Westerheim im Unterallgäu

Der Klimawandel macht es nicht leichter: Ein Allgäuer Ort auf der Suche nach Trinkwasser

Westerheim im Unterallgäu muss eine Lösung finden, woher der Ort künftig zusätzliches Trinkwasser bekommt. Ein Problem, das viele Gemeinden im Allgäu haben und bekommen.

Westerheim im Unterallgäu muss eine Lösung finden, woher der Ort künftig zusätzliches Trinkwasser bekommt. Ein Problem, das viele Gemeinden im Allgäu haben und bekommen.

Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Westerheim im Unterallgäu muss eine Lösung finden, woher der Ort künftig zusätzliches Trinkwasser bekommt. Ein Problem, das viele Gemeinden im Allgäu haben und bekommen.

Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Das Problem bekommen immer mehr Orte im Allgäu: Sie müssen nach einer Lösung suchen, woher sie künftig Trinkwasser beziehen. Ein Beispiel aus dem Unterallgäu.
12.05.2022 | Stand: 17:25 Uhr

Was passiert in Westerheim, wenn der Tiefbrunnen mal ausfallen sollte? Woher bekommen die Bewohner dann ihr Trinkwasser? Darum ging es in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Über den Tiefbrunnen wird der Ort Westerheim mit Wasser versorgt. Pro Jahr dürfen 90.000 Kubikmeter entnommen werden. Das aber reicht nicht ganz. Derzeit liege der Verbrauch im Jahr etwa bei 110.000 Kubikmeter Wasser, sagt Bürgermeisterin Christa Bail. Um noch einen Puffer einzurechnen, brauche Westerheim 30.000 Kubikmeter Wasser im Jahr zusätzlich.

Bis Ende 2024 darf der Ort die zusätzlich benötigte Menge ebenfalls aus dem Tiefbrunnen fördern. Sie liegt derzeit also bei 120.000 Kubikmetern. Das ist aber nur eine Ausnahme des Landratsamts Unterallgäu. Denn Wasser in tieferen Lagen läuft weniger schnell nach als in höheren Grundwasserlagen. Um also den Tiefbrunnen nicht zu überlasten, muss der Ort nach einer anderen Bezugsquelle für die 30.000 Kubikmeter suchen. Außerdem muss es einen Notfallplan geben, wie Westerheim notversorgt werden kann, falls der Tiefbrunnen wegen eines Defekts ausfallen sollte und repariert werden muss – also woher im Notfall die Hauptmenge von 90.000 Kubikmetern Wasser bezogen werden kann.

  • Quellen sanieren: Früher bekam Westerheim über Quellen, die vor allem aus Oberflächernwasser gespeist werden, zusätzliches Wasser. Vor einigen Jahren wurden darin Kolibakterien gefunden. Da diese Bakterien für Menschen gefährlich sind, wurden die Quellen nicht mehr genutzt. Eine Sanierung könnte etwa 800.000 Euro kosten. Doch ob sie dann 30.000 Kubikmeter Wasser im Jahr liefern können, sei nicht sicher. „Ich glaube, dass es nicht zukunftsträchtig ist“, sagt Markus König vom Ingenieurbüro Fassnacht mit Sitz in Legau. Das Büro war beauftragt worden, für die Gemeinde eine Übersicht der Möglichkeiten zu erstellen. Durch den Klimawandel seien solche Quellen immer weniger zuverlässige Wasserlieferanten.

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  • Wasser der Woringer Gruppe: Westerheim könnte Wasser von der Woringer Gruppe beziehen, einem Zweckverband zur Wasserversorgung. Dazu müsste eine drei Kilometer lange Leitung Richtung Ungerhausen gebaut werden, wo die Hauptleitung verläuft. Die Kosten lägen bei 760.000 Euro, mit Förderungen bei 520.000 Euro. Über diesen Verbund könnte Westerheim die zusätzlich benötigten 30.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr erhalten und auch eine Notversorgung, falls der Tiefbrunnen vorübergehend ausfallen sollte.

  • Wasser aus Lauben: Würde Westerheim Wasser aus Lauben beziehen wollen, lägen die Kosten bei 1,28 Millionen Euro, mit Förderungen bei 832.000 Euro. Unter anderem darin enthalten ist die 5,6 Kilometer lange Leitung zwischen Lauben und Westerheim. Auch über diesen Verbund könnte Westerheim die 30.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr erhalten und eine Notversorgung. Nachteil: Die laufenden Kosten wären jährlich etwa 7000 bis 10.000 Euro höher als bei der Lösung mit der Woringer Gruppe. Vorteil: Günz könnte ebenfalls an die Leitung angeschlossen werden. Denn in trockenen Sommern könnte es passieren, dass der Ort künftig Unterstützung bei der Wasserversorgung braucht.
    Noch zu klären: Muss die Gemeinde Lauben ihre Wasserschutzgebiete erweitern, wenn sie Westerheim mit Wasser beliefert? Wenn ja, könnten auch Landwirte aus Günz davon betroffen sein. Das könnte für sie mit Einschränkungen in der Bewirtschaftung verbunden sein.

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Wie geht es jetzt weiter? Der Gemeinderat Westerheim hat beschlossen, dass die Varianten mit Anschluss an Lauben und an die Woringer Gruppe auf diese Aspekte hin genauer geprüft werden sollen: Welche Bauwerke – etwa ein Pumpwerk – müssten jeweils errichtet werden und welche laufenden Kosten verursachen sie? Muss bei der Variante mit Lauben das Wasserschutzgebiet vergrößert werden zum Nachteil von Günzer Landwirten? Wenn Günz in der Variante mit Lauben angeschlossen wird, wie können sich die beiden Orte dann die Kosten für die Leitung aufteilen? Wie ist die jeweilige Wasserqualität und lässt sich das Wasser mit dem Nass aus dem Westerheimer Tiefbrunnen mischen?

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