"Die Kinder müssen in den Präsenzunterricht"

Corona-Spritzen an Allgäuer Schulen? Die Uneinigkeit ist groß

Während der Landkreis Ostallgäu Impfungen an Schulen auf deren Wunsch hin anbieten möchte, hat sich der Landkreis Lindau gegen eine solche Möglichkeit entschieden.

Während der Landkreis Ostallgäu Impfungen an Schulen auf deren Wunsch hin anbieten möchte, hat sich der Landkreis Lindau gegen eine solche Möglichkeit entschieden.

Bild: Daniel Karmann, dpa (Archiv)

Während der Landkreis Ostallgäu Impfungen an Schulen auf deren Wunsch hin anbieten möchte, hat sich der Landkreis Lindau gegen eine solche Möglichkeit entschieden.

Bild: Daniel Karmann, dpa (Archiv)

Im Ostallgäu soll es möglich sein, im Landkreis Lindau nicht: Im Allgäu ist man sich uneins, ob es nach den Ferien ein Impf-Angebot an den Schulen geben sollte.
01.09.2021 | Stand: 06:05 Uhr

„Seit es die allgemeine Impfempfehlung gegen Covid-19 für alle Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gibt, hat die Nachfrage in dieser Altersgruppe deutlich zugenommen“, sagt Dr. Volkmar Reschke. Der Kaufbeurer Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin sowie Psychotherapeut hat zu Impfungen an Schulen eine klare Haltung: „Das Impfangebot ist freiwillig, aber man muss dahin gelangen, wo die Jugendlichen sind. Für eine bessere Impfquote und möglichst wenig Einschränkungen im kommenden Herbst und Winter für Kinder und Jugendliche sollte jede Gelegenheit genutzt werden.“

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben in Bayern mittlerweile 28,7 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen eine Erstimpfung erhalten, 21 Prozent sind bereits vollständig geimpft. Erst gut zwei Wochen ist es her, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impf-Empfehlung für diese Altersklasse ausgesprochen hat. Seither ist die Nachfrage an den kommunalen Impfzentren nach Angaben der Landratsämter gestiegen. Mit einer Ausnahme: In Bad Wörishofen habe sich die Empfehlung kaum bemerkbar gemacht, sagt Landkreis-Sprecherin Eva Büchele. (Lesen Sie auch: Die Aufholjagd hat begonnen: So läuft die Sommerschule in Kaufbeuren)

"Homeschooling ist immer nur die zweitbeste Lösung"

Frank Hortig, Leiter der Gustav-Leutelt-Schule in Kaufbeuren, hofft, dass sich möglichst viele junge Menschen impfen lassen: „Die Kinder müssen in den Präsenzunterricht, Homeschooling ist immer nur die zweitbeste Lösung.“ Bis flächendeckend Luftfilter eingesetzt werden können, werde es noch eine Weile dauern. „Ein Impfangebot ist alternativlos“, sagt er. Konkrete Pläne dafür gebe es an seiner Schule noch nicht, er könnte sich aber vorstellen, dass die Schüler direkt vor Ort geimpft werden, beispielsweise durch mobile Impfteams.

Ähnlich sieht es Florian Klemm, der die Staatliche Realschule in Marktoberdorf leitet: „Es sollte ein niederschwelliges Angebot geben.“ Mit Zustimmung der Eltern hält er es für realistisch, dass die Schüler in einem Impfbus an der Schule oder sogar im Gebäude ihre Spritze erhalten. Möglich wäre das: „Nach den Sommerferien werden mobile Teams in den Schulen impfen – wenn das von diesen gewünscht wird“, sagt Stefan Leonhart, Sprecher des Landkreises Ostallgäu.

Ob die mobilen Teams auch zu Schulen im Oberallgäu ausrücken, ist laut Landkreis-Sprecher Andreas Kaenders noch offen. Bereits seit Mitte Juli gibt es in den Impfzentren in Bad Wörishofen und Memmingen einen speziellen Tag, an dem sich bevorzugt Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren impfen lassen können. „Weitere Aktionen in Bezug auf Kinder und Jugendliche sind im Unterallgäu bislang nicht geplant“, sagt Büchele.

Kreis Lindau: Keine Impfungen an Schulen

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Nach den Ferien sind Impfaktionen an Bayerns Schulen geplant

Der Kreis Lindau stellt sich gegen Impfungen an Schulen: „Hier wird es keine Impftermine für Schüler in den Schulgebäuden geben“, sagt Landkreis-Sprecherin Angela Wolf. „Darüber haben wir die Schulen über das Staatliche Schulamt informiert.“ Hintergrund dieser Entscheidung sei, dass man jegliche Diskussion über einen vermeintlichen Impfzwang vermeiden wolle. (Lesen Sie auch: Holetschek sieht eine "Pandemie der Ungeimpften")

Dass Schüler bei Impfungen an den Schulen unter Druck gesetzt werden könnten, befürchten die Schulleiter Hortig und Klemm nicht: „Wir werden informierend an die Eltern herantreten und nicht suggerieren, dass es eine Verpflichtung gibt“, sagt Hortig. Er setzt auf einen offenen Austausch zwischen Eltern, Schülern und Schule, aber auch innerhalb der Familien. „Ich gehe nicht davon aus, dass so etwas wie ein Gruppenzwang entsteht“, sagt Klemm. Das sei auch nicht der Fall gewesen, als sich die Schüler vor den Ferien entscheiden konnten, ob sie medizinische oder FFP-2-Masken tragen wollten.

Dass es zu Problemen kommen könnte, fürchtet auch der Mediziner und Psychotherapeut Dr. Volkmar Reschke nicht. Es gebe viele Jugendliche, die sich differenziert mit der Impfthematik auseinandersetzten und gut Bescheid wüssten: „Neben dem Aspekt, sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen, ist natürlich das Wiedererlangen von Freiheiten attraktiv.“

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