Ottobeuren

Wie aus Schülern „Ackerdemiker“ werden

Umwelt In Ottobeuren bauen Mädchen und Buben Gemüse neben dem Altenheim an. Das hilft den Kindern, aber auch den Senioren
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Von are
02.06.2019 | Stand: 14:54 Uhr

„Habt Ihr Lust zu ackern?“, fragt die Rektorin der Grundschule Ottobeuren, Ulrike Sprick, die Kinder. „Ja!“, rufen die Zweitklässler begeistert. Sie haben alle ihre Matschhosen, Gummistiefel und Regenjacken an – denn es schüttet an diesem Tag wie aus Eimern. Sprick sieht das gelassen: „Wenigstens sparen wir uns heute das Gießen.“

„Gemüse-Ackerdemie“ heißt das Projekt des gemeinnützigen Vereins „Ackerdemia“, bei dem Kinder selbst Gemüse anbauen, pflegen und ernten dürfen. Unterstützt wird dieses Projekt von der Krankenkasse AOK. Dahinter steckt die Idee, bei den Schulkindern Wertschätzung für Lebensmittel zu verankern.

Das Projekt gibt es in der Ottobeurer Grundschule schon seit drei Jahren – doch erst in diesem Schuljahr ist die AOK als Kooperationspartner eingestiegen. Durch deren Finanzierung konnte das Projekt vergrößert werden, sodass jetzt wesentlich mehr Beete als vorher bepflanzt werden.

Hinter der „Gemüse-Ackerdemie“ steckt aber noch mehr als nur Ernährungsbildung: Weil die Ackerfläche, auf der die Grundschüler ihr Gemüse anbauen, zum Altenheim St. Josef gehört, treffen sich die Senioren und die Kinder immer wieder im Gemüsebeet. Viele Senioren, die im Altenheim leben, pflanzen dort selbst noch Gemüse an.

„Die Senioren sind schwer begeistert“, sagt Katharina Huber, die im Altenheim arbeitet. „Immer wenn sie sehen, dass Kinder zum Gemüsebeet laufen, gehen sie auch raus.“ Dann tauschen sie sich aus: Die Älteren können den Jüngeren einiges über Gemüseanbau beibringen. Aber auch die Kinder wissen oft noch etwas Neues. „Sie haben zum Beispiel schwarze Malven angebaut, und daraus Tee gemacht. Das kannten die Senioren noch gar nicht“, sagt Huber.

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Rektorin Sprick findet es außerdem schön, dass die Schüler „auf ganz praktischer Ebene lernen“. Denn Gemüse steht in der zweiten Klasse sowieso im Lehrplan. „Aber hier lernen die Kinder immer wieder neue Gemüsesorten kennen. Und sie sehen, was man alles dafür tun muss, damit das Gemüse auch wächst.“

Die Grundschüler graben derweil Löcher, in die sie Sellerie- und Kürbispflanzen einsetzen. Mit ihren Gummistiefeln bleiben sie fast im tiefen Matsch stecken. Der achtjährigen Anja macht die Sache trotzdem Spaß. „Mir gefällt das gut“, sagt sie. „Ich hab auch daheim schon mal Erdbeeren angebaut und Schnecken entfernt.“

Jedes Jahr am Ende der Gartensaison findet dann ein großes Kartoffelfest statt, zu dem alle Kinder und Senioren kommen. „Da sieht man dann immer, wie gut sich alle miteinander angefreundet haben“, sagt Huber. Der Einrichtungsleiter des Altenheims, Klaus Kudella, stimmt ihr zu: „Das Projekt bringt Jung und Alt zusammen.“

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