Kreuzweg

Unterm Memminger Himmel in sich gehen

Die Wieskapelle mit dem gegeißelten Heiland wurde vermutlich in der Barockzeit auf freiem Feld gebaut. Heute liegt sie inmitten eines Wohngebiets.

Die Wieskapelle mit dem gegeißelten Heiland wurde vermutlich in der Barockzeit auf freiem Feld gebaut. Heute liegt sie inmitten eines Wohngebiets.

Bild: Fotos: Schütterle

Die Wieskapelle mit dem gegeißelten Heiland wurde vermutlich in der Barockzeit auf freiem Feld gebaut. Heute liegt sie inmitten eines Wohngebiets.

Bild: Fotos: Schütterle

Kleine Glaubensorte in und um Amendingen haben Pater Johannes Reiber inspiriert. 14 Stationen und ein Begleitheft laden Gläubige zum Innehalten und Beten ein.
01.04.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Der Wind fegt über Wiesen, Felder und Wege hinweg: Nur wenige Spaziergänger und Sportler sind an diesem Tag auf dem Fußgängerweg von Amendingen in Richtung Steinheim unterwegs. Das Wetter passt zu den stürmischen Zeiten, denen die Menschen aktuell durch die Corona-Pandemie ausgesetzt sind. Das weiß auch der Amendinger Kaplan Pater Johannes Reiber. Diese Tatsache und kleine Orte des Glaubens, auf die er im Stadtteil gestoßen ist, haben ihn für die Zeit vor Ostern zu einem Kreuzweg inspiriert. Dieser lädt dazu ein, in sich zu gehen und Stärke aus dem Glauben zu schöpfen.

Seit vergangenem September ist Pater Johannes in der Pfarreiengemeinschaft im Stadtteil Amendingen seelsorgerisch tätig und hat viele Wege rund um seine Wirkungsstätte kennengelernt. „Ich war beeindruckt, wie viele Flur-und Wegkreuze, kleine Gedenkkapellen und Bildstöcke es rund um Amendingen gibt“, erzählt der 32-jährige Theologe aus der geistlichen Familie „Das Werk“ mit dem Ordenskürzel „FSO“. Die Darstellungen der Kreuze, die seit Jahrhunderten an Fluren und Wegrändern stehen, zeigen häufig den leidenden Jesus am Kreuz – gerade vor Ostern ein tief bewegender Anblick für Gläubige: „In dieser Zeit erinnern wir uns besonders an das Leiden Christi: auch mit dem Kreuzweg, wie es ihn etwa in Bildern in der Pfarrkirche von St. Ulrich gibt“, sagt der Kaplan.

Meditieren und beten

Seine Entdeckungen in Verbindung mit der Corona-Situation brachten ihn auf die Idee, Kreuze im Osten und Westen Amendingens mit 14 Stationen in einem „Kreuzweg“ oder Kreuz-Spaziergang zusammenzufassen. Unter dem Titel „Betend durch Amendinger Fluren“ bietet der Pater dazu in einem Heft kurze Meditationen, Gebete und Fürbitten an, die man unter freiem Himmel laut oder leise beten kann. „Die Meditation ist mehr eine Betrachtung – nach innen zu schauen, zu sich zu kommen und im Gebet zu Gott finden“, sagt er.

Im christlichen Glauben gehört die intensive Hinwendung auf das Innere zur Passions- und Fastenzeit. Im Ursprung leitet sich ihr Name, das Wort Passion, vom lateinischen „passio“ ab, was soviel wie Leiden, Krankheit und Erdulden bedeutet. Indem man eine Darstellung von Jesus am Kreuz errichtete, drückte man in vergangenen Jahrhunderten seine Frömmigkeit aus – häufig aber auch Dankbarkeit in Fällen, bei denen in Notsituationen Hoffnungen und Bitten des Gläubigen erhört wurden – etwa bei überstandenen Gefahren oder Krankheiten.

Auch Sühnekreuz ist eingebunden

Ganz anders sei das bei Sühnekreuzen, sagt Pater Johannes. Auch ein solches ist Bestandteil des Amendinger Kreuzwegs: Der Kaplan deutet auf die 13. Station, ein hüfthohes, grob behauenes Tuffstein-Kreuz. Inmitten der Büsche am Feldrand zwischen Amendingen und Steinheim und bewachsen mit Moos ist es beinahe nicht zu erkennen. Im Unterschied zu anderen Kreuzen, die mit Kerzen oder Blumen geschmückt werden, steht es seit Jahrhunderten ohne Zierrat an dieser Stelle. „Bei den Mordkreuzen, wie sie auch genannt werden, steht immer eine Geschichte dahinter“, erzählt der Pater. Meistens kam an diesem Ort ein Mensch durch Gewalt ums Leben. Ab dem Mittelalter wurden Mörder dazu verurteilt, am Ort ihrer Tat ein selbstgehauenes Kreuz zu setzen. „Bei vielen Kreuzen ist auch die Tatwaffe noch eingeritzt.“ Diese Wiedergutmachung in Form eines Kreuzes war mit der Feier einer heiligen Messe und mit Zahlungen an die Hinterbliebenen verbunden.

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Eine weitere der 14 Stationen befindet sich zwischen Einödweg und Memminger Ach. Die kleine Wieskapelle mit der Figur des gegeißelten Heilands steht heute inmitten von Häusern – erbaut wurde sie einst auf freiem Feld, vermutlich während der Barockzeit. Für die Errichtung solcher Flurdenkmäler gab es stets vielfältige Gründe: Sie sind ein festes Zeichen des Glaubens und dienen bis heute auch dem Gedenken an Unglücksfälle. Die Amendinger Kreuze zu entdecken, ist jederzeit möglich, ganz gleich, welches Wetter herrscht – passend zum irischen Segenswunsch: „Gott gebe Dir für jeden Sturm einen Regenbogen, für jede Träne ein Lachen, für jede Sorge eine Aussicht (…) und eine Antwort auf jedes Gebet.“