Konzert

Spaß am Improvisieren: „Vieles was wir spielen, ist völlig frei“

KU Matinee

Josef Bichlmair (links) und Günther Schwanghart begeisterten ihr Publikum in der Erich-Schickling-Stiftung in Eggisried mit ihrem niveauvollen Spiel.

Bild: Horst Hacker

Josef Bichlmair (links) und Günther Schwanghart begeisterten ihr Publikum in der Erich-Schickling-Stiftung in Eggisried mit ihrem niveauvollen Spiel.

Bild: Horst Hacker

Viel Beifall für Josef Bichlmair und Günther Schwanghart in der Schickling-Stiftung. Im niveauvollen Programm von Klezmer bis Klassik gab es einen Publikumsliebling.
23.08.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Der Ittelsburger Josef Bichlmair (Zither) und der Ottobeurer Klarinettist Günther Schwanghart bescherten rund 50 Besuchern in der Erich-Schickling-Stiftung in Eggisried bei Ottobeuren (Unterallgäu) eine höchst niveauvolle instrumentalmusikalische Sonntagsmatinée. Ihr neunteiliges Programm bot verschiedenste Musikrichtungen – von Klezmer bis Klassik, von Romantik bis Jazz. Ihre mit improvisatorischen Elementen angereicherten und ausgeprägt individuell interpretierten Stücke ernteten alle verdient viel Beifall.

Größten Applaus gab es für das traditionelle fröhliche Klezmer-Ge-bet „Happy Nigun“, in das sich laute Bravorufe mischten. Heiter und beschwingt bereits der Anfang des Stücks, der mit flott hüpfendem Rhythmus sofort viel mitreißende Fahrt aufnahm.

Solistisches Intermezzo

Errol Garners 1954 komponiertes „Misty“ („neblig“) moderierte Schwanghart als Klassiker der Jazz-Literatur an. Bichlmairs elektrisch verstärktes Vorspiel ähnelte einer E-Gitarre. Sein solistisches Intermezzo entfaltete poetisch anmutende Wirkung. „Vieles was wir spielen, ist völlig frei“, schob Schwanghart nach. „Bei Regen würden wir intuitiv anders als bei Sonnenschein spielen.“

Franz Schuberts „Gute Nacht“ („Fremd bin ich eingezogen“) aus dem Liederzyklus „Winterreise“ (1827) ragte als konzertanter Höhepunkt heraus. Bichlmair sang das Kunstlied schon als jugendlicher Abiturient am Musischen Gymnasi-um; als Inbegriff romantischer Liedkunst begleitete es ihn sein Leben lang.

Mit der Zither Gefühle ausdrücken

Mit der Zither brachte er in heller Dur-Tonart die harmonischen Gefühle von Glück zum Tragen, als die Liebesbeziehung des lyrischen Ichs zu seinem Mädchen („Das Mädchen sprach von Liebe, die Mutter gar von Eh’“) noch „in Butter“ war. Mit seiner Klarinette brachte Schwanghart überaus feinfühlig moll-gedämpft und virtuos nuanciert die Gefühlswelt des jungen Mannes nach seinem Auszug („Nun ist die Welt so trübe, der Weg gehüllt in Schnee“) zum Ausdruck. Auf Wanderschaft bleibt ihm in winterlicher Nacht nur noch, Feinsliebchen im Vorübergehn „gute Nacht“ ans Tor zu schreiben. Damit es sehen möge: „An dich hab’ ich gedacht“.

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