Rückblick

„Plötzlich ein Aufschrei, der erste Turm stürzt ein“

Anschlag

Dieses Foto hat der damalige MZ-Redakteur Andreas Ellinger nach den Anschlägen in den USA gemacht. Es zeigt Kunden, die in einem Memminger Elektrofachmarkt vor einem Regal von Fernsehern stehen und die Nachrichten schauen, in denen es um den Terrorakt geht.

Bild: Andreas Ellinger

Dieses Foto hat der damalige MZ-Redakteur Andreas Ellinger nach den Anschlägen in den USA gemacht. Es zeigt Kunden, die in einem Memminger Elektrofachmarkt vor einem Regal von Fernsehern stehen und die Nachrichten schauen, in denen es um den Terrorakt geht.

Bild: Andreas Ellinger

Wie war der 11. September 2001 in Memmingen, als Anschläge in Amerika die Welt erschütterten? Von vollen Tankstellen und belagerten TV-Geräten in Supermärkten.
11.09.2021 | Stand: 05:00 Uhr

Die Flugzeuge krachten ins World Trade Center in New York – und in Memmingen ging kurz darauf an den Tankstellen nichts mehr. Kurz nach den Anschlägen in Amerika am 11. September 2001, also vor genau 20 Jahren, tankten viele Memminger ihre Autos voll. Vermutlich weil sie befürchteten, dass durch den Terror die Benzinpreise explodieren. Durch den Ansturm gab es lange Schlangen vor den Zapfsäulen.

Was geschah an diesem Tag in Memmingen? Über was hat die Memminger Zeitung damals berichtet? Zum Beispiel darüber, dass der Umsatz an den Tankstellen um 40 Prozent hochschnellte. Aber auch hierüber: „Die Überwachung des Luftraumes mit Radar-Anlagen ist verstärkt worden“, sagte der damalige Major Manfred Diem zu den Auswirkungen der Anschläge auf den Fliegerhorst Memmingerberg. Damals war dort das Jagdbombergeschwader 34 stationiert. Laufend gab es Lagebesprechungen unter den Stabsmitgliedern und vermehrt Kontrollen am Eingang.

„Die wichtigste Frage damals: Muss das Geschwader aus Memmingerberg auch eingreifen?“ An diese Details erinnert sich Anton Engel, der heute in Fellheim wohnt. Er war damals freier Mitarbeiter unserer Zeitung und hatte wegen seiner eigenen Vergangenheit bei der Bundeswehr enge Verbindungen zum Fliegerhorst. Er habe nach dem Anschlag mit Kommodore Oberst Norbert Geißendörfer gesprochen, ob das Jagdbombergeschwader 34 in den Krieg gegen den Terror ausrücken muss. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war das Geschwader schon in der Auflösungsphase, fast alle der Soldaten und Befehlshaber so gut wie an ihre neuen Dienststellen versetzt. 2003 war endgültig Schluss.

So gab es in Memmingen und Umgebung keine Bilder wie etwa in der hessischen Stadt Wetzlar, wo voll ausgerüstete Soldaten vor den Kasernen in Alarmbereitschaft standen.

Kurz vor dem Anschlag war Anton Engel noch in einem Memminger Supermarkt einkaufen. „Ich lief durch die TV-Abteilung mit den neuen Modellen, blieb stehen, weil mehrere Leute dort standen. Bilder aus New York. Strahlend blauer Horizont, die Wolkenkratzer im Vordergrund. Tolle Aufnahmen. Plötzlich fliegt ein Airliner in den linken Tower. Ein Spielfilm? Es bricht Feuer aus. Immer wieder ist die Szene zu sehen. Doch kein Film, sondern die Realität. Wir sind alle verängstigt. Dann kommt ein zweiter Flieger und rast in den anderen Turm. Mittlerweile stehen etwa 30 Personen vor den Fernsehern, starren, sind verwirrt, verängstigt, können es nicht glauben. Plötzlich ein Aufschrei unter diesen Besuchern, der erste Turm stürzt ein. So etwas habe ich noch nie gesehen.“

Einer der Türme des World Trade Centers stürzt gerade ein.
Einer der Türme des World Trade Centers stürzt gerade ein.
Bild: dpa

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"Ein bedrückendes Gefühl“: Wie sich Allgäuer und Redaktionsmitglieder an den 11. September erinnern

Große Sorge herrschte bei Ellen Dygutsch, die in Memmingen arbeitete. Wie sie unserer Zeitung am 11. September 2001 sagte, wollte sie nach den Anschlägen ihren Cousin erreichen, der damals in Manhattan arbeitete, einem New Yorker Bezirk. Geht es ihm gut? Sie wusste es nicht, weil sie ihn nicht erreichte. Einen Tag später sprachen wir wieder mit Ellen Dygutsch. Ihr Cousin war wohl auf, musste aber die Nacht in seinem Büro verbringen, weil alle Straßen dicht waren.

„Wir hatten Tränen in den Augen“

Reaktionen auf Facebook: Memminger erinnern sich an die Anschläge

Wie die Menschen aus Memmingen und dem Unterallgäu den 11. September 2001 erlebt haben, haben wir in der öffentlichen Facebookgruppe „Memmingen und Umgebung im Wandel der Zeit“ gefragt. Hier einige der Antworten:

  • Pamela R.: „Wir waren damals gerade im ProMarkt und schauten uns Fernseher an und plötzlich überall dieselben schrecklichen Bilder. Dachte erst, es sei ein Fake, aber leider war es die schreckliche Wahrheit. Auch die plötzliche Stille der Leute ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.“
  • Uwe S.: „Am Arbeitsplatz lief immer ein Radio. Davor stand mein Arbeitskollege und sagte nur: ’Sei still und hör zu’. Ich glaube, wir konnten locker 20 Minuten nicht arbeiten und standen da wie versteinert. Zuhause angekommen, sofort ins Wohnzimmer, Fernseher an und da standen wir, sahen die schrecklichen Bilder und hatten Tränen in den Augen. Wir dachten, das ist der Beginn des Dritten Weltkrieges. Erst nach einer halben Stunde merkte ich, dass ich noch den regennassen Anorak und den Rucksack anhatte. Ich werde diesen Tag mein Leben lang nicht vergessen.“
  • Ulli S.: „Schon krass, dass man sich noch an viele Einzelheiten erinnert, was man damals gemacht hat.“
  • Wolfgang W.: „Ich rief nachmittags meine Kollegin Mary bei Dachser am JFK-Airport in New York an, die gerade ins Office gekommen war. Ich hatte ein dringendes Anliegen, kam aber nicht zu meiner Frage, weil Mary nur weinte und schluchzte, von den Towers redete und ich kein Wort verstand. Also legte ich verärgert auf und wollte es später noch mal probieren. Ein paar Minuten später wussten wir dann Bescheid, ich hatte Mary Unrecht getan, eine Katastrophe war geschehen und sie war fassungslos.“