Formel E

Formel E: Deshalb ist das Rennen in Monaco ein Heimspiel für den Allgäuer Maximilian Günther

Rennfahrer Maximilian Günther aus Rettenberg ist mittlerweile Wahl-Monegasse. Am Wochenende bestreitet er in Monaco sein Formel-E-Heimrennen.

Rennfahrer Maximilian Günther aus Rettenberg ist mittlerweile Wahl-Monegasse. Am Wochenende bestreitet er in Monaco sein Formel-E-Heimrennen.

Bild: Ralf Lienert

Rennfahrer Maximilian Günther aus Rettenberg ist mittlerweile Wahl-Monegasse. Am Wochenende bestreitet er in Monaco sein Formel-E-Heimrennen.

Bild: Ralf Lienert

750 Meter hat Maximilian Günther in Monte Carlo von seiner Wohnung bis zur Boxengasse. Am Wochenende fährt der Rettenberger in der Formel E auf dem Stadtkurs des Fürstentums.
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Von Klaus-Eckhard Jost
07.05.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Eine kürzere Anreise hatte Maximilian Günther noch nie zu einem Rennen. Die etwa 750 Meter könnte der BMW-Pilot sogar zu Fuß gehen. Doch er wird mit seinem Elektroroller von seiner Wohnung in der Nähe des Jardin Exotique hinüber zur Boxengasse am Quai Albert 1er im Hafen fahren, wenn am Wochenende die Formel E in Monaco gastiert.

Der 23-jährige Allgäuer, der seit etwa einem dreiviertel Jahr im Fürstenstaat an der Cote d’Azur lebt, sagt: „Dieses Rennen ist auf alle Fälle etwas Besonderes.“ Besonders wird der dritte Auftritt der Elektrorennserie auch deswegen, weil sie zum ersten Mal auf dem klassischen, 3,337 Meter langen Kurs fahren wird, auf dem seit 1950 insgesamt 66 Formel-1-Rennen ausgetragen wurden.

„Monaco hat für jeden Rennfahrer einen ganz besonderen Stellenwert“, sagt Günther, „die Strecke bietet viele herausfordernde und traditionsreiche Kurvenpassagen.“ Unbekannt ist Günther der Grand-Prix-Kurs nicht. 2018 ist er schon darauf gefahren, in der Formel 2. Und 2019 in der Formel E. Damals allerdings nur auf einer kurzen Version. Nach der Start-und-Ziel-Geraden ging’s nach Sainte Dèvote statt hinauf zum Casino rechts ab zurück Richtung Hafen und in der neuen Schikane wieder auf die Strecke.

Als Zehnjähriger hat sich Maximilian Günther ein Formel-1-Rennen in Monaco angesehen

In Monaco war Maximilian Günther auch schon im Jahr 2007. Der damals zehnjährige Motorsportfan hat sich zusammen mit seinen Eltern das Formel-1-Rennen angesehen. „Damals war eine Karriere als Profi noch ganz weit weg“, erzählt er. Doch die Faszination blieb. „Seitdem hatte ich zwei Träume oder Ziele: dass ich einmal auf der Rennstrecke selber fahre. Und ich wollte einmal hier wohnen.“

Beide Träume sind für den 1,82 Meter großen Rennfahrer in Erfüllung gegangen. Aber warum ist der heimatverbundene Günther überhaupt an die Cote d’Azur umgezogen? „Ich habe zwar in Kempten und im Allgäu alle meine Freunde, aber im Endeffekt habe ich sie nur selten gesehen“, sagt er. Zu unterschiedlich seien die Arbeitszeiten. Wenn seine Kumpels am Wochenende frei und Zeit für gemeinsame Unternehmungen hätten, sei er weltweit bei den Rennen unterwegs. „Da überschneidet sich nichts“, hat er erkannt.

Maximilian Günther: "Für mich als Sportler bietet Monaco alles, was ich benötige"

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„Für mich als Sportler bietet Monaco alles, was ich benötige“, sagt er. Weil das Wetter besser als im Allgäu ist, „kann man draußen immer viel Sport machen“. Und er ist nie allein. Da ist die hohe Profisportler-Dichte von Vorteil. „Wir führen alle ein ähnliches Leben, haben einen ähnlichen Lebensstil“, erklärt Günther.

Unter den in Monaco lebenden Motorsportlern gibt es einen Jour fix. Jeden Morgen um 9 Uhr ist Treffpunkt, danach geht’s mit dem Rennrad auf Tour. Dann treten die Formel-E-Piloten Nyck de Vries (Mercedes), Mitch Evans (Jaguar) oder Tom Blomqvist (Nio) ebenso in die Pedale wie die Formel-1-Fahrer Max Verstappen (Red Bull), Daniel Ricciardo (McLaren) oder Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo). Sogar der ein oder andere Radprofi hat sich dieser Trainingsgruppe schon angeschlossen, die entweder an der Küste entlang fährt oder in die Seealpen klettert.

Den Allgäuer Fußballer Kevin Volland hat er in Monaco noch nicht getroffen

Doch nicht nur auf der Straße trifft Maximilian Günther auf Profisportler. Auch im Fitnessstudio. Ein angesagter Treffpunkt ist der „Club 39“. Der Allgäuer führt aus, warum: „In diesem Studio gibt es alles, was ein Leistungssportler benötigt, bis hin zu einer Druckkammer, in dem ein Höhentrainingslager simuliert werden kann.“

Auch die Tennisprofis Novak Djokovic und Alexander Zverev trifft der Rennfahrer hier regelmäßig. „Man läuft sich immer wieder mal über den Weg“, sagt Günther und lacht: „Da ist die Welt dann doch sehr klein.“ Und doch auch wieder nicht. Obwohl Monaco mit seinen knapp 40 000 Einwohnern sehr überschaubar ist – die zwei bekanntesten Allgäuer Bewohner haben sich noch nicht getroffen: Rennfahrer Günther und Fußballprofi Kevin Volland, der Mittelstürmer von AS Monaco. „Wegen der Corona-Einschränkungen habe ich ihn leider noch nicht gesehen“, sagt Günther. Dabei hat er von seiner Wohnung Vollands Arbeitsplatz, das Stadion Luis II, sogar im Blickfeld.

Ins Allgäu kommt Maximilian Günther noch regelmäßig

Obwohl mittlerweile im mondänen Monaco zuhause, ins Allgäu kommt er regelmäßig. Das braucht der Familienmensch Günther einfach. „Jeden Simulator-Trip zu BMW in München verbinde ich mit ein paar Tagen in der Heimat“, sagt der Rennfahrer. In Zeiten von Corona absolviert er die etwa 800 Kilometer mit dem Auto. „Das geht unkompliziert und ist sicherer als fliegen“, sagt er.

Die sechs Rennen in dieser Formel-E-Saison sind für Maximilian Günther ziemlich enttäuschend gelaufen. Zwar konnte er im Training immer wieder das Potenzial des BMW-Antriebsstrangs aufzeigen, im Rennen allerdings hat es noch nicht so richtig geklappt. Teils aus eigenem Verschulden, teils wegen äußerer Bedingungen, wie eine feuchte Piste während des Qualifyings. So stehen momentan nur zwölf Punkte auf Günthers Konto. Macht Platz 21. Eine Enttäuschung. Deshalb baut er jetzt auf Monaco. „Der Kurs ist herausfordernd von der Strecke her“, gibt er seine Einschätzung, „aber vom Stadtkurs her sind wir viel rustikalere Kurse gewohnt, die noch enger sind, noch viel mehr Bodenwellen haben.“ Drum sei Monaco, auch weil es eine Formel-1-Strecke ist, vom Asphalt und den Leitplanken her ein sehr gut ausgelegter Stadtkurs. Den er im Vorfeld schon eingehend inspiziert hat. Vor allem die Bodenwellen. „Du musst wissen, wo du dein Auto schon am Kurveneingang wie platzieren musst“, erklärt er. Allerdings ist der E-Prix von Monaco, wie bereits erwähnt, nicht nur für ein Heimrennen ...

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