Politik

Rathäuser sollten gemeinsame Sache machen

Alpenbad Pfronten, Freibad

Das Alpenbad in Pfronten muss saniert werden. Möglicherweise werden zehn Ostallgäuer Kommunen eine Kooperation eingehen und künftig gemeinsam ein Bad betreiben. Solche Partnerschaften sind sinnvoll, findet unser Autor Helmut Kustermann, Leiter der Rundschau-Redaktion.

Bild: Benedikt Siegert

Das Alpenbad in Pfronten muss saniert werden. Möglicherweise werden zehn Ostallgäuer Kommunen eine Kooperation eingehen und künftig gemeinsam ein Bad betreiben. Solche Partnerschaften sind sinnvoll, findet unser Autor Helmut Kustermann, Leiter der Rundschau-Redaktion.

Bild: Benedikt Siegert

Nicht jeder Ort muss alles anbieten: Warum also nicht ein Bad oder den Bauhof zusammen betreiben, findet unser Autor Helmut Kustermann.
09.09.2021 | Stand: 06:37 Uhr

Es ist ein schwieriges Umfeld, in dem Kommunen derzeit ihre Finanzpolitik machen müssen. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind noch nicht absehbar, Schulen und Verwaltungen sollen digitaler werden, beim Wohnungsbau wäre mehr Engagement vonnöten und Kitas brauchen vielfach mehr Platz. Klagen über knappe finanzielle Ressourcen sind vor diesem Hintergrund verständlich, das Problem lösen sie aber nicht. Besser wäre es, wenn Kommunen häufiger über ihren Schatten springen und stärker zusammenarbeiten würden. Zum Wohle des Bürgers, denn das kann Steuergeld sparen.

Viel Luft nach oben

Dieses Thema hat eine lange Vorgeschichte. In den 1970er Jahren glaubte fast jeder Allgäuer Tourismus-Ort, ein eigenes Bad haben zu müssen. Irgendwann kam die Erkenntnis, dass es wenig Sinn hat, sich das Wasser gegenseitig abzugraben. In den 1990er Jahren gab es dann Überlegungen, Einrichtungen zusammen zu betreiben, um möglichst aus den roten Zahlen zu kommen. Manches ist seither passiert, so haben die Oberallgäuer Gemeinden Blaichach und Burgberg ein gemeinsames Bad. Doch es ist noch viel Luft nach oben.

Jetzt wird im Ostallgäu darüber nachgedacht, gemeinsame Sache zu machen. Der Pfrontener Bürgermeister Alfons Haf versucht acht Nachbargemeinden und die Stadt Füssen für ein Großprojekt zu gewinnen: Ein gemeinsames Bad soll entstehen. Mal abgesehen davon, dass aus einem Vorhaben mit zehn Kommunen eine etwas unübersichtliche Angelegenheit werden könnte, hat diese Idee viel für sich. Denn von einem neuen Bad in Pfronten würde ja nicht nur die dortige Gemeinde profitieren. Auch für Schwimmfreunde aus der Umgebung könnte es zu einem Anziehungspunkt werden. Es gibt längst einen Wettbewerb der Regionen, Kirchturmdenken ist da nichts weiter als ein Anachronismus.

Es geht ums Geld der Steuerzahler

Wenn Kommunen sich zusammentun wollen, ist der Tourismus nur eine von zahlreichen Möglichkeiten. Warum nicht einen gemeinsamen Bauhof betreiben, Software für die Verwaltung zusammen anschaffen oder Personal für die Jugendsozialarbeit an Schulen gemeinsam beschäftigen? Die Prämisse bei all diesen Überlegungen muss sein, wie sich Steuergeld intelligent einsetzen lässt. Man kann diese Gedanken noch weiter spinnen: Warum nicht über ein gemeinsames Feuerwehrhaus nachdenken, wenn die Gebäude zweier benachbarter Orte in die Jahre gekommen sind? Die Feuerwehren müssen deshalb ja nicht ihre Eigenständigkeit verlieren.

Gemeinden brauchen das richtige Gespür

Auf anderer Ebene gibt es ja bereits genug Beispiele für eine sinnvolle Zusammenarbeit. Wenn beispielsweise Landkreise und Städte zusammen die Abfallentsorgung organisieren. Oder ein Klinikverbund entsteht, wie ihn die Kreise Ober- und Unterallgäu sowie die Stadt Kempten gebildet haben. Es gibt viele Möglichkeiten für solche Schulterschlüsse. Kommunen brauchen das Gespür, sie zu erkennen – und den Mut, die Sache dann auch anzupacken.

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