Niedrige Pegelstände

Wasserversorgung Memmingen und Unterallgäu: Könnte das Wasser knapp werden?

Die langen Trockenphasen im Frühjahr machen sich auch im Grundwasser in Memmingen und Unterallgäu bemerkbar. Der Wasserstand ist ungewöhnlich niedrig.

Die langen Trockenphasen im Frühjahr machen sich auch im Grundwasser in Memmingen und Unterallgäu bemerkbar. Der Wasserstand ist ungewöhnlich niedrig.

Bild: Patrick Pleul/dpa (Symboldbild)

Die langen Trockenphasen im Frühjahr machen sich auch im Grundwasser in Memmingen und Unterallgäu bemerkbar. Der Wasserstand ist ungewöhnlich niedrig.

Bild: Patrick Pleul/dpa (Symboldbild)

Weil es wenig geregnet hat, sind die Grundwasserspiegel im Unterallgäu auf einem niedrigen Niveau. Was das für die Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet.
29.04.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Im März und April dieses Jahres sind die Regentage rar gesät. Die Trockenheit schlägt sich auch im Grundwasser nieder.

„In der Region Memmingen und dem Unterallgäu zeigen sich aktuell niedrigere Grundwasserstände“, sagt Philipp Clermont, Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes für den Landkreis Unterallgäu und Memmingen. Normalerweise füllen sich die natürlichen Speicher im Frühling mit den Niederschlägen aus dem Winter und dem schmelzenden Schnee.

Wasserwirtschaftsamt: Schlechte Ausgangslage für das Jahr 2022

„Doch die Niederschläge liegen in diesem Jahr bereits deutlich unterhalb der langjährigen Mittelwerte“, erklärt Clermont. Die Ausgangssituation für das Jahr 2022 sei somit insgesamt schlecht. Als Beispiel nennt Clermont den Grundwasserstand im Bereich östlich von Woringen. „Der ist rund 1,4 Meter tiefer als das langjährige Mittel“, sagt er.

Und in der Messstelle Altensteig in der Nähe von Mindelheim sei der Spiegel rund 85 Zentimeter tiefer als gewöhnlich. Das macht dem Abteilungsleiter zufolge dort etwa elf Prozent der gesamten Grundwassermächtigkeit aus. Die beschreibt den senkrechten Abstand zwischen Grundwasserspiegel und der Grundwassersohle.

Langer und gleichmäßiger Regen ist nötig

Laut Clermont bräuchte es einen längeren und mäßigen Schauer, um das Defizit wieder auszugleichen. Bei geringen Niederschlägen schaffe das Wasser es meistens nicht weit genug in den Boden und versickere. Und wenn der Regen zu intensiv ist, laufe die Flüssigkeit nur oberirdisch ab. Im Herbst 2018 seien viele kleine Wassergewinnungsanlagen nach einer langen Trockenphase an ihre Grenzen gestoßen.

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„Die Versorgung konnte damals beispielsweise über benachbarte Wasserversorger oder durch Tankwagen aufrechterhalten werden“, erklärt er. Wenn nun weiterhin keine längeren Regenperioden kommen, werde eine ähnliche Situation wie im Jahr 2018 eintreten. „Nur dass in diesem Frühling die Grundwasserstände bereits wesentlich niedriger sind als im Jahr 2018.“

Der örtliche Wasserversorgung informiert die Bevölkerung bei Problemen

Einen bestimmten Punkt, an dem Alarm geschlagen wird, gibt es laut Clermont nicht. „Das ist für jede Wassergewinnungsanlage individuell“, sagt der Abteilungsleiter. Grundsätzlich überwache der örtliche Wasserversorger die Situation vor Ort und reagiere auf Probleme. Die Bevölkerung werde ebenfalls durch diesen Versorger, im Fall Memmingen also durch die Stadtwerke, über alles Wichtige informiert.

Eine beruhigende Nachricht hat Philipp Clermont für Verbraucherinnen und Verbraucher: „Dem Wasserwirtschaftsamt liegen noch keine Fälle vor, in welchen die öffentliche Trinkwasserversorgung eingeschränkt ist.“

Bauernverband Unterallgäu: "Noch haben wir kein Problem"

Auch Helmut Mader, Geschäftsführer des Bauernverbandes Unterallgäu, sieht die aktuelle Wetterlage für die Landwirtschaft noch nicht problematisch. „Wir hatten zwischendurch im April wieder mehr Niederschlag.“ Nun müsste allerdings wieder Wasser nachkommen. Es habe zwar vor kurzem etwas geregnet, aber das reiche kaum. „Wir brauchen in den kommenden Tagen etwa die fünffache Menge an Regenwasser“, ist seine Einschätzung. Wenn der Regen weiterhin ausbleibe, könnte es zu Einbußen bei der Ernte kommen.

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Memmingen und das Unterallgäu werden ausschließlich über Quell- und Grundwasser versorgt. Für die Stadt und den Landkreis gibt es zwei besonders wichtige Grundwasserleiter, quasi die Speicher für die Flüssigkeit. Der eine befindet sich zwischen dem Allgäuer Tor und Memmingen. Der andere ist südostlich von Mindelheim. „Die beiden Anlagen hatten auch im Jahr 2018 keine Versorgungsprobleme“, sagt Philipp Clermont.

Tipps zum Wasser sparen

Aus den Leitern werden pro Jahr über sechs Millionen Kubikliter Trinkwasser gewonnen. Das reicht laut dem Abteilungsleiter für eine Versorgung von über 125.000 Menschen. Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft sind dabei aber noch nicht eingerechnet. Der Verbrauch pro Kopf liegt in Bayern durchschnittlich bei 131 Liter pro Tag, die Tendenz ist steigend.

Verbraucherinnen und Verbraucher könnten auch ihren Beitrag zum Wassersparen leisten und ihren persönlichen Verbrauch kritisch hinterfragen. „Braucht mein Auto jedes Wochenende eine Vollwäsche? Gehe ich duschen oder lasse ich mir ein Bad ein?“, nennt Philipp Clermont ein paar Beispiele. In der Gartenbewässerung bestehe die Möglichkeit, Regenwasser durch eine Zisterne besser zu nutzen. Und man könne ebenfalls darauf achten, wassersparende Geräte, wie Spül- und Waschmaschine, zu verwenden.

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