Post-Covid-Syndrom

Langzeitfolgen nach Corona: Das raten Allgäuer Mediziner Betroffenen

Post-Covid-Symptom: Atemnot gehört zu den Beschwerden, die auch Monate nach einer Corona-Erkrankung Probleme verursachen können.

Post-Covid-Symptom: Atemnot gehört zu den Beschwerden, die auch Monate nach einer Corona-Erkrankung Probleme verursachen können.

Bild: Friso Gentsch

Post-Covid-Symptom: Atemnot gehört zu den Beschwerden, die auch Monate nach einer Corona-Erkrankung Probleme verursachen können.

Bild: Friso Gentsch

Patienten klagen teils Monate später über Beschwerden. Therapien können Verbesserungen bringen. Das sagen Allgäuer Mediziner.
26.03.2022 | Stand: 18:00 Uhr

Auch nach mildem Verlauf einer Corona-Erkrankung kann es längere Zeit später zu körperlichen Beschwerden kommen: Etwa zehn Prozent der Patienten sind laut Studien vom Post-Covid-Syndrom betroffen. „Darunter versteht man vielfältige Symptome, die nach drei Monaten weiter vorhanden oder neu dazu gekommen sind. Dazu zählen beispielsweise Atemnot, Erschöpfungszustände, Konzentrationsschwächen oder Geruchsverlust“, sagt Lungenfachärztin Dr. Kim Husemann vom MVZ Klinikum Kempten vor den 7. Allgäuer Lungentagen (Programm siehe unten).

Im Extremfall kann als Langzeitfolge das Fatigue-Syndrom auftreten, bei dem Patienten sich chronisch erschöpft fühlen und den Alltag nicht mehr meistern können. Noch gebe es gegen die Langzeitfolgen keine Medikamente. Diese erwartet die Expertin frühestens in ein, zwei Jahren. „Mit unterschiedlichen Therapien lassen sich aber gewisse Verbesserungen erzielen“, sagt Rehabilitationsmediziner Andreas Wagner, Chefarzt Pneumologie an der Allgäu Klinik Pfronten. „Patienten sollten aber mit sich selber Geduld haben und sich nicht zu viel zumuten.“

Post-Covid-Syndrom: Symptome, Diagnose, Therapie

Wer Wochen nach einer Corona-Erkrankung über körperliche oder psychische Beschwerden klagt, sollte seinen Hausarzt aufsuchen. Er behandelt nicht nur die Hauptbeschwerden, sondern „lotst“ Patienten zu einem passenden Facharzt - beispielsweise Pneumologe, Neurologe oder Kardiologe – oder zu eine Reha-Behandlung.

(Lesen Sie auch: Virologin hält gefährlichere Corona-Varianten für „extrem unwahrscheinlich“)

Schwierigkeit für alle Beteiligten: „Für die Diagnose des Post-Covid-Syndroms gibt es aktuell keinen Labor- oder Funktionstest“, sagt Husemann. Das bedeutet: Die Mediziner gehen nach dem Ausschlussprinzip vor. Sie spüren zunächst der Frage nach, ob beispielsweise eine Lungenembolie, Asthma oder ähnliches Auslöser für die Beschwerden sein könnten.

Omikron: Langzeitfolgen sind nach einem milden Verlauf möglich - Mit Impfung sinkt Risiko laut Studie

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„Falls dies nicht infrage kommt, ist von Post-Covid auszugehen“, sagt Husemann. Bei Personen, die schwer an Corona erkrankten, treten laut Robert-Koch-Institut häufiger langfristige gesundheitliche Folgen auf. Allerdings können Infizierte auch nach einem milden Verlauf Langzeitfolgen entwickeln. „Bei Kindern trifft dies aber deutlich weniger als bei Erwachsenen zu“, sagt Husemann. Auch in Verbindung mit der Omikron-Variante trete das Post-Covid-Syndrom auf. „Genaue Studien gibt es dazu aber noch nicht.“ Nach einer Impfung kann das Post-Covid zwar nicht ausgeschlossen werden. Doch: Unter Geimpfte war nach einer ersten Studie des King’ College London Post-Covid fast 50 Prozent weniger verbreitet als unter Ungeimpften.

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Wer an Post-Covid leidet, sollte sich nicht überlasten, warnt Dr. Wagner. Meist gehe es nur in kleinen Schritten voran. „Man sollte sich nur so viel bewegen, dass man am nächsten Tag die gleiche Leistung erneut erbringen kann.“ Ergotherapie, Atemphysiotherapie und psychologische Betreuung könnten beim Weg zurück in den Alltag helfen. Auch Selbsthilfegruppen seien geeignet. „Es ist wichtig, dass sich Patienten gegenseitig bestärken. Auch gegen den Druck, der ihnen von anderen gemacht wird. Da heißt es leicht mal: ’Stell dich nicht so an, beweg dich einfach wieder.’“ Doch Aktionismus sei gefährlich und könne zu Rückschlägen führen.

7. Allgäuer Lungentage: Das Programm:

Im Rahmen der 7. Allgäuer Lungentage veranstaltet das Klinikum Kempten in Kooperation mit den Fachkliniken Wangen drei Online- Patientenvorträge zum Thema Post-Covid. Das Programm:

Montag, 28. März, 19 Uhr: Dr. Lutz Menthel berichtet über Erfahrungen aus der hausärztlichen Praxis.

Mittwoch, 30. März, 19 Uhr: Lungenfachärztin Dr. Kim Husemann über Diagnostik und Forschungsbedarf zu Post-Covid.

Freitag, 1. April, 19 Uhr: Rehabilitationsmediziner Dr. Andreas Wagner (Allgäu Klinik, Pfronten) und Chefarzt Prof. Josef Rosenecker (Rehabilitionsklinik für Kinder- und Jugendliche, Wangen) über mögliche Auswirkungen von Post-Covid.

Zur Teilnahme an den Online-Vorträge geht es hier.