Kunst

Tunnel wird zum Aquarium

MM Radunterführung

Benjamin Salcin, Lara Azevedo Costa, Sofia Fernandes Rodrigues und Sarah Christ präsentieren ihre Graffiti in der Radunterführung.

Bild: Theresa Osterried

Benjamin Salcin, Lara Azevedo Costa, Sofia Fernandes Rodrigues und Sarah Christ präsentieren ihre Graffiti in der Radunterführung.

Bild: Theresa Osterried

Im Memminger Osten gestalten Schülerinnen und Schüler des Bernhard-Strigel-Gymnasiums eine Radunterführung. Warum nun Götter und Fische die Wände zieren
13.11.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Die bunten Bilder stehen im Kontrast zum nebligen nasskalten Wetter: Die Schülerinnen und Schüler des Bernhard-Strigel-Gymnasiums freuen sich trotz der ungemütlichen Temperaturen darüber, ihr Kunstprojekt zu präsentieren. Im P-Seminar „Kunst im öffentlichen Raum“ unter der Leitung von Rebecca Engelmann haben die Schüler der Q12 die Radunterführung unter der Münchner Straße im Memminger Osten mit Graffiti künstlerisch gestaltet.

„Normalerweise ist eine Unterführung ein Ort, von dem man möglichst schnell wieder weg möchte“, sagt Patrick Schmitt, Schulleiter des Bernhard-Strigel-Gymnasiums. Bei dieser Unterführung hoffe er jedoch, dass die Radfahrer vielleicht sogar ein bisschen langsamer fahren, um sich die besprühten Wände genauer anzusehen.

Figuren aus Disneys Zeichentrickfilm "Aladdin" schmücken die Ein- und Ausfahrten

Denn dort gibt es einiges zu bestaunen: An den Ein- und Ausfahrten haben die jungen Künstlerinnen und Künstler den Zeichentrickfilm „Aladdin“ als Inspiration für ihre Motive gewählt. Auf der einen Seite sind die Umrisse der beiden Hauptfiguren abgebildet, die sich über die Unterführung hinweg ansehen. Auf der anderen Seite findet sich der Begleiter von Aladdin, der Affe Abu und ein Flaschengeist. Die Innenwände sind von zwei weiteren Gruppen gestaltet worden.

Krieg und Frieden: Götter als Sinnbild für die Zeitlosigkeit dieser Themen

„Unser Thema war Krieg und Frieden“, erklärt eine Schülerin. Diese Gegensätze haben die Jugendliche in verschiedenen Farben dargestellt – blau für den Frieden und rot für den Krieg. Gleichzeitig wollen sie die Zeitlosigkeit des Themas hervorheben. Daher stehen sich zwei antike Büsten gegenüber: Die griechische Göttin des Friedens an der einen Seite der Unterführung und der römische Gott des Krieges auf der anderen Seite.

Gleichberechtigung in der Gesellschaft - und immer wieder die Corona-Pandemie

Die andere Gruppe hat sich das Thema Individualität und Gleichberechtigung in der Gesellschaft vorgenommen. „Außerdem wollten wir die düstere Unterführung ein wenig heller und beruhigender machen. Deswegen haben wir den Hintergrund ein bisschen wie ein Aquarium mit Fischen gestaltet“, sagt eine Schülerin des Seminars.

"Gleichgeschlechtliche Liebe gehört zu unserer Gesellschaft"

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Im Vordergrund sind drei Paare zu sehen, die sich mit einem Mundschutz küssen – Nähe trotz der Pandemie. Bei den Paaren ist das Geschlecht nicht genau erkennbar. „Gleichgeschlechtliche Liebe gehört zu unserer Gesellschaft“, sagt Schülerin Lara Azevedo Costa. Die Jugendlichen wollen mit ihren Bildern darauf aufmerksam machen, dass die Beziehung im Vordergrund steht und nicht das Geschlecht des Partners oder der Partnerin.

Gestaltung des Memminger Ostens

Zwei Tage haben die 14 Jugendlichen laut Engelmann benötigt, um ihre Ideen an den Wänden der Unterführung zu verwirklichen. Für die Lehrerin ist das bereits das zweite Projekt dieser Art: Mit einer anderen Schulklasse hat sie bereits die Fassade eines Stadtteilbüros künstlerisch gestaltet. Auch die Stadtteilmanagerin Katrina Dibah-Lavorante freut sich über das Projekt im Memminger Osten. „Ein schönes Wohnumfeld trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei“, sagt sie. Da sei es wichtig, dass sich Jugendliche mit ihren Gestaltungsideen einbringen.

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