Integration

Theaterprojekt mit Happy End

MM Integrationstheater mit Happy End

Der Memminger Zahntechnikermeister Martin Laufer (links) lernte über ein integratives Theaterprojekt am Landestheater Schwaben den jungen Geflüchteten Matar Joof aus dem Senegal kennen. Er war so beeindruckt von dessen Präsenz auf der Bühne, dass er ihm eine Ausbildung in seinem Dentallabor anbot. Mit Erfolg.

Bild: Dunja Schütterle

Der Memminger Zahntechnikermeister Martin Laufer (links) lernte über ein integratives Theaterprojekt am Landestheater Schwaben den jungen Geflüchteten Matar Joof aus dem Senegal kennen. Er war so beeindruckt von dessen Präsenz auf der Bühne, dass er ihm eine Ausbildung in seinem Dentallabor anbot. Mit Erfolg.

Bild: Dunja Schütterle

Für einen jungen Geflohenen aus dem Senegal war eine Aufführung im LTS das Sprungbrett in einen Beruf
01.05.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Der Memminger Zahntechnikermeister Martin Laufer ist Brückenbauer – und das nicht nur wegen seines Handwerks. Bei dem integrativen Theaterprojekt mit Geflohenen aus dem Senegal, Somalia und Eritrea am Landestheater Schwaben (LTS) lernte er 2015 den damals 23-jährigen Matar Joof aus dem Senegal kennen, der nun in seinem Dentallabor die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Zahntechniker erfolgreich abgeschlossen hat.

„Meine Familie und ich haben uns damals die Aufführung angesehen“, erzählt Laufer von der Inszenierung. Das damalige Projekt, das in Kooperation mit der Agentur für Arbeit stattfand, hatte neben der Vermittlung von Asylbewerbern in Arbeit das Ziel, Integration zu schaffen. „Bei Matar hatte ich gleich ein gutes Gefühl. Er hat in Westafrika als Schneider gearbeitet“, erzählt Laufer.

In Europa gilt der Senegal als sicheres Herkunftsland, trotzdem sind die Jugendarbeitslosigkeit und somit die Perspektivlosigkeit hoch, einmal in Armut zu leben. Das bewegt gerade viele junge Männer zum Weggang aus der Heimat. Auch der zunehmende Klimawandel, der fruchtbare Böden in Wüsten verwandelt, spielt eine große Rolle, warum sich viele Menschen aus Afrika auf den Weg ins Ungewisse aufmachen. „Ich wollte was aus meinem Leben machen, es schaffen, alleine klarzukommen“, berichtet Matar Joof von seinem persönlichen Beweggrund, warum er seine Familie verlassen hat. Mit Mut und Hoffnung im Gepäck stieg der damals 20-Jährige in ein Schlauchboot, das ihn in eine für ihn „neue“ Welt bringen sollte. „Vier Tage lang hatten wir gar nichts zu essen und trieben ziellos auf dem weiten Meer. Der Motor leckte und es lief Benzin ins Boot. Ich hatte große Angst zu sterben“, erinnert sich Joof. Dann wurden sie von der italienischen Seerettung aufgegriffen.

Noch heute verfolgen ihn die Bilder seiner Flucht in seinen Träumen, besonders die aus Libyen. Die ständige Angst um das nackte Überleben hat auch körperliche Spuren hinterlassen. „Ich konnte nie richtig schlafen, da ich immer Angst haben musste, überfallen zu werden. Einmal passierte es und dabei habe ich mich auf der Flucht am Bein verletzt“, erzählt er.

Ein Jahr lang verbrachte Joof in einer Notunterkunft für Geflohene auf Sizilien. „Hier konnte ich nichts tun, nicht die Sprache lernen und nur warten“, berichtet er. Deswegen nahm er sein Schicksal wieder selbst in die Hand nahm und brach in Richtung Deutschland auf. Es gelang ihm, hierher zu kommen und einen Asylantrag zu stellen. Mehrere Stationen in verschiedenen Asylunterkünften durchlief er, bevor er nach Bayern kam.

Lesen Sie auch
##alternative##
Aus der Ukraine ins Westallgäu

Flüchtlinge aus der Ukraine: "Wir sind aus tiefstem Herzen dankbar"

„Als ich auf das Theater angesprochen wurde, wohnte ich in einer Einrichtung in Kettershausen. Wir bekamen bei dem Projekt einen Deutschkurs und lernten die verschiedenen Berufe im Theater kennen“, erzählt Joof. Durch das Projekt traf der Senegalese dann Martin Laufer, der ihm den Beruf des Zahntechnikers näherbrachte. „In unserer Branche ist es schwierig, junge Leute zu begeistern, viele wandern nach der Ausbildung in die Industrie ab, weil sie dort mehr verdienen“, sagt Laufer. Nun hat Joof die dreieinhalbjährige reguläre Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen. Mit dem Ehrgeiz, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – und mit der Unterstützung seiner „neuen, weißen, sechsköpfigen Familie“, wie er Laufer, dessen Frau und deren vier Kinder bezeichnet.

Viele Hürden

Seit März ist Joof als Zahntechniker-Geselle im Labor tätig. Auch wenn es nicht immer einfach war und es einige Hürden zu nehmen galt, wie Chef und Angestellter im Gespräch ehrlich zu berichten wissen. „Die Sprache und die Anforderungen in der Berufsschule waren schon schwer für mich“, sagt Joof. Dazu kam die Angst, wieder abgeschoben zu werden. Nach der bestandenen Ausbildung darf er jetzt zwei weitere Jahre in Memmingen bleiben. „Wenn es auch noch mit einer eigenen Wohnung klappen würde, wäre ich sehr glücklich“, sagt er. Derzeit bewohnt er ein Zimmer in einer Buxheimer Sammelunterkunft.

In Integration müsse investiert werden, was durchaus mit Arbeit verbunden sei, findet Laufer. „Ich würde es immer wieder so machen, denn wir lernen alle im Miteinander voneinander“, betont er. Und Zahntechniker Matar Joof stimmt ihm lachend zu.

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.