Oberbürgermeister im Interview

Trotz Pandemie – Die Stadt Memmingen hält an Projekten fest

OB Wahl Memmingen

Als strahlender Sieger nahm Manfred Schilder am Abend der Memminger Oberbürgermeisterwahl vor vier Jahren die Glückwünsche seiner Anhänger entgegen.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Als strahlender Sieger nahm Manfred Schilder am Abend der Memminger Oberbürgermeisterwahl vor vier Jahren die Glückwünsche seiner Anhänger entgegen.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Manfred Schilder ist seit vier Jahren Oberbürgermeister von Memmingen. In einer Zwischenbilanz spricht er über Erfolge, Niederlagen und anstehende Vorhaben.
26.03.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Vor vier Jahren haben die Memminger Manfred Schilder zu ihrem Rathauschef gewählt. Wir haben den Jahrestag zum Anlass genommen, mit dem Oberbürgermeister über Erfolge und Niederlagen in seiner bisherigen Amtszeit zu sprechen. Ebenso über Projekte, die er noch anpacken, weiterführen oder abschließen möchte, bevor die Bürger in zwei Jahren wieder zu den Wahlurnen gerufen werden.

Corona hält die Welt seit einem Jahr in Atem. Beschränkungen lassen Gewinne von Unternehmen – besonders beim Handel und der Gastronomie – dramatisch einbrechen. Das wird man aufgrund sinkender Steuereinnahmen auch im Stadtsäckel spüren. Sind Projekte, wie etwa der Bau eines Freizeitbads und weitere Schulsanierungen, gefährdet?

Schilder: Es ist zwar keine einfache Situation. Dennoch wird es bei der Stadt keinen Ausgabenstopp geben. So werden wir weiter in die Sanierung und die Ausstattung von Schulen investieren. Auch das Kombibad wollen wir bauen. Schließlich ist es wichtig, dass Kommunen in schwierigen Zeiten antizyklisch handeln, um die Konjunktur am Laufen zu halten. Dafür ist es auch legitim, in gewissem Maße Kredite aufzunehmen. Schließlich sind die Zinsen seit geraumer Zeit sehr, sehr niedrig. Dagegen wäre es falsch, an der Gewerbesteuer-Schraube zu drehen.

Der Ton in den sozialen Netzwerken wird immer rauer

Was hat sie in den vergangenen vier Jahren in ihrer Funktion als OB besonders gefreut – und was verärgert?

Schilder: Ich freue mich immer wieder darüber, dass wir in der Verwaltung und im Stadtrat ein gutes Miteinander haben. Wir sind sehr sachorientiert und Parteipolitik spielt keine Rolle. Sorge bereitet mir dagegen, dass der Ton im Internet bei den sozialen Netzwerken immer rauer wird – bis hin zu regelrechten Hasskommentaren.

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Welche Projekte haben sich in Ihrer bisherigen Amtszeit gut entwickelt und welche Vorhaben sind gescheitert?

Schilder: Bedauerlich war, dass Ikea seine Pläne am Autobahnkreuz überraschend begraben hat. Gleichzeitig hat sich dadurch aber eine neue Chance und eine Herausforderung ergeben. So kann ich mir auf dem Gelände ein neues Klinikum gut vorstellen.

Wie sieht es derzeit mit den Plänen für ein neues Krankenhaus aus?

Schilder: Wir wollen erreichen, dass die Stadt bis Ende des Jahres in ein Krankenhausförderprogramm des Freistaats aufgenommen wird. Dann könnten etwa 75 Prozent der förderfähigen Baukosten vom Staat übernommen werden.

Welche Projekte in ihrer bisherigen Amtszeit beurteilen Sie als gelungen?

Schilder: Da fallen mir die Sanierung des Strigel-Gymnasiums ein, der Bau der Feuerwache in Amendingen sowie die Bürgerbeteiligungen an der künftigen Entwicklung der Altstadt und des Stadtteils Steinheim. Dicke Bretter werden auch bei der Umsetzung unseres neuen ÖPNV-Konzepts gebohrt. Und das Thema „Weinmarkt“ ist mit dem Stadtratsbeschluss, den Platz bis spätestens 2025 autofrei zu machen, praktisch abgeschlossen.

Das Foto vom Juli 2020 zeigt den Memminger Rathauschef vor der Kramerzunft, die laut Schilder ein nationales Denkmal werden soll.
Das Foto vom Juli 2020 zeigt den Memminger Rathauschef vor der Kramerzunft, die laut Schilder ein nationales Denkmal werden soll.
Bild: Matthias Becker

Stichwort „Weinmarkt“. Dort steht die Kramerzunft, in der im Jahr 1525 die Bauernartikel verfasst wurden. Das Gebäude soll möglichst bis zum Jubiläum im Jahr 2025 komplett saniert und zu einem Ort der Begegnung werden. Wie ist der Stand der Dinge?

Schilder: Die Stadt beabsichtigt weiterhin, das Haus zu kaufen. Hier laufen Gespräche mit den drei Eigentümern. Zudem streben wir an, dass die Kramerzunft ein nationales Denkmal wird. Dafür braucht es einen Bundestagsbeschluss. Dann könnte auch Geld aus den Fördertöpfen des Bundes für die Sanierung fließen.

Ähnlich lange wie über einen autofreien Weinmarkt wird über die Sanierung der Straße von Dickenreishausen nach Hurren diskutiert. Zuletzt hieß es, dass sich die Stadt mit den Grundstückseigentümern über eine Trasse verständigt habe. Wie ist hier der Planungsstand?

Schilder: Wir sind uns im Prinzip einig. Es geht jetzt wirklich nur noch um Kleinigkeiten. Wir können das in ein paar Wochen abschließen und zum Notar gehen.

Bei weitem nicht soweit gediehen ist die geplante Umgestaltung des einstigen Bahnhofsareals und jetzigen Rosenviertels.

Schilder: Wir streben hier ja bekanntlich einen städtebaulichen Wettbewerb an, bei dem eine Jury die Entwürfe bewerten wird. Zur Vorbereitung des Wettbewerbs haben wir in mehreren Runden viele Anregungen aus der Bürgerschaft eingeholt – zum Teil auch online. Wir benötigen aber nicht nur gute Ideen und Entwürfe, sondern vor allem auch Investoren. Hier geht es sicherlich um 40 bis 50 Millionen Euro. Wir sind aber nicht darauf festgenagelt, dass es nur ein Investor sein soll. Man kann das Projekt sicher auf mehrere Schultern verteilen. Da ist noch alles offen.

Schilder würde gerne nochmal zur Wahl antreten

Werden Sie bei der Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2023 wieder antreten?

Schilder: Wenn mir der liebe Gott die nötige Gesundheit schenkt und mich die CSU-Delegierten wieder nominieren, werde ich gerne noch einmal zur Wahl antreten.

Kommen wir am Ende nochmals auf Corona zurück. Die Pandemie hat nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben, sondern bei dem einen oder anderen auch auf die Waage im Badezimmer...

Schilder (schmunzelnd): Ich bin zwar schon länger nicht mehr auf der Waage gestanden, aber ich habe schon zugelegt. Das liegt freilich an mangelnder Bewegung und daran, dass ich abends weniger Termine habe. Da genießt man dann schon mal die eine oder andere Praline auf dem heimischen Sofa. Aber ich habe einen Hometrainer im Keller stehen, auf dem ich ab und zu strample. Aber das ist noch ausbaufähig.

Wie Redakteur Volker Geyer die Situation rund um die seit Jahren geplante Sanierung der Hurren-Trasse beurteilt, lesen Sie hier.