr einen Hausnotruf zugelegt. Über den Kooperationspartner Mewo kam sie zum Hausnotruf der Johanniter. Goda Beyer-Hörmann, Hausnotrufexpertin der Johanniter, traf die Stadträtin in ihrer Wohnung und erkundigte sich über deren bisher gemachten Erfahrungen.

Bild: Werner Mutzel

Der Hausnotruf garantiert Hilfe im Notfall und ermöglicht weiter ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Eine Expertin erklärt, wie er funktioniert.
12.07.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Seit längerem plagen den 84-jährigen Senior Schwindelattacken, dann verliert er für wenige Sekunden vollkommen die Kontrolle über sich. Bereits zweimal ist er in seiner Wohnung gestürzt, zuletzt musste er ins Krankenhaus: Oberschenkelhalsfraktur. Sohn und Schwiegertochter leben zwar im gleichen Haus, sind jedoch berufstätig und fürchten, dass der betagte Herr irgendwann wieder einen Notfall hat und er über Stunden auf die rettende Hilfe warten muss. Die Angehörigen haben sich deshalb zusammen mit dem anfangs skeptischen Senior für einen Hausnotruf entschieden.

Ältere Menschen leben häufig allein und werden in ihren Bewegungen unsicherer. Insbesondere, wenn die nächsten Angehörigen nicht am gleichen Ort wohnen oder durch ihren Beruf nicht immer erreichbar sind, wird die Gestaltung eines selbstständigen Alltags immer schwieriger. Gleiches gilt für chronisch Kranke oder Menschen mit einem Handicap, die ebenfalls in der eigenen Wohnung bleiben wollen. Oft ist erst ein Sturz oder ein häuslicher Unfall der Anlass, über Hilfsmittel wie einen Rollator oder einen zusätzlichen Griff am Wannenrand nachzudenken. Aber auch ein Hausnotruf kann eine wesentliche Unterstützung sein, der ohne großen Aufwand die Sicherheit in den eigenen vier Wänden erhöht, sagt die Allgäuer Hausnotruf-Expertin Goda Beyer-Hörmann von den Johannitern.

Hausnotrufsystem umfasst zwei Geräte

Besonders älteren, behinderten oder chronisch kranken Menschen erleichtert der Hausnotruf das tägliche Leben. Ein Hausnotrufsystem umfasst immer zwei Geräte: eine Basis-Station und einen Funksender, der als Armband oder Halskette getragen wird. Die Basisstation ist mit dem Telefonanschluss oder auch dem Mobilfunknetz verbunden und verfügt über einen Lautsprecher. Bestehende Telefonverbindungen werden im Falle eines Notrufs unterbrochen. Selbst ein Sturz in der Badewanne kann dem wasserdichten Notrufknopf nichts anhaben. Auch bei Unfällen im Garten genügt die Reichweite des Funksenders, um zuverlässig einen Alarm auszulösen. Befindet sich die jeweilige Person in ihrer Wohnung, ist häufig über die Freisprecheinrichtung der Basisstation eine Abklärung des Sachverhalts möglich. Malteser, Johanniter und das Rote Kreuz sowie die Caritas und die Diakonie bieten den Hausnotruf als kostenpflichtige Dienstleistung an.

Wird per Knopfdruck der Alarm ausgelöst, meldet sich über die Freisprecheinrichtung der Basisstation die ständig besetzte Notrufzentrale der jeweiligen Organisation. Sollte ein Sprechkontakt nicht zustande kommen, wird eine ausgewählte Vertrauensperson oder der Rettungsdienst alarmiert. Auch kann der Wohnungsschlüssel sicher hinterlegt werden und ein Hausnotruf- Mitarbeiter macht sich unverzüglich auf den Weg. Für diesen Einsatzdienst sind laut Beyer-Hörmann bei den Johannitern acht hauptamtliche Mitarbeiter und 25 Ehrenamtliche eingesetzt, die das gesamte Allgäu abdecken. Eine SOS-Notfalldose mit den wichtigsten Patienteninformationen für einen Rettungseinsatz wird auf Wunsch zur Verfügung gestellt.

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Wann die Pflegekassen die Kosten übernehmen

Ab Pflegegrad 1 übernehmen die Pflegekassen die monatlichen Kosten für die Basisleistung des Hausnotrufsystems in Höhe von 25 Euro. Die Hausnotruf-Mitarbeiter übernehmen jedoch keine pflegerischen Aufgaben. Die Hilfsorganisationen bieten zusätzliche Leistungspakete an. So wird bei den Johannitern für reiselustige Personen sogar ein kleines Mobilteil mit Notrufknopf zur Verfügung gestellt, das deutschlandweit eine Ortung für den Notfall ermöglicht.

Rettungsdienstkräfte berichten immer wieder von Einsätzen bei älteren Personen oder Menschen mit einem Handicap, die in ihrer häuslichen Umgebung zu Sturz kamen, nicht mehr aufstehen und sich nicht bemerkbar machen konnten. Teilweise wurden sie erst nach Stunden aufgefunden und mussten mit Schmerzen eine qualvolle Zeit bis zu ihrer Rettung durchleben. Nicht nur für die Betroffenen selbst ist deshalb der Hausnotruf mit dem roten Alarmknopf ein wichtiger ständiger Begleiter. Für die Familie und Freunde bedeutet dies gleichzeitig eine Entlastung und das gute Gefühl, dass im Notfall schnelle qualifizierte Hilfe unterwegs ist.

Stadträtin Verena Gotzes hat sich vor einem halben Jahr einen Hausnotruf zugelegt. Über den Kooperationspartner Mewo kam sie zum Hausnotruf der Johanniter. „Bisher hatte ich Gott sei Dank keinen echten Notfall, aber das Armband gibt mir ein Stück Sicherheit“, sagt Gotzes, die sich als Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt und in der Behindertenkontaktgruppe seit vielen Jahren für Menschen mit einem Handicap einsetzt.