Grünten

Neubau oder Sennalpe: Wie geht es mit der alten Grüntenhütte weiter?

Ein Baucontainer steht vor dem Eingang der Grüntenhütte. Kleine Umbaumaßnahmen stehen an. Im Juli soll die Hütte wieder offen sein.

Ein Baucontainer steht vor dem Eingang der Grüntenhütte. Kleine Umbaumaßnahmen stehen an. Im Juli soll die Hütte wieder offen sein.

Bild: Silvia Reich-Recla

Ein Baucontainer steht vor dem Eingang der Grüntenhütte. Kleine Umbaumaßnahmen stehen an. Im Juli soll die Hütte wieder offen sein.

Bild: Silvia Reich-Recla

Wann es einen Neubau am "Wächter der Allgäus" geben wird, ist unklar. Gegner fordern zu warten, bis ein neues Gesamtkonzept für die Grünten Bergwelt vorliegt.
05.06.2020 | Stand: 08:04 Uhr

Viele Bergwanderer sind unterwegs zur Grüntenhütte. Die ist aber seit Wochen geschlossen. Manche stellen sich neben das Gebäude, um Fotos zu schießen. Von dort ist der Blick Richtung Alpsee, zum Rottachsee und nach Kempten fantastisch. Kleine Umbauarbeiten sind im Gange, um, „vor allem in der Küche, wieder den Hygiene- und Sicherheitsauflagen gerecht zu werden“, sagt Anja Hagenauer von der Investorenfamilie aus Rettenberg. Sie hat die (damals zahlungsunfähige) Grüntenlifte Betriebs GmbH Ende 2018 gekauft und auch für die Grüntenhütte ein Erbbaurecht für 66 Jahre erworben, sagt Hagenauer.

Wann es mit dem Bauen losgeht, ist noch nicht klar. Hüttenwirtin Michèle Rief (früher Kappeler Alp) wird voraussichtlich ab Juli die alte Hütte betreiben. Die ist baufällig. Der Neubau soll 40 Meter neben dem jetzigen Standort errichtet werden. An der Größe des neuen Gebäudes soll sich kaum etwas ändern, die Grundfläche soll laut Bauplan gar um zwölf Quadratmeter verkleinert werden. Es gibt derzeit 42 Übernachtungsmöglichkeiten, so viele sollen es auch künftig sein. Aus innen und außen 320 Sitzplätzen sollen 400 werden. Neu ist eine Sonnenterrasse, die gibt es bislang nicht.

Bürgerinitiative bevorzugt Sennalpe

Die Grüntenhütte liegt in einem 9.500 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet. Für einen Neubau ist eine Bauleitplanung nötig. Die Gemeinde Rettenberg stimmte dem Vorhaben bezogenen Bebauungsplan zu. Das Bebauungsplangebiet beträgt 0,7 Hektar, das ist in etwa so groß wie ein Fußballfeld. Zweiter Bürgermeister Thomas Tanzer sagte dazu: „Es soll in einer Öffnungsklausel sauber geregelt werden, was dort gestattet ist und was nicht.“ Dieses Vorgehen empfahl der Kreisausschuss vor Kurzem auch dem Kreistag, der sich in den kommenden Wochen mit dem Antrag beschäftigen muss. Die Kreisräte der Grünen sehen das Vorhaben skeptisch.

Auch die Bürgerinitiative „Rettet den Grünten“, die sich seit Monaten mit teils spektakulären Aktionen gegen Neubauten am Grünten wehrt, würde eine Sennalpe bevorzugen, weil der „Grünten seit Jahrzehnten ein landwirtschaftlich geprägter Kulturberg mit Alpwirtschaft ist“, heißt es in einem offenen Brief an die Kreisräte und die neue Landrätin Indra Baier-Müller.

„Kein isoliertes Bauvorhaben“

In der Sitzung des Kreisausschusses sei gar nicht zur Sprache gekommen, dass die Hütte „kein isoliertes Bauvorhaben, sondern Bestandteil der neuen Grünten Bergwelt“ sein wird. Bei der „Grünten Bergwelt“ geht es um eine Modernisierung der Liftanlagen (teilweise aus den 60-er Jahren), unter anderem mit einer ganzjährigen Zehner-Gondelbahn. Bislang gibt es nur einen Skibetrieb mit Sessel-, beziehungsweise Schleppliften.

Ursprünglich war auch eine „Walderlebnisbahn“ geplant. Die strich die Investorenfamilie nach Protesten aus ihrer Planung. Aber, so heißt es in dem Brief, der Investor habe „noch kein aktuelles Gesamtkonzept vorgelegt, aus dem juristisch abgesichert hervorgeht, dass jetzt und in Zukunft kein Bau einer Rollglideranlage oder einer ähnlichen Freizeitparkeinrichtung geplant ist“. Die Initiative fordert die politischen Vertreter des Kreistags auf, die Entscheidung bis zur Vorlage eines solchen Konzepts aufzuschieben.