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Wolfertschwenden greift in den Sparstrumpf

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Die Baugrundstücke im neuen Wolfertschwender Baugebiet „An der Kuckuckshecke“ sind alle vergeben. Die Bebauung ist bereits angelaufen.

Bild: Armin Schmid

Die Baugrundstücke im neuen Wolfertschwender Baugebiet „An der Kuckuckshecke“ sind alle vergeben. Die Bebauung ist bereits angelaufen.

Bild: Armin Schmid

Die Gemeinde investiert unter anderem in die Wasserversorgung. Trotz sinkender Steuereinnahmen werden die Hebesätze für Unternehmen nicht erhöht.
04.03.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Die angespannte wirtschaftliche Gesamtsituation und Rückgänge bei den Steuereinnahmen hinterlassen im Wolfertschwender Haushalt ihre Spuren. Der Verwaltungshaushalt ist demnach auf 10,62 Millionen Euro angesetzt. Das sind 1,12 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Das Investitionsvolumen, der sogenannte Vermögenshaushalt, bewegt sich dagegen mit 3,81 Mio. auf recht hohem Niveau. Für Investitionen ist somit eine halbe Million Euro mehr vorgesehen als im letzten Jahr.

Viel Geld fließt in die Wasserversorgung der Gemeinde. „Das ist der dickste Brocken“, betonte Bürgermeisterin Beate Ullrich mit Blick auf die Investitionen. Nachdem im Sommer 2020 Keimbelastungen aufgetreten sind, müsse man seit August das Trinkwasser aus Bad Grönenbach nutzen. Seither sei es so, dass Untersuchungen mal eine Keimbelastung im Trinkwasser ergeben hätten – und dann wieder keine. Stabil sei die Situation also nicht. Letztlich werde man nun eine UV-Filtration einbauen. Im Raum steht auch eine Sanierung der Quellfassungen. Die Bürgermeisterin hofft, dass die Gemeindebürger in sechs bis acht Wochen wieder mit eigenem Trinkwasser versorgt werden können.

Die Kapazitäten der Hochbehälter reichen nicht mehr aus

Eine zweite Investition in Sachen Wasserversorgung steht an den Hochbehältern an. „Der Ort wächst“, betonte Ullrich mit Blick auf nicht mehr ausreichende Kapazitäten der örtlichen Wasserversorgung. Das Vorratsvolumen der Hochbehälter soll von 1700 auf 2000 Kubikmeter deutlich erhöht werden. Ob man die bestehende Anlage um einen Hochbehälter erweitert oder einen Neubau ins Auge fasst, müsse man noch entscheiden.

Beim Ausbau des zweiten Teils der Hauptstraße geht Beate Ullrich von einem Baubeginn im Jahr 2023 aus. 2022 werde für die Planungsphase genutzt werden. Mit Blick auf eine schnellere Internetanbindung steht eine Machbarkeitsstudie an. Den Haushaltsansatz habe man von 2020 in dieses Jahr übertragen. Letztlich müsse man zunächst wissen, in welcher Form sich die örtliche Datenautobahn schneller oder besser gestalten lässt.

Für Grundstücksankäufe sind 400 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Laut Beate Ullrich handelt es sich dabei um eine Pufferposition. Konkrete Ankäufe sind derzeit nicht geplant. Voll am Laufen ist die Bautätigkeit im neuen Gebiet „An der Kuckuckshecke“. Laut Bürgermeisterin sind alle 18 Baugrundstücke bereits vergeben. Zwei Bauparzellen sind für Geschosswohnungsbau vorgesehen.

Wolfertschwenden nimmt mehr als drei Millionen aus den Rücklagen

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Wassergebühren steigen in Wolfertschwenden

Hatte Wolfertschwenden im vergangenen Jahr noch einen Überschuss in Höhe von knapp 1,6 Millionen Euro erwirtschaftet, den sie den Rücklagen zuführen konnte, steht in diesem Jahr eine Unterdeckelung von etwa 1,1 Millionen Euro im Haushaltsplan. Um den gemeindlichen Finanzplan letztlich stemmen zu können, entnimmt Wolfertschwenden mehr als drei Millionen Euro aus den Rücklagen.

Diese sinken von 6,5 Millionen Euro auf etwa 3,3 Millionen Euro zum Ende des Haushaltsjahres. Bürgermeisterin Beate Ullrich, die vor ihrer Wahl Kämmerin der Stadt Bad Wörishofen war, betonte, dass man die Finanzen im Auge behalten muss und neue Projekte nicht mehr ohne Weiteres planen könne. Die Gemeinde sei zwar noch schuldenfrei, doch die Rücklagen hätten deutlich abgenommen.

Der Hebesatz für die Gewerbesteuer beispielsweise soll weiterhin bei vergleichsweise niedrigen 230 von Hundert belassen werden. Letztlich wolle man nicht, dass sich die ortsansässigen Firmen finanziell nicht von der Krise erholen können. Im Herbst will die Bürgermeisterin die Gesamtsituation und die Hebesätze nochmals bewerten.

Steuerkraft: Wolfertschwenden liegt im Landkreis aufdem ersten, bayernweit auf dem zehnten Platz

Wie schon die Jahre zuvor, liegt die Steuerkraft auch 2021 auf einem sehr hohen Niveau. Pro Einwohner fallen etwa 5410 Euro an. Was die Steuerkraft im regionalen Vergleich anbelangt, liegt Wolfertschwenden im Landkreis auf Platz 1, in Schwaben auf Platz 2 und in Bayern auf Rang 10.

An gemeindlichen Steuereinnahmen werden knapp acht Millionen Euro erwartet. Das sind mehr als zwei Millionen weniger wie im Vorjahr. Der Haushaltsansatz für die Gewerbesteuer wurde laut Beate Ullrich vorsichtig kalkuliert und von 8. Euro auf nunmehr 5,5 Millionen Euro gesenkt. Die Mitglieder des Gemeinderats verabschiedeten den Haushaltsplan für das Jahr 2021 schließlich einstimmig.

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