Sport /Corona

Wie Sportvereine durch die Pandemie kommen

FOS BOS Sporthalle leer

Derzeit wieder ein alltägliches Bild: eine leere Halle ohne Sportler.

Bild: Mathias Wild (Symbolbild)

Derzeit wieder ein alltägliches Bild: eine leere Halle ohne Sportler.

Bild: Mathias Wild (Symbolbild)

Drei Vorsitzende berichten, wie sie ihren Verein durch die Pandemie steuern. Und der Landessportverband bietet Beratungen an.
22.12.2021 | Stand: 15:18 Uhr

Wie die Gastronomie, der Handel, die Betriebe und ihre Arbeitnehmer sind auch die Sportvereine von der Corona-Pandemie betroffen und teils erheblichen Einschränkungen unterworfen. Die Verantwortlichen in den Vereinen erlebten das Auf und Ab in den knapp zwei Jahren, in denen das Virus inzwischen grassiert, und mussten entsprechend reagieren.

Unsere Redaktion hat sich nun bei Verantwortlichen aus der Region erkundigt, wie sie bislang durch die Pandemie gekommen sind.

  • TSV Ottobeuren: Auch beim TSV Ottobeuren „stottert der Sportbetrieb ganz gewaltig“, sagt Wolfgang Winkler, Vorsitzender des knapp 1600 Mitglieder starken Sportvereins. In seinem Verein am meisten betroffen sei der Handballsport. Im Moment werde gar nicht mehr gespielt. Zuvor habe man mit einem „tollen Team“ und einem „riesen Aufwand“ den Spielbetrieb am Laufen gehalten.

Vorsitzender Winkler: Der TSVO ist ein gesunder Verein

Es seien aber viel weniger Zuschauer gekommen als früher. Ein großes Problem sei das Einhalten der Abstandsregeln gewesen. Klar, die Eintrittsgelder fehlten, aber der TSV Ottobeuren sei ein gesunder Verein. Wenigstens sei die Übungsleiterpauschale verdoppelt worden. Austritte? Nein, sagt Winkler, wegen Corona sei niemand aus seinem Verein ausgetreten. Die neuen Regeln seien nun „ein Schritt nach vorne“. Er setzt auch künftig auf die Fachleute und die Sportverbände.

  • TV Memmingen: Fast 3000 Mitglieder hat der TVM, Memmingens größter Sportverein. Er sei schon ein wenig fassungs- und ratlos gewesen, als Mitte November „von heute auf morgen“ von der 2G-Regelung auf 2G-Plus umgestellt worden sei, sagt Vorsitzender Max Halder. „Das war weder angekündigt noch absehbar. Da weißt Du nicht, wie Du das händeln sollst.“

TVM-Vorsitzender Halder: Übungsleiter sind Blitzableiter

Trotzdem habe man versucht, den Übungsbetrieb irgendwie aufrecht zu erhalten. Mithilfe der Geschäftsstelle habe man das leisten können. Bei einigen Sportlern habe es auch Unverständnis gegeben: „Was? Ich bin geimpft, und jetzt soll ich zusätzlich noch einen Test machen?“

Es sei eine Herausforderung für seine Übungsleiter, die alle ehrenamtlich tätig seien. Sie würden „zu Blitzableitern“, wenn sie vor der Sportstunde den Zugang kontrollierten. Und: „Die Übungsleiter sind immer gefordert, auch wenn die Sportstunde abgesagt wurde, weil vielleicht doch der eine oder andere vor der Tür steht.“ Wegen 2G-Plus seien die Kündigungen „bündelweise“ eingegangen.

Der TV Memmingen hat rund 15 Prozent seiner Mitglieder verloren

Insgesamt habe man 2021 rund zehn bis fünfzehn Prozent der Mitglieder verloren. Es fehlten aber vor allem die Neumitglieder, getreu dem Motto „Kein Angebot, kein Sport“. Es sei fraglich, ob man das wieder auffangen könne. Sport auf dem Sofa reiche ja auch, werde sich vielleicht der eine oder andere denken, glaubt Halder.

Die allermeisten Mitglieder aber hätten Verständnis gezeigt. Und die Neuregelung mit den „Geboosterten“ helfe beim Handling sehr, sagt der TVM-Vorsitzende.

  • BLSV: Für Uli Theophiel, den Kreisvorsitzenden des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV), ist klar: „Wir kommen nur über das Impfen aus dieser Endlosschleife raus.“ Die Vereine hätten in der Krise sehr gut gearbeitet und sich viel einfallen lassen, um die Mitglieder zu halten. 2020 habe es im Kreis einen Mitgliederschwund von 2,7 Prozent gegeben. Zahlen für 2021 lägen ihm noch nicht vor.
  • TV Bad Grönenbach: Pragmatisch geht Manfred Müller, der Vorsitzende des rund 1400 Mitglieder starken TV Bad Grönenbach, mit dem Thema um: „Es nützt ja nichts. Ich bin einer, der nach vorne schaut.“ Als 2G-Plus gekommen sei, habe man die Tests nicht nur den Trainern, sondern auch allen Sportlern kostenlos zur Verfügung gestellt.

Grönenbachs Vorsitzender Müller: Sicherheit für Senioren

Nach vier Wochen aber habe sich die Frage gestellt: „Wer soll das finanzieren?“ Jetzt müssten die Sportler ihren Test selbst mitbringen. Nur die Übungsleiter seien weiterhin auf Kosten des Vereins getestet worden. Kaum jemand habe gemotzt. Gerade ältere Sportler seien ja regelrecht froh über 2G-Plus gewesen, weil es ihnen die Sicherheit gegeben habe, sich nicht infizieren zu können.

Insgesamt sei sein Verein bislang „ganz gut durchgekommen“. Er sei stolz auf alle Abteilungsleiter, Trainer und Übungsleiter. Auch dank der Gemeinde und der Schule habe man den Sportbetrieb bislang weitgehend aufrecht erhalten können. Vor allem die Kinder seien ihm extrem wichtig: „Ihr Lachen macht einfach Spaß und motiviert uns alle.“

Müller ist sich aber sicher: „2022 wird noch einmal ganz zäh.“

Der BLSV hat ein Service-Center für Vereine eingerichtet

Der Bayerische Landessport-Verband hat ein Service-Center eingerichtet, an das sich Sportvereine bei Fragen zur Corona-Pandemie telefonisch unter der Rufnummer (089) 15702-400 oder per E-Mail an service@blsv.de wenden können.

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