Corona-Krise

Rettungskräfte befürchten mehr Bade-Unfälle im Allgäu

Schwimmen, planschen, surfen oder mit dem Stand-up-Paddle-Board rausfahren: Die Allgäuer Badeseen sind derzeit gut besucht – genau wie der Rottachsee im Oberallgäu. Doch der große Andrang könnte auch die Zahl der Unglücke steigen lassen.

Schwimmen, planschen, surfen oder mit dem Stand-up-Paddle-Board rausfahren: Die Allgäuer Badeseen sind derzeit gut besucht – genau wie der Rottachsee im Oberallgäu. Doch der große Andrang könnte auch die Zahl der Unglücke steigen lassen.

Bild: Matthias Becker

Schwimmen, planschen, surfen oder mit dem Stand-up-Paddle-Board rausfahren: Die Allgäuer Badeseen sind derzeit gut besucht – genau wie der Rottachsee im Oberallgäu. Doch der große Andrang könnte auch die Zahl der Unglücke steigen lassen.

Bild: Matthias Becker

An Seen tummeln sich in der Corona-Krise mehr Menschen als sonst. Rettungskräfte fürchten, dass die Zahl der Unglücksfälle steigt. Was zu beachten ist.
10.07.2020 | Stand: 19:16 Uhr

Allgäu Volle Parkplätze, Andrang auf Berggipfeln, massenhaft Ausflügler: Das südliche Allgäu erlebt derzeit einen Ansturm. Auch an den Badeseen in der Region tummeln sich ungezählte Einheimische und Touristen. „Im Allgäu sind etwa ein Viertel mehr Badegäste an den Seen als sonst“, sagt Michael Förster, Sprecher des Landesverbandes Bayern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die DLRG rechnet auch deshalb in diesem Sommer mit deutlich mehr Badetoten als in den Vorjahren. Bis Ende Juni seien in Bayern bereits zwölf Menschen ertrunken, „und jede Woche werden es mehr“.

Die Zahl der Badetoten könnte steigen

Sabine Blodau von der Kreiswasserwacht Kempten/Oberallgäu teilt diese Befürchtungen. „Die Badeseen sind überfüllt“, sagt sie. Ein Grund dafür sei, dass viele Menschen ihren Urlaub in Corona-Zeiten zuhause verbringen. Das könnte die Zahl der Badetoten steigen lassen.

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Blodau und ihre Kollegen von der Wasserwacht beobachten aktuell, dass viele Menschen an den Seen baden, „die sonst nur das Freibad kennen“. Denn wegen der Corona-Regeln dürfen weniger Menschen in die Bäder als sonst – „und die übrigen gehen dann an den See“. Das Schwimmen in einem Gewässer, inklusive Pflanzen, Strömungen und Temperaturwechseln, seien viele nicht gewohnt.

Im Gegensatz zu den Freibädern seien die Badestellen an Seen oft unbewacht, sagt Jürgen Bonnemann von der DLRG Memmingen/Unterallgäu. „Viele Schwimmer überschätzen sich. Das ist immer ein Problem, aber mit den vielen Badegästen derzeit ganz besonders.“. Das treffe gerade auf junge Menschen zu, die Alkohol getrunken haben. Oft seien es aber auch Senioren, die sich zu viel zumuten. Er rät, nicht quer über einen See zu schwimmen, sondern sich parallel zum Ufer zu bewegen.

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Dazu kommt: Auf den Seen sind mittlerweile nicht mehr nur Schwimmer, sondern auch zahlreiche andere Wassersportler wie Kanufahrer, Kite-Surfer oder Stand-up-Paddler unterwegs. „Oftmals sind Anfänger darunter, die die Gefahren unterschätzen. Innerhalb von einem Monat hatten wir sieben Einsätze auf offenen Gewässern“, sagt Max Achatz, Technischer Leiter bei der Wasserwacht Füssen. „Die Winde können im Alpenraum sehr tückisch für Wassersportler sein“, sagt er.

Gerade die vielen Stand-up-Paddler bereiten auch der DLRG Sorge. „Da sind auch ungeübte Schwimmer dabei, und dann wird es gefährlich“, sagt Michael Förster. Er stellt klar: „Ein Stand-up-Paddle-Board ist ein Sportgerät und keine Schwimmhilfe.“

Baden an Flüssen ist gefährlich

Dass es an den Seen derzeit so voll ist, birgt laut Wasserwachtlerin Sabine Blodau auch die Gefahr, dass die Allgäuer und Touristen nun verstärkt an den Flüssen baden gehen. „Flussbaden ist ganz übel. Davon raten wir wirklich ab.“ Besonders gefährlich seien vor allem die Unterströmungen in vermeintlich ruhigen Flüssen. „Außerdem gibt es Wirbel, Strudel und der Wasserstand kann sich ändern.“

Eigentlich möchten Blodau und ihre Kollegen von der Wasserwacht in diesen Zeiten noch präsenter sein – doch auch da macht Corona ihnen einen Strich durch die Rechnung. „Die Hygiene-Vorgaben sind das Problem“, sagt Blodau und verweist darauf, dass es an vielen Seen und Weihern kein fließendes Wasser gebe. „Wir müssen also das ganze Wasser zur Reinigung der Hände und des Körpers in Kanistern mitbringen.“ Außerdem müssen die Wasserwachtler auf Unterstützung verzichten: „Jugendliche unter 16 Jahren dürfen wir nicht mehr mitnehmen“, sagt die Oberallgäuer Vorsitzende. Die Gründe für die Vorgabe vonseiten des Landesverbandes kennt sie nicht.

Eine Auswahl von Allgäuer Seen im Überblick: