Unterkunft

Seniorenheim in Memmingen: Hier leben nun Geflüchtete aus der Ukraine

Ein Blick in eines der Zwei-Bett-Zimmer an der Badgasse.

Ein Blick in eines der Zwei-Bett-Zimmer an der Badgasse.

Bild: Andreas Berger

Ein Blick in eines der Zwei-Bett-Zimmer an der Badgasse.

Bild: Andreas Berger

Weil das Pflegeheim an der Badgasse in Memmingen vorübergehend leer steht, hat die Stadt es für Flüchtlinge aus der Ukraine angemietet. Ein Besuch.
11.05.2022 | Stand: 16:06 Uhr

Wo bis Februar Senioren gelebt haben, wohnen nun Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind. Im AWO-Pflegeheim an der Badgasse in Memmingen sind bereits 54 Frauen, Kinder und Männer untergekommen. Insgesamt 80 haben dort Platz. Am Mittwoch gewährten uns Stadt und Arbeiter-Wohlfahrt einen Blick in die Räume.

Die Seniorinnen und Senioren des AWO-Heims hatten in eine Einrichtung am Hühnerberg umziehen müssen, ebenfalls von der AWO, weil nicht mehr genügend Pflegepersonal zur Verfügung stand. Deshalb hatte die Stadt bei der AWO angefragt, ob in den leer stehenden Räumen Menschen aus der Ukraine unterkommen können. Memmingen habe keinen Wohnraum im Überfluss, sagte Oberbürgermeister Manfred Schilder. Weil die Regierung von Schwaben den Kommunen immer wieder Geflüchtete zuweist und es für so eine kleine Stadt ein enormer Aufwand sei, so viele Menschen unterzubringen, sei er dankbar, dass die AWO einverstanden gewesen sei.

„In so einer Notlage, wo dringend Wohnraum benötigt wird, konnten wir es nicht verantworten, dass die Gebäude hier leer stehen“, sagte Brigitte Protschka, Präsidentin der AWO Schwaben. „Es ist wirklich sehr schnell und sehr unbürokratisch gegangen“, sagte sie Richtung Oberbürgermeister und Stadtverwaltung. „Das ist eine gute Lösung, ich bin sehr froh.“ Die AWO hat die Gebäude von der Memminger Wohnungsbau, Mewo, gemietet und vermietet sie nun weiter an die Stadt – zu denselben Konditionen, also ohne Gewinn zu machen. Die Vereinbarung gilt für zwei Jahre.

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Ein Blick in die Unterkunft

Kochen: In den Etagen-Küchen, die zum Seniorenheim gehören, können die Bewohner ihre Mahlzeiten zubereiten. Sie sind ausgestattet mit Herd, Ofen, Spülmaschine und allem, was zu einer Küche gehört.

Die Gemeinschaftsküche: Hier können die Geflüchteten ihre Mahlzeiten zubereiten.
Die Gemeinschaftsküche: Hier können die Geflüchteten ihre Mahlzeiten zubereiten.
Bild: Andreas Berger

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Für bis zu 80 Menschen

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Täglicher Bedarf: Die Geflüchteten erhalten Sozialleistungen, mit denen sie ihren täglichen Bedarf decken können – etwa für Lebensmittel und Kleidung.

Bad: Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad. Zusätzlich gibt es noch Gemeinschaftsbäder auf den Gängen.

Wäsche: Bettwäsche und Handtücher bekommen die Bewohnerinnen und Bewohner gestellt. Ihnen stehen im Haus auch Waschmaschinen zur Verfügung.

Betreuung und Hilfe: Betreut werden die Bewohnerinnen und Bewohner von ehrenamtlichen Helfern und Übersetzern, beispielsweise bei Behördengängen und Bankgeschäften. Doch es sei wichtig, den Geflüchteten ihre Selbstständigkeit wiederzugeben, sagte Schilder. Sie sollen unterstützt und informiert werden, aber so viel wie möglich selbst erledigen. „Das ist ein ganz wichtiges Element der Traumabewältigung, dass die Menschen sich eigenständig versorgen, eigenständig leben und eigenständige Entscheidungen treffen können.“

Internet: Die Stadt richtet derzeit eine Internetverbindung für das Gebäude ein, das die Geflüchteten dann kostenlos nutzen können.

Zimmerbelegung: Um den Platz zu nutzen, kann es sein, dass sich zwei Menschen, die sich bisher nicht kannten und die jeweils allein nach Deutschland geflohen sind, ein Zwei-Bett-Zimmer teilen müssen. Ansonsten werden die Zimmer nach Familien aufgeteilt. Für sie gibt es auch Vier-Bett-Zimmer.

Langfristig als Seniorenheim: In der Einrichtung an der Badgasse sollen mittel- bis langfristig wieder Senioren betreut werden. Denn die Pflegeplätze würden dringend benötigt, wie Stadt und AWO sagen. Deshalb hoffen sie, dass dafür wieder genug Pflegepersonal gefunden wird. Vielleicht ergebe es sich ja, dass Menschen aus der Ukraine hier bleiben und den Pflegeberuf lernen wollen, sagt Brigitte Protschka.

Noch mehr Wohnraum gesucht: Die Stadt suche weiter Wohnraum für Menschen auf der Flucht, sagte Schilder. Am besten geeignet seien Einliegerwohnungen und ähnliche Wohneinheiten, „wo eine gewisse Intimsphäre gewährleistet ist“. Und sie sollten längere Zeit zur Verfügung stehen. Aber auch Unterkünfte ab einer Kapazität von 20 Personen sucht die Stadt.

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