ÖPNV im Allgäu

So soll Busfahren im Allgäu attraktiver werden

Flexibus jetzt auch in Ottobeuren

Der Flexibus ist bald in 32 Unterallgäuer Kommunen unterwegs – wie hier in der Marktgemeinde Ottobeuren.

Bild: Wolfgang Strobl (Symbolfoto)

Der Flexibus ist bald in 32 Unterallgäuer Kommunen unterwegs – wie hier in der Marktgemeinde Ottobeuren.

Bild: Wolfgang Strobl (Symbolfoto)

Besonders im ländlichen Raum ist der Pkw das beliebteste Verkehrsmittel. Wie Städte und Kommunen versuchen, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen.
03.03.2021 | Stand: 19:01 Uhr

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hat es in der Region nicht leicht. Immer wieder wird bemängelt, er sei nicht gut genug ausgebaut, die Taktung nicht ausreichend. Besonders im ländlichen Raum steigen die Allgäuer lieber in das eigene Auto. Das geht aus dem „Regionalbericht zur Mobilität in Deutschland 2019“ hervor. Die Pandemie hat den Trend weiter verstärkt. Trotzdem versuchen Städte und Kommunen immer wieder, den ÖPNV attraktiver zu machen.

Flexibus fährt bald in 32 Unterallgäuer Gemeinden

Trotz coronabedingt sinkender Fahrgastzahlen hat beispielsweise der Flexibus einen Gang hochgeschaltet: Ab April fährt er in Bad Wörishofen, ab Juli in Türkheim und Wiedergeltingen. Damit werden 32 Unterallgäuer Kommunen angesteuert. Der Türkheimer Flexibus soll Fahrgäste auch nach Buchloe bringen.

Dabei ist er nicht als Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV gedacht, sondern dafür, das Angebot besonders im ländlichen Raum zu ergänzen, sagt Betreiber Josef Brandner. Die Busse haben keinen festen Fahrplan, dafür ein dichtes Netz an Haltestellen. Telefonisch oder per App müssen die Fahrten vorab gebucht werden. Da der Flexibus nur auf Bestellung fährt, ist er laut Brandner wirtschaftlicher. Buslinien, die stündlich mehrere kleine Gemeinden abklappern, seien oft leer unterwegs.

Bedarfsverkehr immer wichtiger

„Ich bin überzeugt, dass im ländlichen Raum der Bedarfsverkehr immer wichtiger wird“, betont Brandner. Deshalb habe sich das Unternehmen beim Netz-Ausbau nicht von der Pandemie beirren lassen. Immerhin sei Mobilität ein langfristiges Projekt. Bezahlen müssen die Fahrgäste für verschiedene Zonen. Die Ticketpreise decken den Betrieb der Flexibusse jedoch nicht. Das Defizit tragen Landkreis und Kommunen, wobei der Freistaat das Projekt bezuschusst.

Auch für den Marktoberdorfer Stadtbus zahlt die Stadt drauf. Seit 2004 dreht der Kleinbus seine Runden vom Rathaus über das Landratsamt zum Bahnhof. 32 Haltestellen fährt er an. Die Busfahrer sind Ehrenamtliche, das Mitfahren funktioniert auf Spendenbasis. Von März bis August gab es coronabedingt keinen Betrieb. „Seitdem sind die Fahrgastzahlen zurückgegangen“, sagt Nicole Kosuchowski, zuständig für das Verkehrswesen. Da der Stadtbus einen festen Plan habe, fahre er oft leer. Trotzdem werde er weiter betrieben, da es noch keine Alternative auf dieser Strecke gebe.

Kaufbeurer Citybus übersteht Testphase nicht

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Anders sieht es beim Kaufbeurer Citybus aus: Der hat im Juli 2020 eine Vollbremsung hingelegt. In einer einjährigen Testphase fuhr er kostenlos durch die Innenstadt. Das Ziel, die Fußgängerzone zu beleben, habe das Projekt laut Stadtverwaltung wohl auch wegen der Pandemie verfehlt. Während des ersten Lockdowns stand der Bus mehrere Wochen. Danach konnte nicht mehr an die positiven Ergebnisse angeknüpft werden. Pressesprecher Peter Igel sagt, momentan sei nicht geplant, den Citybus zu reaktivieren. Die Forderungen danach hielten sich in Grenzen. Da er durch die Innenstadt fuhr, war er auch kein Ersatz für den Pkw. Langfristig werde der Fokus in Sachen Nahverkehr auf die Anbindung der Gewerbegebiete und den Service gelegt.

Die Stadt Kempten bearbeitet aktuell einen Antrag der Jungen Union auf einen Nachtbus. „Die Buslinien fahren in der Stadt momentan bis 21 Uhr, danach gibt es Anruf-Sammel-Taxis“, sagt Annika Spatscheck vom Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung. Die Taxis eine halbe Stunde vor der Fahrt zu bestellen, sei für manche aber ein Hindernis. Die örtliche CSU-Fraktion beantragte zudem, dass Zug-Pendler künftig ohne Umstieg mit dem Bus in die Gewerbegebiete kommen sollen. „Die Verkehrsgesellschaft prüft die Anträge und erarbeitet Konzepte, die im Mobilitätsausschuss im Mai besprochen werden“, so Spatscheck.

Für manche ist der Flexibus ein Glücksfall

An das reguläre ÖPNV-Netz überhaupt nicht angebunden ist dagegen Weinried im Unterallgäu. Ulrich Harant wohnt in dem kleinen Ort und kann wegen einer Fuß-Amputation seit sieben Jahren nicht mehr mit dem Auto fahren. Früher war er stets auf andere angewiesen, die ihn zur Bushaltestelle nach Babenhausen fahren mussten. Seit November 2019 ruft er dafür einfach den Flexibus. „Für mich ist das ein echter Glücksfall“, sagt der 56-jährige Ulrich Harant.

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