Aktuell Schwerpunkte im Ost- und Unterallgäu

Betrüger haben 2022 im Allgäu bereits 400.000 Euro mit "Schockanrufen" erbeutet

Am Donnerstag kam es vor allem im Ostallgäu und Unterallgäu zu vielen sogenannter "Schockanrufe", bei denen die Täter verschiedene Betrugsmaschen nutzten.

Am Donnerstag kam es vor allem im Ostallgäu und Unterallgäu zu vielen sogenannter "Schockanrufe", bei denen die Täter verschiedene Betrugsmaschen nutzten.

Bild: Silvio Wyszengrad

Am Donnerstag kam es vor allem im Ostallgäu und Unterallgäu zu vielen sogenannter "Schockanrufe", bei denen die Täter verschiedene Betrugsmaschen nutzten.

Bild: Silvio Wyszengrad

Über dem Unter- und dem Ostallgäu ist am Donnerstag eine ganze Welle von betrügerischen Anrufen hereingebrochen. Die Polizei warnt und gibt Hinweise.
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Von Allgäuer Zeitung
14.05.2022 | Stand: 14:15 Uhr

Ein Angehöriger hat einen Verkehrsunfall verursacht, Einbrüche in der Nachbarschaft, gesperrte Konten oder Gewinnversprechen: Mit solchen Betrugsmaschen versuchen Täter momentan wieder vermehrt, an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Am Donnerstag traf es laut Angaben der Polizei vor allem das Unter- und Ostallgäu. Aber auch vor anderen Landkreisen und Städten machten die Betrüger nicht Halt.

Wegen der Häufung der Fälle und der regionalen Eingrenzung geht die Polizei Schwaben Süd/West davon aus, dass sich aktuell Personen in diesen Regionen befinden, die zu den Betrugsopfern gehen und Geld oder Schmuck einsammeln. Koordiniert werden die Aktionen meist in ausländischen Callcentern, die ihre Komplizen nur im "Erfolgsfall" zu den Opfern schicken.

"Welle" von Betrugsanrufen in Bad Wörishofen

Am späteren Donnerstagnachmittag traf es vor allem Bad Wörishofen. Dort ging laut Polizei eine regelrechte "Welle von sogenannten Schockanrufen und Enkeltrick-Betrugsmaschen" nieder. Zwischen 15.30 Uhr und 17.30 Uhr erhielten insgesamt elf meist ältere Menschen solche betrügerischen Anrufe.

In vielen Fällen meldete sich ein falscher Polizeibeamter oder vermeintlicher Staatsanwalt und erklärte am Telefon, dass ein naher Angehöriger einen schweren Autounfall verursacht hätte, bei dem ein Mensch gestorben sei. Um eine längere Haftstrafe von den Angehörigen abzuwenden, sollten die Angerufenen dann zum Teil hohe fünfstellige Beträge oder auch Gold vorbereiten, um diese dann an die angebliche Polizei zu übergeben. Alle elf Betroffenen durchschauten den Betrug und meldeten sich bei der Polizei.

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Sechs betrügerische Anrufe in Mindelheim gemeldet

Weitere sechs betrügerische Anrufe wurden der Polizei in Mindelheim im Verlauf des Donnerstagnachmittags gemeldet. Auch in diesen Fällen waren laut Kenntnis der Polizei die Betrüger nicht erfolgreich. "Den Anrufern gelang es dennoch mittels geschickter Manipulation, die Geschädigten durch die ersten Worte im Telefonat in Schock zu versetzen", so die Polizei in einer Mitteilung.

Daher folgten sie den Anweisungen dennoch zumindest teilweise. Zwei der Opfer glaubten die Unfall-Geschichte der Betrüger und waren bereit, den Geld-Forderungen nachzukommen. Die Täter beendeten in diesen Fällen jedoch den Kontakt, weil die Opfer nicht sofort Barmittel auftreiben konnten.

Koordiniert werden die betrügerischen Anrufe laut Polizei meist aus Callcentern im Ausland.
Koordiniert werden die betrügerischen Anrufe laut Polizei meist aus Callcentern im Ausland.
Bild: Jan-Philipp Strobel, dpa (Symbolbild)

Weitere Fälle von Telefonbetrug im Ostallgäu

In Buchloe erstattete eine 51-Jährige Anzeige, weil sie ebenfalls am Donnerstagabend einen betrügerischen Anruf über das Festnetz erhalten hatte. Laut Angaben der Polizei gaben sich die Betrüger in diesem Fall als die mutmaßliche Tochter der Frau aus, die unter Tränen das Gespräch an einen Mann weitergab. Dieser gab vor, von der Buchloer Polizei zu sein. Auch hier hätte die vermeintliche Tochter einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Die schockierte Frau beendete das Gespräch und begab sich zur Polizeiinspektion Buchloe, um nach ihrer Tochter zu sehen. Dort konnte der versuchte Betrug aufgedeckt werden.

Auch die Polizei Kaufbeuren erhielt mehrere Hinweise auf Betrugs-Anrufe. Zwei Opfer erstatteten Anzeige. Auch sie hatten ähnliche Anrufe erhalten wie in den anderen Landkreisen.

Ein ähnliches Bild zeigte sich ebenfalls in Marktoberdorf. Auch hier erstatteten zwei Menschen Anzeige. Einem von ihnen war mitgeteilt worden, er hätte eine große Summe Geld gewonnen und ein Transporter würde das Geld vorbeibringen. Zuvor müsse der Betroffene aber Codes von Geldwertkarten übermitteln. Dem anderen Opfer wurde ein Einbruch in der Nachbarschaft vorgegaukelt. Beide durchschauten den Betrug.

Betrüger erbeuten 2022 bereits mehr mit "Schockanrufen als im gesamten letzten Jahr

Laut Angaben der Polizei erbeuteten Betrüger im Jahr 2022 durch sogenannte "Schockanrufe" bereits knapp 400.000 Euro im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Insgesamt waren in diesem Jahr bisher bereits acht Fälle erfolgreich. Letztes Jahr ereigneten sich demnach insgesamt neun solcher Anrufe, bei denen die Betrüger Erfolg hatten. Allerdings betrug die Höhe des gesamten Schaden im gesamten Jahr unter 250.000 Euro.

Polizei warnt vor Betrugs-Anrufen und gibt Tipps

Die Polizei warnte vor diesem Hintergrund noch einmal vor den immer noch hoch aktuellen Telefon-Betrugsmaschen. Sie empfiehlt, am Telefon nie persönlichen Daten oder Informationen zu Eigentum und Vermögen Preis zu geben. Sollte nur der geringste Zweifel an der Identität eines Anrufers bestehen, sollte demnach immer eine Polizeidienststelle aufgesucht oder der Notruf gewählt werden, um den Sachverhalt zu klären. Sollte sich ein Angehöriger über eine fremde Nummer melden, empfiehlt die Polizei diesen zunächst unter seiner normalen Nummer anzurufen.

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