Hilfe von Tafeln im Allgäu

Hohe Energiekosten belastender als Corona-Krise? - Allgäuer Tafeln rechnen mit Andrang

Tafel Sonthofen

Praktikant Lucas Ullmann (links) und rechts Monika Wittig bedienen zwei Kunden im Tafelladen der Caritas in Sonthofen.

Bild: Martina Diemand

Praktikant Lucas Ullmann (links) und rechts Monika Wittig bedienen zwei Kunden im Tafelladen der Caritas in Sonthofen.

Bild: Martina Diemand

Sozialverbände befürchteten bald einen "Schwung an Bedürftigen" bei Allgäuer Tafeln. Zum Problem drohen die hohe Kosten für Strom und das Heizen zu werden.
04.11.2021 | Stand: 07:58 Uhr

Tafeln im Allgäu rechnen in den kommenden Monaten mit mehr bedürftigen Menschen. Stark steigende Energiepreise und die damit einhergehenden höheren Nebenkostenabrechnungen sowie immer teurere Lebensmittel werden immer mehr Menschen an ihre finanzielle Grenze bringen, heißt es von den Verantwortlichen. Somit könnten mehr Allgäuer die Hilfe der Tafeln benötigen.

Die steigenden Energiepreise könnten die Menschen mehr belasten als die Corona-Krise, befürchtet Rainer Linke. Er ist Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Ostallgäu und Verantwortlicher für die Tafeln in Buchloe, Marktoberdorf und Füssen. Mögliche Nachzahlungen bei den Nebenkosten für Strom und Gas, die meist zwischen Januar und April bezahlt werden müssen, dürften um einiges höher sein. (Lesen Sie auch: Immer mehr Gasversorger erhöhen die Preise - und nicht alle sagen es deutlich)

Steigende Energiekosten: Für manche Allgäuer könnte das Geld knapp werden

Die Folgen sind für Linke klar: Einkommensschwächeren Familien oder Senioren mit geringer Rente wird das Geld für Lebensmittel knapp. „Bereits jetzt gibt es aufgrund der gestiegenen Preise bei vielen Tafeln eine erhöhte Nachfrage um bis zu 20 Prozent.“ Er erwartet dadurch zudem einen „erheblichen Andrang“ bei der Schuldnerberatung der Caritas. Harald Thomas, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Lindau, rechnet ebenfalls mit einem „Schwung an Bedürftigen“, die auf die Tafeln zukommen.

„Die Tafeln sind für alle da, die ein sehr geringes Einkommen haben“, sagt Susanne Wagner, Leiterin der Einrichtung in Memmingen, deren Träger der Katholische Verein für soziale Dienste Memmingen und Unterallgäu (SKM) ist. Dazu zählen zum Beispiel Menschen, die Hartz IV beziehen, eine kleinere Rente haben oder sehr wenig Geld verdienen. Darunter seien Paare und Familien ebenso wie Alleinstehende, Rentner und Geflüchtete.

Im Landkreis Lindau haben zum Beispiel etwa 300 Menschen einen Berechtigungsschein. Diese kaufen teilweise für eine ganze Familie ein, wodurch bis zu 600 Menschen versorgt werden, sagt Thomas. Ähnlich seien die Zahlen bei der Tafel in Memmingen, sagt Leiterin Wagner. (Lesen Sie auch: Wohnungsnot: In Memmingen schon 1917 eine "Lebensfrage")

Kein Ansturm in der Corona-Pandemie: Menschen im Allgäu sind unsicher

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Entgegen der Befürchtungen zu Beginn der Pandemie habe es im Allgäu aufgrund der Corona-Krise keinen Ansturm auf die Tafeln gegeben, sagt Thomas. Die Tafeln in Lindau und Lindenberg verzeichneten laut Thomas sogar einen Rückgang im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie. „Woran das liegt, ist mir noch immer ein Rätsel“, sagt der Caritasgeschäftsführer aus Lindau. „Ziemlich sicher liegt es nicht daran, dass es den Menschen besser geht.“ Er vermutet eher, dass die Tafel-Kunden verunsichert sind. Das bestätigt auch Anneliese Welter, Leiterin der Tafel in Sonthofen vom Caritasverband Kempten-Oberallgäu: „Viele Kunden sind älter und haben Angst, sich mit dem Corona-Virus anzustecken.“

Während der Lockdowns waren die Einrichtungen im Landkreis Lindau, im Ostallgäu und in Memmingen für einige Wochen geschlossen. Um die Menschen zu versorgen, fanden die Tafel-Betreiber Lösungen: Die Marktoberdorfer Tafel sei beispielsweise in einen größeren Raum gezogen, wo die Abstände eingehalten werden können, sagt Linke. Die Ehrenamtlichen in Lindau und Lindenberg packten Tüten und reichten sie den Kunden durch ein Fenster. Genauso in Sonthofen. Mitarbeiter der Memminger Tafel lieferten Pakete zu den Menschen nach Hause. Nun sind alle Einrichtungen im Allgäu wieder normal geöffnet.

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