Betrieb soll noch vor Weihnachten starten

Oberstaufen eröffnet eigenes Testcenter - Schnelltests gegen Bezahlung

Im Kurhaus in Oberstaufen will die Marktgemeinde das Corona-Testcenter einrichten. Es soll noch vor Weihnachten in Betrieb gehen.

Im Kurhaus in Oberstaufen will die Marktgemeinde das Corona-Testcenter einrichten. Es soll noch vor Weihnachten in Betrieb gehen.

Bild: Olaf Winkler

Im Kurhaus in Oberstaufen will die Marktgemeinde das Corona-Testcenter einrichten. Es soll noch vor Weihnachten in Betrieb gehen.

Bild: Olaf Winkler

In Oberstaufen gibt es bald ein kommunales Corona-Testcenter. Die Initiative ging von Touristikern aus, aber auch Privatpersonen können Schnelltests machen.
02.12.2020 | Stand: 06:28 Uhr

In Oberstaufen soll es noch vor Weihnachten ein kommunales Corona-Testcenter geben. Gegen Bezahlung sind dort Schnelltests möglich, die binnen 15 Minuten eine Infektion nachweisen beziehungsweise ausschließen. Die Initiative ging unter anderem vom Hotel- und Gaststättenverband und der Allgäu-Top-Hotels-Vereinigung aus, die im ganzen Oberallgäu entsprechende Testzentren angeregt haben. In Oberstdorf hatte sich die Gemeinde dagegen entschieden. In Oberstaufen votierte jetzt der Tourismusausschuss des Gemeinderates einstimmig dafür. Zielgruppe sind allerdings nicht nur Angestellte von Gastronomie und Hotels, sondern auch Gewerbebetriebe und Privatpersonen.

Einzeltest oder Zehnerkarte - so viel kosten die Corona-Tests

28 Euro für einen Einzeltest und 180 Euro für eine nicht übertragbare Zehnerkarte – das sind die bereits festgelegten Preise für die Schnelltests. Die Teststation soll im Kurhaus aufgebaut werden. Zunächst sind drei Testtage pro Woche vorgesehen. Eine Online-Anmeldung ist für einen Test Voraussetzung.

Grundgedanke war der wöchentliche Test von Angestellten in Gastronomie und Hotellerie. Damit sollen Infektionsketten schnellstmöglich erkannt werden. Es gelte, nach einer Wiederöffnung mögliche Betriebsschließungen zu vermeiden und auch Image-Schädigungen durch größere Corona-Ausbrüche zu vermeiden, argumentierte Benjamin Buhl. Er hat die Oberstaufen Tourismus Marketing (OTM) rund um das Thema beraten. Der Oberstaufener Bürgermeister Martin Beckel kritisierte die fehlende Unterstützung aus dem Landratsamt. „Sie hat keine befriedigende Lösung für uns.“ So entschloss sich die Marktgemeinde mit ihrem Tourismus Eigenbetrieb (TEO) zu einem Gemeinschaftsprojekt mit der Privatwirtschaft. Die ist aufgerufen, sich mit einer Kooperationsvereinbarung auf regelmäßige Tests festzulegen. „Wir brauchen mindestens 600 Tests pro Woche, um halbwegs wirtschaftlich arbeiten zu können“, stellte die neue OTM-Geschäftsführerin Constanze Höfinghoff mit Blick auf die Kosten für ein Kemptener Labor fest. Die Kommune gehe mit gutem Beispiel voran, so Beckel: Mitarbeiter von OTM, Gemeindeverwaltung und des Freizeitbades „Aquaria“ sollen wöchentlich getestet werden.

Ist ein Schnelltest positiv, erfolgt sofort im Anschluss ein PCR-Test. Liegt dessen Ergebnis 48 Stunden später vor, erfolgt eine Meldung an das Gesundheitsamt. Dieses kann erst dann aktiv werden. Hier sieht Benjamin Buhl den entscheidenden Vorteil des Testcenters: „Wir wissen früher Bescheid und können Infektionsketten unterbrechen.“

Hoteliers befürchten noch längere Hotelschließungen

Die Entscheidung fiel zwar einstimmig. Kritische Stimmen gab es im Gremium aber durchaus. Heinz Kellershohn (SPD) monierte, dass die politische Linie in Deutschland eine andere sei. Sie setze nicht auf Klarheit über eine mögliche Infektion, sondern auf das Impfen (die Standorte der Allgäuer Impfzentren hier). „Deshalb bleiben die Hotels wohl noch länger zu“, klagte der Hotelier. Hansjörg Lingg (FWO) erklärte noch in der Sitzung, dass er mit seinem Hotel „Bergkristall“ mitmacht und alle Mitarbeiter wöchentlich testen lassen will. Allerdings seien es erwiesenerweise nicht Hotels und Gastronomie, in denen sich das Virus verbreitet habe, denn: „Wir haben unsere Hygienekonzepte“. Wichtig sei, dass möglichst alle Betriebe bei den Tests mitmachen. Thomas Wintergerst (UTL) sah gar die Chance, dass das Testcenter Oberstaufen ein „Pilotprojekt für die ganze Region“ werden könnte. In jedem Fall sollte es noch vor Weihnachten eröffnen, um verantwortungsvollen Betrieben und Bürgern die Möglichkeit zu geben, „mit einem Gefühl der Sicherheit“ feiern zu können. OTM-Chefin Höfinghoff will in jedem Fall Ministerpräsident Markus Söder informieren, wenn das Testcenter in Betrieb ist, „denn an dem Konzept kommt er nicht vorbei“. Söder hatte zuletzt in diesem Sommer mit seiner Familie Urlaub in Oberstaufen gemacht.