Gesundheit

Wenn Einsamkeit zur Krankheit wird

Demenzkranke

In Großbritannien gibt es ein Ministerium für Einsamkeit, in Aarhus in Dänemark werden in der ganzen Stadt Postkarten verteilt und Orte zur Begegnung geschaffen: Die altersbedingte soziale Isolation in Coronazeiten stellt Städte und Kommunen, auch im Unterallgäu, vor große Herausforderungen.

Bild: Symbolfoto: Matthias Becker

In Großbritannien gibt es ein Ministerium für Einsamkeit, in Aarhus in Dänemark werden in der ganzen Stadt Postkarten verteilt und Orte zur Begegnung geschaffen: Die altersbedingte soziale Isolation in Coronazeiten stellt Städte und Kommunen, auch im Unterallgäu, vor große Herausforderungen.

Bild: Symbolfoto: Matthias Becker

Im Netzwerks Altenhilfe wird das Thema Alterseinsamkeit beleuchtet und was man dagegen tun kann. Wie die Stadt Memmingen und andere Kommunen damit umgehen
31.05.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Soziale Isolation und damit einhergehende Einsamkeit schlagen sich auf die Gesundheit alter Menschen nieder. Dagegen will das Netzwerk Altenhilfe und seelische Gesundheit etwas unternehmen. Zu diesem Netzwerk gehören die Stadt Memmingen, der Landkreis Unterallgäu, der Bezirk Schwaben und der Arbeitskreis Gerontopsychatrie. In ihrer halbjährlichen, diesmal digitalen Plenumssitzung, liegt der Schwerpunkt auf dem Aspekt der Alterseinsamkeit. „Wir können Einsamkeit nicht abschaffen, aber wir können bessere Rahmenbedingungen gestalten“, sagt Jonathan Petzold, der Leiter des Programms „Alter und Kommune“ von der Körber-Stiftung in Hamburg. Er war als Redner eingeladen und befasst sich mit dem Aspekt des Alterns in unserer Gesellschaft.

Auch die Seniorenbeauftragte des Bezirks Schwaben, Christine Rietzler, betont in ihrem Grußwort, wie wichtig dieses Thema sei. Sie habe selbst erlebt, wie sich Einsamkeit bei Senioren auf die Psyche und letztlich auf die Gesundheit auswirkt.

Seniorenbeauftragte Rietzler: Das Netzwerk Altenhilfe und seelische Gesundheit sei "Vorzeigeprojekt in Schwaben"

Daher lobt sie das Netzwerk Altenhilfe und seelische Gesundheit als „Vorzeigeprojekt in Schwaben“. Es kümmert sich um die Belange älterer, psychisch kranker Menschen. In verschiedenen Arbeitskreisen werden Probleme identifiziert, Ideen auf den Weg gebracht und Angebote in der geriatrischen Arbeit gefördert. Das Netzwerk setzt sich aus Ärzten, Vertretern der Stadt Memmingen und weiterer Kommunen sowie aus Beratungsstellen und pflegenden Angehörigen zusammen.

Viele Faktoren können zum Gefühl der sozialen Isolation beitragen

Als Auslöser für altersbedingte Einsamkeit identifiziert Jonathan Petzold von der Körber-Stiftung verschiedene Faktoren: Armut, Krankheit, niedriger Bildungsstand, fehlende Bezugspersonen, keine Aufgabe im Leben und schlechte Infrastruktur. Jeder dieser Aspekte könne zum Gefühl der sozialen Isolation beitragen. Diese sei nicht zu unterschätzen.

Petzold: Einsamkeit erhöht das Risiko von Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und von psychischen Erkrankungen

„Einsamkeit erhöht das Risiko einer Demenz, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und von psychischen Erkrankungen“, fasst Petzold zusammen. Gerade in Zeiten der Pandemie fühlten sich viele durch die erzwungene Isolation sehr allein. Laut der Studie seien die alten Menschen hauptsächlich von Freunden, Familie und von den Nachbarn abhängig. „Das soziale Feld wird mit dem Alter immer kleiner“, sagt Jonathan Petzold. Alte Leute setzten mehr auf Qualität einer Bindung als auf die Quantität der Bekanntschaften.

Unterallgäu und Memmingen: Konzepte im Lokalen umsetzen

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Hier können Senioren den Umgang mit digitalen Geräten lernen

„Wir können nur Konzepte liefern, doch Maßnahmen gegen Einsamkeit müssen im Lokalen umgesetzt werden“, sagt Petzold. Daran arbeitet das Netzwerk Altenhilfe in verschiedenen Arbeitskreisen. Unter anderem kümmert es sich um die Verbesserung der Wohnsituation für Rentner und die Unterstützung mit digitalen Angeboten im Unterallgäu und Memmingen. Auch Demenz, Prävention, Mobilität und Infrastruktur sind Aufgaben, die den Projektgruppen am Herzen liegen.

Nachbarschaftshilfe und Telefonpatenschaften gegen die Einsamkeit

Wichtig für ein inklusives Miteinander seien vor allem die Nachbarschaftshilfen in den einzelnen Kommunen. „Die sind in Memmingen und im Unterallgäu gut aufgestellt“, sagt Anna Birk von der Servicestelle der Freiwilligenagentur Schaffenslust, welche den Arbeitskreis Nachbarschaftshilfe unterstützt. Wichtig sei es, den alten Menschen auch mit Corona Partizipation zu ermöglichen. Als Anstoß für Projekte weist sie auf die Babenhausener Telefonpatenschaften hin. Dort werde regelmäßig mit Senioren geredet.

„Es muss beim Thema Einsamkeit immer sensibel kommuniziert werden“, betont Birk. Es sei beispielsweise wirkungsvoller, den Senioren gegenseitig Ansprechpartner in derselben Situation zu vermitteln: „Sie haben dadurch eine Aufgabe und helfen sich gemeinsam.“

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