Verkehrswende

Wie bringt man mehr Menschen aus dem Auto in Busse und Bahnen?

Größere Verkehrsverbünde und einfache Ticketsysteme könnten den öffentlichen Nahverkehr ankurbeln.

Größere Verkehrsverbünde und einfache Ticketsysteme könnten den öffentlichen Nahverkehr ankurbeln.

Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Größere Verkehrsverbünde und einfache Ticketsysteme könnten den öffentlichen Nahverkehr ankurbeln.

Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Derzeit läuft eine neue Verkehrsstudie für Mittelschwaben. Die ersten Ergebnisse wurden jetzt im Stadtrat in Memmingen vorgestellt.
14.05.2022 | Stand: 12:00 Uhr

Wie bringt man mehr Menschen dazu, vom Auto auf Busse und Bahnen umzusteigen? Größere Verkehrsverbünde mit einheitlichen und vor allem attraktiven Tarifen sind dafür ein wichtiges Instrument. Damit befasst sich seit September auch eine vom Freistaat geförderte Studie zur Verbunderweiterung und Integration der Schiene in den Verkehrsverbund Mittelschwaben (VVM). In Auftrag gegeben haben sie dessen Mitglieder: die Stadt Memmingen sowie die Landkreise Unterallgäu und Günzburg. Ein Zwischenbericht zur ersten Projektphase wurde jetzt im Verkehrsausschuss des Stadtrats präsentiert.

Die Verkehrsströme in der Region und die Verknüpfung mit benachbarten Verbundgebieten stand in dieser Projektphase im Mittelpunkt. In der zweiten, die der Ausschuss jetzt einstimmig befürwortet hat, soll es um die Qualität der Verkehrsangebote gehen und darum, was wirtschaftlich Sinn macht.

Weniger Pendler, mehr Freizeitverkehr

Studienleiter Stefan Reisch von der PTV Group legte dar, dass die Bevölkerungsprognose für Memmingen zwar eine stabile Entwicklung vorhersagt, aber einen Rückgang von erwerbstätigen Personen. Das bedeute weniger Berufspendler und mehr (Freizeit-)Autoverkehr. Um dem entgegenzuwirken, müsse man den ÖPNV attraktiver machen. Eine einzige Fahrkarte für alle Verkehrsmittel und eine Vereinfachung von Fahr- und Streckennetzplänen nannte Reisch dabei als wichtige Ziele. Als Autofahrer könne man an der Tankstelle auf einen Blick seine Kosten erfassen und im Navigationsgerät ganz einfach die geplante Route. „Da müssen wir hin im ÖPNV, um konkurrenzfähig zu werden“, sagte Reisch.

Die Verkehrsströme im Bereich des VVM sind deutlich auf die Städte ausgerichtet, aber auch darüber hinaus auf Kempten, Kaufbeuren, Ulm, Biberach und München. Eine starke Verflechtung gibt es von Memmingen und dem Unterallgäu. Da liege das Potenzial, um die Menschen vom Individual- vor allem auf den Schienenverkehr umzulenken, sagte Reisch. Wichtig wäre dafür ein Tarifverbund. Dabei müsse man die Preise aber so gestalten, dass alle VVM-Partner mitgehen können und die entsprechenden Organisationsstrukturen dafür schaffen. „Das sind politische Entscheidungen“, betonte er.

Wie kann man südliches Allgäu einbinden?

In der anschließenden Diskussion kam vor allem zur Sprache, inwieweit es Möglichkeiten gibt, auch das angrenzende Baden-Württemberg oder das südliche Allgäu mit in ein neues Tarifsystem einzubinden, nachdem es auch dorthin deutliche Verflechtungen gebe. Nach Kempten und ins Oberallgäu könnte das einmal ein bereits angedachter Bayerntarif regeln, antwortete Reisch. Möglichkeiten, wie Verkehrsunternehmen zusammenarbeiten können, werde er dann mit den Ergebnissen der zweiten Projektphase aufzeigen, kündigte er an.

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