Memmingen

Zeitgemäß reisen: Auf der Walz um die Welt für die gute Sache

Anja Mäuerle und Lars Bendels bei ihrem Freiwilligenjob als Agroförster auf Kauai (Hawaii). Dort werden zum Bodenschutz Bäume und Nutzpflanzen auf einer  gemeinsamen Fläche kultiviert.

Anja Mäuerle und Lars Bendels bei ihrem Freiwilligenjob als Agroförster auf Kauai (Hawaii). Dort werden zum Bodenschutz Bäume und Nutzpflanzen auf einer gemeinsamen Fläche kultiviert.

Bild: Fotos: Vagateers

Anja Mäuerle und Lars Bendels bei ihrem Freiwilligenjob als Agroförster auf Kauai (Hawaii). Dort werden zum Bodenschutz Bäume und Nutzpflanzen auf einer gemeinsamen Fläche kultiviert.

Bild: Fotos: Vagateers

Anja Mäuerle und Lars Bendels verbinden eine Weltreise mit ihren Traumjobs: Sie arbeiten ehrenamtlich in alternativen, oft ökologischen Projekten vor Ort.
29.11.2022 | Stand: 15:10 Uhr

Wie reist man heute um die Welt? Geht das auch ökologisch und politisch korrekt? Anja Mäuerle aus Amendingen und ihr Lebensgefährte Lars Bendels versuchen das gerade: Sie sind als sogenannte Volunteers unterwegs, das heißt, sie arbeiten ehrenamtlich in aus ihrer Sicht sinnvollen Projekten vor Ort, absolvieren Praktika oder machen Ausbildungen. Zur Zeit sind sie in Mexiko, nächstes Ziel ist Costa Rica.

„Der Zustand der Welt mit all ihren Krisen bewegt uns sehr“, sagt Anja Mäuerle. Die 32-Jährige ist Übersetzerin und Dolmetscherin für Spanisch und hat parallel in einer Werbeagentur gearbeitet; Lars Bendels (41, ursprünglich aus Hannover) ist strategischer Markenberater. Die beiden fragten sich, ob sie vielleicht mit einem anderen Beruf einen Beitrag zum Erhalt der Welt leisten könnten. Gleichzeitig träumten sie schon seit Langem von einer Weltreise. Nun verbinden sie beides miteinander, reisen um die Welt und probieren ihre zweckgerichteten Traumjobs aus.

Alltag mit Locals

„Eigentlich ist es der spannendste Selbstversuch, den wir uns vorstellen können. Auf unserer Walz für die gute Sache stülpen wir uns alternative Lebensentwürfe über“, beschreibt die junge Frau ihre Zeit in fernen Ländern. „Durch die Arbeit teilen wir den Alltag mit Locals, tauchen tief in die neue Kultur ein und probieren gleichzeitig aus, wie es sich so lebt als Safari-Ranger, Meeresbiologe oder Permakulturgärtner.“ Das haben sie nämlich schon gemacht oder werden sie demnächst anpacken. „Vagateers“ nennen sie sich dabei (von „Vagabonding Volunteers“) und berichten unter diesem Namen auf Instagram und Youtube von ihren Abenteuern.

Bevor es los ging, hat das junge Paar in München seine Jobs und die Wohnung gekündigt, seine Sachen verkauft und verschenkt – bis auf wenige „Herzensstücke“, die nun bei den Eltern lagern. „Die Alternative wäre ein Sabbatjahr gewesen, aber dann hätten wir zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück sein müssen und genau das wollten wir offen lassen. Und wer weiß, ob wir nicht irgendwann an einen Ort kommen, wo sich alles fügt und wir da bleiben wollen?“

Seit fast einem Jahr unterwegs

Losgeflogen sind die beiden vor fast einem Jahr mit nur jeweils einem großen Trekking- und einem kleinen Tagesrucksack im Gepäck nach Kapstadt. Zuvor hatten sie lange gespart und auf vieles verzichtet. Und auch jetzt wird sparsam mit der Reisekasse umgegangen. Dabei kommen sie gut mit ihrem minimalistischen Lebensstil zurecht. Ihr Luxus sei jetzt, mal einen Eiscafé trinken zu gehen oder einen Tauchausflug zu buchen, erzählen sie. Zusätzlich nähmen sie aus der Ferne aber auch Übersetzungs- und Beratungsaufträge an.

So hatte sich Anja Mäuerle ihren Geburtstag nicht vorgestellt: Weil ihr alter Van streikte, mussten die „Vagateers“ auf dem Weg zum Yellowstone Nationalpark (USA) tagelang auf dem Parkplatz einer Autowerkstatt campieren, bis er repariert war.
So hatte sich Anja Mäuerle ihren Geburtstag nicht vorgestellt: Weil ihr alter Van streikte, mussten die „Vagateers“ auf dem Weg zum Yellowstone Nationalpark (USA) tagelang auf dem Parkplatz einer Autowerkstatt campieren, bis er repariert war.
Bild: Vagateers

Inzwischen können sie das in einem eigenen Van erledigen, den sie sich gekauft haben, um Flugreisen zu vermeiden – der ihnen aber auch schon kostenaufwändige Pannen beschert hat. Momentan kurven sie mit dem 29 Jahre alten Chevy nach Costa Rica, wo sie ein zweimonatiges Praktikum in einem Forschungsprojekt zum Schutz von Meeresschildkröten absolvieren wollen. Geld bekommen sie bei ihren „Vagateering“-Jobs keins. Im Gegenteil, für gute Volunteering- oder Ausbildungsprogramme zahle man oft sogar etwas. „Aber dafür weiß man, dass das Geld zu 100 Prozent bei der richtigen Non-Profit Organisation landet“, betont Mäuerle. Sie „bereicherten“ sich im Gegenzug ganz automatisch an „unbezahlbaren“ Erlebnissen und Tipps von Locals, etwa touristenfreien Wanderrouten, kaum bekannten Flussinseln oder menschenleeren Traumstränden.

Bisher haben die Weltenbummler schon eine Ausbildung zu professionellen Safari Guides in Botswana in Südafrika gemacht, waren Manager auf einem Non-Profit Campingplatz im kanadischen Outdoor-Mekka Squamish, Permakulturgärtner auf Vancouver Island und Agroförster auf Kauai, einer der Hauptinseln von Hawaii. Ihr Highlight war dabei das Leben als Safari Guide. „Wenn man in einem Camp im Zelt liegt und sich nachts plötzlich inmitten einer Herde Elefanten wiederfindet, während irgendwo aus der Ferne ein Löwe brüllt, dann bekommt man am ganzen Körper Gänsehaut vor Glück“, schwärmt Anja Mäuerle. Aber auch das Leben als Agroforst-Manager auf Kauai sei traumhaft gewesen.

Die Ausbildung zum Safari-Guide in Botswana (Südafrika) war für das junge Paar Anja Mäuerle und Lars Bendels bisher das Highlight unter den „Traumjobs“, die sie auf einer Weltreise lernen.
Die Ausbildung zum Safari-Guide in Botswana (Südafrika) war für das junge Paar Anja Mäuerle und Lars Bendels bisher das Highlight unter den „Traumjobs“, die sie auf einer Weltreise lernen.
Bild: Anja Mäuerle

Es gibt noch einiges, was die Langsamreisenden erleben wollen, zum Beispiel in Argentinien Dinosaurierknochen ausgraben, als Wanderführer in Patagonien oder mit Buckelwalen arbeiten. „Unsere Liste an Ländern und Traumjobs ist noch ganz schön lang“, sagt Mäuerle. Einen genauen Reiseplan gibt es dafür nicht – die Route bestimmen die Vagateering-Jobs, die sie von unterwegs recherchieren und organisieren. Wann sie zurückkommen nach Deutschland „weiß nur der Wind“ – und das Reisebudget. „Aber glücklicherweise bin ich als Schwäbin ja ganz gut im Haushalten“, scherzt Mäuerle.