Trauer in Memmingen

TV Memmingen trauert um getötete 16-Jährige: "Unglaublich, was auf Einzelne eingeprasselt ist"

Blumen und Kerzen stehen auf dem Gelände in Memmingerberg, auf dem die tote 16-Jährige gefunden worden ist.

Blumen und Kerzen stehen auf dem Gelände in Memmingerberg, auf dem die tote 16-Jährige gefunden worden ist.

Bild: Andreas Berger

Blumen und Kerzen stehen auf dem Gelände in Memmingerberg, auf dem die tote 16-Jährige gefunden worden ist.

Bild: Andreas Berger

Der TV Memmingen, dem die getötete 16-Jährige angehörte, hilft seinen Mitgliedern nach dem schrecklichen Ereignis bei der Verarbeitung der Geschehnisse.
25.11.2021 | Stand: 08:58 Uhr

Die Trauer um die getötete 16-Jährige aus dem Raum Memmingen ist auch im Turnverein Memmingen groß. Die Jugendliche, die am Montag vergangener Woche tot auf einem Gelände am Allgäu Airport in Memmingerberg gefunden wurde, war Mitglied im TV Memmingen und dort in der Junior-Garde der Himmlischen Teufel aktiv. Laut Polizei war sie durch mehrere Messerstiche getötet worden. Zwei Verdächtige, ein 25-Jähriger aus dem Unterallgäu und eine 15-Jährige, sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Ihnen wird heimtückischer Mord vorgeworfen.

Am Montag vergangener Woche hätten er und viele Vereinsmitglieder aus der Presse von der Tat erfahren, sagt Alexander Frank, Abteilungsleiter von Elferrat und Prinzengarde. In dieser Abteilung tanzte die 16-Jährige. Zeitgleich machten Gerüchte die Runde, um wen es sich bei der Jugendlichen handeln könnte. Dienstagmorgen dann wurde der Abteilung die traurige Vermutung bestätigt.

Abteilungsmitglieder über Tat in Memmingen informiert

Frank ging früher von der Arbeit nach Hause, um sich um den Verein zu kümmern. Sein Handy sei überflutet worden mit Anrufen und Nachrichten vor allem von Vereinsmitgliedern. Doch statt sich vom Geschehen mitreißen zu lassen, überstürzt zu handeln und Verhaltenstipps vor allem für die jüngeren Mitglieder zu verschicken, beriet sich Frank zunächst mit seinen Abteilungsleitungskolleginnen und -kollegen. In einem gemeinsam erstellten Text informierten sie die Abteilungsmitglieder und den Vorstand des TV Memmingen mittags schließlich vorab über die Tat.

Auch die Kontaktdaten der psychologischen Beratungsstelle in Memmingen, bei der es akute Hilfe in seelischen Notlagen gibt, sendeten sie mit. Und zusätzlich eine Warnung: dass einige Boulevard-Medien wie Bild und RTL „schnell, schonungslos und penetrant versuchen, sich Infos zu holen“. Per Telefon, aber auch über soziale Medien: Da seien einige junge Mitglieder direkt angeschrieben worden, ob sie Informationen über die 16-Jährige hätten. „Unglaublich, was da auf einzelne Mitglieder eingeprasselt ist“, sagt Abteilungsleiter Frank. „Mir wird heute noch schlecht, mit welcher Impertinenz und Schonungslosigkeit da einige Boulevard-Medien vorgegangen sind. Deswegen haben wir am Dienstag die Bitte an die Mitglieder herausgegeben, nicht mit den Medien zu sprechen.“

Jüngere Mitglieder mit externer Hilfe betreut

Ebenfalls am Dienstag begann die Abteilungsleitung nach externer Hilfe zu suchen, um vor allem die jüngeren Mitglieder ordentlich betreuen zu können. Noch am selben Abend trafen sich der Vorstand von Elferrat und Prinzengarde sowie die beiden Trainerinnen der Juniorgarde in einer kurzfristig anberaumten Online-Sitzung mit einem Psychologen und dem Leiter des Kriseninterventionsdienstes. Für diesen Dienst, der zum Bayerischen Roten Kreuz gehört, arbeiten speziell geschulte Ehrenamtliche, sie bieten nach traumatisierenden Ereignissen Erste Hilfe für die Seele an.

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Während dieses Treffens entstand unter anderem ein weiterer Text, der später den Mitgliedern geschickt wurde. Darin ging es etwa noch mal um die Bitte, keine Fotos, Videos und Informationen an die Medien weiterzugeben. Und um Tipps, wie sich Vereinsmitglieder verhalten sollen, wenn einige Medienvertreter nicht lockerlassen. Aber auch um die Empfehlung, mit Beileidsbekundungen gegenüber der Familie der 16-Jährigen zu warten, bis die Abteilungsleitung Kontakt zu den Eltern aufgenommen hat.

Gesprächsrunde mit den Mitgliedern

Aufgrund der Empfehlungen des Psychologen und des Leiters des Kriseninterventionsdienstes wurde vereinbart, dass es während der regulären Trainingszeit der Junior-Garde eine Gesprächsrunde mit den Mitgliedern geben soll, in der über den Fall, über Gedanken, Sorgen und die Trauer gesprochen werden kann. Ob und wann es vereinsintern eine Trauerfeier geben wird, darüber müsse mit Blick auf das aktuelle Pandemie-Geschehen noch beraten werden, sagt Alexander Frank.

Am vergangenen Dienstag gab es eine emotionale Trauerfeier für die getötete 16-Jährige.

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