Fahrrad/Serie

Stadtradeln: Vöhlin-Gymnasium ist in Memmingen spitze

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Beim Wettbewerb „Stadtradeln“ hat heuer das Memminger Vöhlin-Gymnasium gewonnen. Besonders aktiv war dabei die Klasse 5 d. Diese zeigt unser Bild, das direkt vor der Schule entstand. Hinten rechts ist Klassenlehrer und „Team-Kapitän“ Andreas von Kietzell zu sehen.

Bild: Vöhlin-Gymnasium

Beim Wettbewerb „Stadtradeln“ hat heuer das Memminger Vöhlin-Gymnasium gewonnen. Besonders aktiv war dabei die Klasse 5 d. Diese zeigt unser Bild, das direkt vor der Schule entstand. Hinten rechts ist Klassenlehrer und „Team-Kapitän“ Andreas von Kietzell zu sehen.

Bild: Vöhlin-Gymnasium

Das Memminger Vöhlin-Gymnasium hat beim „Stadtradeln“ die Nase vorne. Warum das Team im Verlauf von drei Wochen "zum Südpol und zurück" gefahren ist.
28.07.2021 | Stand: 15:45 Uhr

In den vergangenen Jahren bekam Memmingen als „Fahrradstadt“ stets recht gute Bewertungen. Was wirklich gut ist und was noch alles verbessert werden kann, beleuchten wir in unserer Rad-Serie. Im fünften Teil geht es um den Wettbewerb „Stadtradeln“.

„Zusammenfassend kann man sagen: Heuer haben sich mehr Bürgerinnen und Bürger fürs Stadtradeln angemeldet als im vergangenen Jahr – und es sind auch insgesamt mehr Kilometer zusammengekommen.“ Diese Bilanz zog nun Urs Keil, der Radverkehrsbeauftragte der Stadt Memmingen.

In Zahlen sieht das so aus: Zum dritten Mal nahm die Stadt an dem Wettbewerb der Aktion „Klima-Bündnis“ teil – und zwar mit einem „beeindruckenden Ergebnis“, wie Andreas von Kietzell vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) meint. Seinen Angaben zufolge meldeten sich in diesem Jahr 861 Teilnehmer in 45 Gruppen an. Diese hätten insgesamt 173 599 Kilometer zurückgelegt. Das entspreche einer rechnerischen Kohlendioxid (CO2)-Einsparung von 26 Tonnen. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 legten 467 Teilnehmende in 47 Teams rund 114 000 Kilometer zurück und sparten dabei rund 17 Tonnen Kohlendioxid ein.

Den ersten Platz belegte im vergangenen Jahr der Verein „Probikesport“, dicht gefolgt vom Vöhlin-Gymnasium.

In diesem Jahr hatte das Vöhlin die Nase vorne

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In diesem Jahr hatte nun das Vöhlin mit 30 915 Kilometern die Nase vorne. Auf Platz zwei folgte heuer Probikesport (24 997), auf Rang drei das Bernhard-Strigel-Gymnasium (22 337). Vierter wurde die Staatliche Realschule, Fünfter „Bäckerei Maier Rennsemmeln“. Weitere Infos hierzu gibt es unter der Internetadresse https://www.stadtradeln.de/memmingen.

Wer in den vergangenen Wochen den Kaisergraben entlang fuhr, konnte vor dem Vöhlin-Gymnasium das große, hellgrüne Transparent kaum übersehen. Darauf stand: „Stadtradeln – Memmingen ist dabei“. Zum dritten Mal nahm die Maustadt heuer an dem Wettbewerb teil. Lehrer Andreas von Kietzell, der auch Kapitän des Siegerteams war, erklärte: „Die Idee des Stadtradelns ist: Wir machen bewusst, wie sich Klimaschutz im Alltag umsetzen lässt – und zwar so, dass es von den Beteiligten als Gewinn erfahren wird.“ Dadurch gebe es beim Stadtradeln nur Gewinner – egal, auf welchem Platz die jeweilige Gruppe gelandet sei.

Organisator sagt: Immer mehr Teilnehmer

Der Gymnasiallehrer organisierte zum dritten Mal die Aktion an seiner Schule und stellte dabei fest: „Wir haben von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer, weil die, die schon dabei waren, wieder mitmachten und neue Teilnehmer dazugewannen. In diesem Jahr waren wir 169 aktiv Radelnde. Unsere Gesamtstrecke entspricht dem Hin- und Rückweg von Memmingen zum Südpol!“

Das „Team Vöhlin“ setzte sich aus Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften zusammen. „Gerade in dieser von Corona geprägten Zeit, in der Begegnungen eingeschränkt sind, konnten wir so ein Stück Schulgemeinschaft erfahren – erfahren sogar im Vollsinn des Wortes: Denn an vier Abenden trafen wir uns zu gemeinsamen Radtouren ins Umland“, erzählte der Pädagoge. Er freute sich über die Rückmeldungen von Eltern: „Der Wettbewerbsgedanke hat viele Kinder zum Radfahren motiviert. Und dabei merken sie dann, welche Vorteile das ihnen selbst bringt: Sie sind eigenständig mobil.“

Mit dem Stadtradeln verbindet der Lehrer einen Appell

Mit der Aktion „Stadtradeln“ verbindet der Lehrer auch einen Appell an die Politik: „Einfach herauszustellen, dass Radfahren Spaß macht und gesund ist, reicht nicht. Wer mit Kindern und Jugendlichen redet, erfährt schnell: Jeder hat im Straßenverkehr schon bedrohliche Situationen erlebt. Die Angst fährt immer mit, weil der Radfahrer bei einem Unfall der Schwächere ist.“

Für von Kietzell ist daher die Konsequenz klar: „Wir brauchen sichere, ausreichend breite, möglichst vom Pkw-Verkehr getrennte Radwege – und zwar durchgängig und nicht nur da, wo gerade genug Platz ist. Was für den Autoverkehr selbstverständlich ist, darf für die Radfahrer keine Ausnahme bleiben.“

Für ihn misst sich die Kinderfreundlichkeit einer Stadt auch daran, welche Bedingungen sie Kindern und Jugendlichen im Verkehrsraum biete. Denn wer noch keinen Führerschein habe, dem blieben nur der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) und das Fahrrad. „Wer hier gute Bedingungen schafft, der braucht dann auch nicht mehr über Eltern-Taxis zu lästern“, merkte der Lehrer an.

Besonders eifrig bei der Sache war die Klasse 5 d des Vöhlin. Mit 4753 Kilometern sammelte sie die meisten Kilometer eines „Unterteams“. Sie traf sich sogar an einem Samstag zu einer gemeinsamen Radtour in den Illerwinkel, wobei auch einige Eltern mitfuhren.

Unsere Redaktion hat die Klasse besucht – und dabei engagierte Kinder erlebt, die vor Begeisterung für das Fahrradfahren nur so sprühten: „Ich fahre erst seit einer Weile. Jetzt aber schon fünfmal die Woche“, sagte Leon stolz. Und Amélie ergänzte: „Ich fahre mit anderen zusammen bereits richtig weite Strecken bis 100 Kilometer.“

Fünftklässlern aus dem Vöhlin gefällt eine Tour mit Eltern am besten

Sofie zum Beispiel fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule. Auch Jakov macht das oft. Er hat dabei ganz spezielle Vorzüge des Radelns entdeckt: „Ich fahre sehr früh zur Schule. Da sehe ich, wie die Sonne aufgeht. Wenn ich durch den Wald fahre, sehe ich zum Beispiel Kröten, Eichhörnchen und Spechte. Das ist schön.“

Neben den vielen schönen Naturerlebnissen hatte es zahlreichen Fünftklässlern aus dem Vöhlin-Siegerteam eine spezielle Aktion im Rahmen des Stadtradelns angetan: die gemeinsame Radtour mit Eltern. „Das war toll, das sollten wir öfter machen“, sagten unter anderem Sami, Ondrej und Lukas.