Wirtschaft

Warum Digitalisierung bei der Ausbildung hilft

Benedikt Popp und und Lenard Wild machen bei Magnet-Schultz eine Ausbildung zum Industriemechaniker beziehungsweise zum Mechatroniker – hier stehen sie mit ihren Tablets in der Lehrwerkstatt des Memminger Unternehmens an einer der insgesamt 36 Schulungsmaschinen.

Benedikt Popp und und Lenard Wild machen bei Magnet-Schultz eine Ausbildung zum Industriemechaniker beziehungsweise zum Mechatroniker – hier stehen sie mit ihren Tablets in der Lehrwerkstatt des Memminger Unternehmens an einer der insgesamt 36 Schulungsmaschinen.

Bild: Thomas Schwarz

Benedikt Popp und und Lenard Wild machen bei Magnet-Schultz eine Ausbildung zum Industriemechaniker beziehungsweise zum Mechatroniker – hier stehen sie mit ihren Tablets in der Lehrwerkstatt des Memminger Unternehmens an einer der insgesamt 36 Schulungsmaschinen.

Bild: Thomas Schwarz

Nicht nur in Corona-Zeiten lernt Nachwuchs bei Magnet-Schultz in Memmingen viel auf elektronischem Weg. Kopfrechnen und „echte“ Kontakte bleiben aber wichtig.
27.11.2020 | Stand: 10:34 Uhr

Corona bringt nicht nur Nachteile, sondern hat auch durchaus positive Aspekte. Die fortschreitende Digitalisierung helfe bei der Bewältigung der Pandemie, sagt Dr. Albert Schultz, Chef des Memminger Unternehmens Magnet-Schultz (MSM) und Vizepräsident der IHK Schwaben für Memmingen-Unterallgäu. Gerade in der Ausbildung mache die Digitalisierung großen Sinn. Das betreibe MSM schon länger „und nun gelingt es uns dadurch leichter, auch bei Kontaktbeschränkungen den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten“.

Im Unternehmen ergänzt das Lernen auf elektronischem Weg die Präsenz-Ausbildung. „Die Azubis können selbst entscheiden, wie schnell sie welchen Stoff lernen wollen“, sagt Anja Zillmann, die Leiterin der Aus- und Weiterbildung. Nach den Erfahrungen von MSM sei das „sehr nachhaltig und flexibel“. Alle Lerntypen könnten so angesprochen werden: Der, der eher Texte liest, wie auch der, der lieber ein Video schaut.

Über 160 Kurse im Online-Angebot

Was das bedeutet, schildern die beiden MSM-Auszubildenden Benedikt Popp und Lenard Wild – beide sind im zweiten Lehrjahr, der eine als Industriemechaniker, der andere als Mechatroniker. „Wir haben beispielsweise ein Video gedreht, wie eine Fräsmaschine bedient wird“, sagt Popp. „Natürlich schauen da die Ausbilder drüber und machen eine Qualitätskontrolle“, ergänzt Wild. Der fertige Film ist dann auf der firmeneigenen Lernplattform „Moodle“ abrufbar. „Der Vorteil ist, dass man sich die Videos mehrmals anschauen und so das Wissen vertiefen kann.“

Auf „Moodle“ stehen die relevanten Ausbildungsinhalte zur Verfügung – in über 160 Kursen vom Feilen über das Erstellen von technischen Zeichnungen bis hin zu Matheübungen, erklärt Daniel Krinner, der künftige Leiter der gewerblich-technischen Ausbildung. Eine Art „Erzähler“ gebe das Wissen weiter und die Azubis müssen zwischendurch immer wieder Fragen zum Thema beantworten. Dafür gibt es sofort eine Rückmeldung. „Dadurch wissen wir individuell bei jedem Azubi, wo wir eventuell nachhelfen müssen.“ Für gut und sinnvoll halten das auch die Azubis. „Da weiß man gleich, wo man steht und wo man noch mehr lernen muss“, sagt Wild.

Aber auch Hinweise zur Arbeitssicherheit finden sich auf der Plattform. Um die Daten schnell abrufen zu können, haben die kaufmännischen Azubis Zugang über ihren PC, die gewerblichen Azubis über Tablets - so haben sie das elektronische Wissen auch an den Maschinen griffbereit.

Nicht nur die Ausbildung ist bei MSM stark digitalisiert - auch die Bewerbungsverfahren laufen komplett online. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, erzählt Zillmann. Man stehe in engem Kontakt mit Lehrern und Schülern und biete ihnen auch Bewerbungsworkshops an - mit dem Ziel Orientierung für die Bewerbungsphase zu geben.

Auch mal lustige Videos drehen

Sowohl für die Ausbildung wie auch die Nachwuchssuche setzt MSM zudem Facebook und Instagram ein. „Mit dem Input unserer Auszubildenden entstehen da nicht nur informative, sondern auch mal lustige Videos“, sagt Zillmann. Quasi auf Augenhöhe werde so wichtiges Wissen vermittelt und Interesse geweckt.

In Zukunft sollen die Azubis mittels E-Learning auch ihre sogenannten Soft Skills weiter entwickeln können – also zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit oder Flexibilität, blickt Zillmann nach vorn. „Das ist wichtig für die Teambildung.“ Passend dazu machen die MSM-Azubis Lehrfahrten – zumindest bis Corona kam. Weil es dabei auch um politische Bildung geht, ging es beispielsweise ins Europäische Parlament oder in den Bundestag. Die Weiteraufnahme erfolgt, sobald die Umstände es erlauben.

Insgesamt rund fünf Millionen Euro jährlich investiert MSM in seine Aus- und Weiterbildung. Ein ordentliches Engagement fordert Firmenchef Schultz auch von der Stadt Memmingen als Schulträger. „Da brauchen wir dringend schnelleres Internet, sonst nutzt die ganze Digitalisierung nichts.“ Und auch die technische Ausstattung gerade an den Berufsschulen und der Zustand derer Gebäude müsse bald besser werden.

Die Digitalisierung sei aber nicht das alleinige Allheilmittel, sagt Schultz. „Sie macht zwar viele Prozesse effizienter und ermöglicht ein einfacheres Verbreiten und schnelles Abrufen von Informationen, ersetzt aber nicht den persönlichen Kontakt.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Und Kopfrechnen bleibt auch wichtig.“

Hintergrund

  • Die Firma 1912 gründet Adolf W. Schultz die Firma Magnet-Schultz (MSM) in Memmingen, inzwischen in der vierten Generation geführt von Dr. Albert Schultz.
  • Produkte MSM stellt Spezialmagnete, Ventile und Sensorik unter anderem für die Automobil- und die Luftfahrtbranche sowie die Medizintechnik her – konkret beispielsweise für die Automatikgetriebe von Autos, Landeklappen von Flugzeugen oder auch die Beatmungstechnik für Frühgeborene.
  • Mitarbeiter Weltweit aktuell 2450, davon 1900 in Memmingen und dem Unterallgäu.
  • Auszubildende Aktuell insgesamt 144 Azubis und 15 duale Studenten; für den Ausbildungs- beziehungsweise Studienbeginn 2021 werden 37 Azubis und zehn Studenten eingestellt; ausgebildet wird in 13 Berufen und sieben Studiengängen.
  • Ausbilder Insgesamt 13 hauptberufliche Ausbilder sowie 14 Ausbildungsverantwortliche.
  • Lehrwerkstatt Die firmeneigene Lehrwerkstatt in Memmingen umfasst über 2300 Quadratmeter – unter anderem mit Elektro-Labor und 36 Maschinen.
  • Kosten Insgesamt rund fünf Millionen Euro jährlich investiert Magnet-Schultz in seinen Aus- und Weiterbildungsbereich.