Natur

Waldumbau: Mit Weißtannen und Buchen entsteht ein Zukunftswald

OS Zukunftswald

Unter dem Schirm von Altbäumen, meist Fichten, wachsen die Zukunftsbäume, erklärte Forstdirektor Rainer Nützel (rechts) den Waldbauern der Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen.

Bild: Josef Diebolder

Unter dem Schirm von Altbäumen, meist Fichten, wachsen die Zukunftsbäume, erklärte Forstdirektor Rainer Nützel (rechts) den Waldbauern der Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen.

Bild: Josef Diebolder

Die Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen besucht Vorzeigeflächen im Rechtlerwald Oberschönegg. Wie die "Initiative Zukunftswald" einen stabilen Wald aufbauen will.
16.08.2021 | Stand: 12:09 Uhr

Während Menschen oft in wenigen Jahren planen, braucht ein Wald Jahrhunderte, um sich zu entwickeln. So ist die „Initiative Zukunftswald in Bayern“ mit acht Jahren praktisch noch in den Kinderschuhen, wenn es um die Anpassung der Waldflächen für die Zukunft geht. Die Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen und Behördenleiter Rainer Nützel zeigten jetzt Waldbauern im „Rechtlerwald Oberschönegg“, wie sich aus weiteren Baumarten ein stabiler Wald aufbauen lässt.

Den Nutzen von solchen Vorzeigeflächen sieht Nützel darin, dass sich die Waldbilder in den Köpfen einprägen. Im Forstrevier Oberschönegg erklärten sich etwa 20 Privatwaldbesitzer und Kommunen bereit, vorbildhafte Waldbilder öffentlich zu machen. Ansatzpunkte für einen Umbau gibt es meist, wenn Sturm oder Borkenkäfer Löcher in den Wald schlagen. Dort stehen anstelle von Fichten, die bisher dort zu finden war, jetzt „stabilere“ Baumarten.

Waldbauern müssen vorausschauend denken

Am besuchten Waldstück wurden Weißtannen und Buchen gepflanzt. Während Fichten viel Licht mögen um schnell voran zu kommen, ist die „Weißtanne ein Dauerläufer“, erklärte Nützel. Sie arbeite ähnlich wie eine Photovoltaikanlage und treibe viele Äste zur Seite um Licht zu tanken. Empfindlich sind die Weißtannen gegenüber Spätfrösten, was unter dem „Schirm der Altbäume“ aber kein Problem darstelle. Auch hier, sagte Nützel, müssen die Waldbauern vorausschauend denken und bereits zwei Jahrzehnte vor dem Schlagen der Altbäume ihre Tannen eingepflanzt haben. Zehn bis 15 Jahre brauchen Buchen einen Schutz vor Spätfrost, bis sie selbst dagegen gewappnet sind.

Ein Waldumbau von der reinen Fichtenkultur zu Mischbeständen sei allein mit Neupflanzungen zu kostenintensiv, rechnete Nützel den Waldbesitzern vor. Sein Vorschlag war, punktuell anzufangen, etwa bei „Käferlöchern“. Eine gewachsene Weißtanne verstreue Samen im Umkreis von 200 Metern und vermehre sich so ganz allein.

Wälder leiden unter Trockenheit

Die Initiative Zukunftswald in Mittelschwaben sieht vermehrte klimatische Belastungen der Natur. Die letzten Jahre litten viele Wälder sehr unter Trockenheit. Laut Theo Sommer, dem Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen, verschafft das regenreiche Jahr 2021 dem Wald nun eine kleine Verschnaufpause.

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So sei auch der Borkenkäfer heuer weniger gefährlich als in den Vorjahren. Glücklicherweise hätten Wind und Schädlinge kaum eine Rolle gespielt und ein immenser Holzbedarf habe die Preise für Kurzholz bis auf 110 Euro je Festmeter und bei Langholz sogar auf 120 Euro steigen lassen. Aktuell zeichnet sich laut Theo Sommer eine Sättigung mit Holz ab. Deshalb möchte er nach eigenen Worten vor jedem geplanten Einschlag mit dem Waldbesitzer die Marktlage besprechen.