Wirtschaft

Weniger Insolvenzen als vor Corona in der Region Memmingen

Gerichtsvollzieher wollen private Unternehmer werden

Ein Pfandsiegel ist Teil einer Zwangsvollstreckung.

Bild: Rumpenhorst

Ein Pfandsiegel ist Teil einer Zwangsvollstreckung.

Bild: Rumpenhorst

Selbst in der Gastronomie gibt es keine Auffälligkeiten. Welche Erklärung das Amtsgericht Memmingen hat.
29.08.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Besonders hart betroffen von den Corona-Maßnahmen war und ist die Gastronomie. Treibt das in der Region vermehrt Betriebe in die Insolvenz?

„Wir bekommen eher weniger Anträge als vor der Pandemie“, sagt dazu Reiner Egger, der Direktor des Amtsgerichts Memmingen, auf Nachfrage der Memminger Zeitung. Das Amtsgericht ist für die Insolvenzverfahren in der Stadt und im Landkreis Unterallgäu zuständig.

Dabei sei die Gastronomie eine Branche, die sonst einen großen Anteil an den Insolvenzanträgen habe, erklärt Egger. Gestellt werden sie bei ihm von zwei verschiedenen Gruppen: Einmal von den Wirten selbst, wenn die Schulden zu groß werden. Zum anderen – und das kommt häufiger vor – von Gläubigern, die Außenstände haben. Zum Beispiel vom Finanzamt, wenn Steuern nicht bezahlt wurden. Oder von Sozialversicherungsträgern, wenn etwa Krankenkassenbeiträge nicht überwiesen wurden.

Welche Rolle spielen Corona-Hilfen?

Doch aktuell kann Egger keine Auffälligkeiten aufgrund von Corona feststellen. Grund dafür könnten die verschiedenen Coronahilfen für die Gastronomie sein, die der Staat seit September letzten Jahres bereitgestellt und ausgezahlt hat. Beantragt werden konnten über den Steuerberater, Rechtsanwalt oder Wirtschaftsprüfer des Betreibers neben dem Ausgleich für Umsatzeinbußen auch Zuschüsse für Umbauten, Modernisierungen, Renovierungen oder die Umsetzung von Hygienekonzepten. Auch aus anderen Branchen wurden beim Amtsgericht in der Corona-Zeit kaum Insolvenzen angemeldet. „Wir haben bis jetzt überhaupt keinen Zuwachs“, sagt Egger. „Wir warten die ganze Zeit auf eine Welle, die aber noch nicht gekommen ist.“