Radunfälle im Allgäu

Warum jährlich über tausend Fahrradfahrer im Allgäu verunglücken

Ein weißes Fahrrad mit einem schwarzen Kreuz erinnert an einer Ampelkreuzung an einen Fahrradunfall mit tödlichem Ausgang. Für Fahrradfahrer gibt es vor allem innerorts viele potenzielle Unfallquellen.

Ein weißes Fahrrad mit einem schwarzen Kreuz erinnert an einer Ampelkreuzung an einen Fahrradunfall mit tödlichem Ausgang. Für Fahrradfahrer gibt es vor allem innerorts viele potenzielle Unfallquellen.

Bild: Holger Hollemann/dpa (Symbolbild)

Ein weißes Fahrrad mit einem schwarzen Kreuz erinnert an einer Ampelkreuzung an einen Fahrradunfall mit tödlichem Ausgang. Für Fahrradfahrer gibt es vor allem innerorts viele potenzielle Unfallquellen.

Bild: Holger Hollemann/dpa (Symbolbild)

Jeden Tag passieren in Deutschland hunderte Fahrradunfälle. Was die häufigsten Gründe für Radunfälle sind und wie viele im Allgäu passieren.
15.07.2020 | Stand: 07:41 Uhr

Wegen Corona boomt das Fahrradgeschäft und immer mehr Menschen scheinen auf den „Drahtesel“ umzusteigen. Gleichzeitig passieren täglich hunderte Fahrradunfälle in Deutschland und auch im Allgäu werden regelmäßig Radunfälle gemeldet. Doch wie kommt es zu den Unfällen und wie lassen sich diese vermeiden? Der Polizeisprecher des Präsidiums Schwaben Süd/West, Holger Stabik, klärt über die häufigsten Radunfall-Ursachen auf.

Mehr als 117.000 Radunfälle pro Jahr in Deutschland

Bundesweit kamen 2019 nach Angaben der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jeden Tag zwei bis drei Radfahrer oder Fußgänger im Straßenverkehr ums Leben, 60 wurden täglich schwer und 260 leicht verletzt. Insgesamt verunglückten im vergangenen Jahr 117.528 Menschen, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs waren.

2019 gab es im Allgäu laut Polizeisprecher Holger Stabik 934 Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern und E-Bikern. Das schließt auch die Städte Kempten und Memmingen mit ein. Die Zahl sage allerdings nichts darüber aus, ob die Radfahrer auch mit Schuld am Unfall waren.

 

 

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Wie viele Menschen im Allgäu mit welchem Verkehrsmittel im Jahr 2018 und 2019 tödlich verunglückten, ist dem obigen Diagramm zu entnehmen. Unter "Sonstige" werden beispielsweise Fahrer von E-Scootern, Businsassen sowie Insassen von Arbeitsmaschinen geführt.

Folgendes Diagramm zeigt, wie viele Menschen im Allgäu infolge eines Unfalls mit dem Fahrrad, E-Bike oder zu Fuß verletzt wurden.

 

 

In diesen Monaten passieren die meisten Radunfälle im Allgäu

Von Januar bis Anfang Juni sind im Allgäu bereits 395 Fahrradunfälle passiert. Doch die gefährlichsten Monate für Radler sind in der Statistik noch nicht erfasst oder stehen noch bevo:. Laut Polizeisprecher Holger Stabik ereignen sich die meisten Fahrradunfälle in den Sommermonaten Juni, Juli und August.

Ein Großteil der Radunfälle passiert innerorts

Unfall-Hotspots kann man im Allgäu laut Stabik nicht ausmachen. Mancherorts nehmen Radunfälle zu, andernorts sinken sie dafür wieder. „Insgesamt hält sich die Anzahl der Radunfälle in den relevanten Zeiträumen die Waage.“ Allgemein zeichne sich aber ab, dass sich Dreiviertel aller Radunfälle innerorts ereignen.

Wie parkende Autos für Radfahrer zur Gefahr werden können

Fast jeder fünfte Rad- oder Fußgängerunfall hängt einer Studie des GDV zufolge mit parkenden Autos zusammen. Bei Radfahrer-Unfällen seien plötzlich aufgerissene Wagentüren häufig ein Grund für auch gravierende Unfälle, sagte der Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Dienstag in Münster. Dieses Problem des sogenannten "Dooring" sei bisher kaum erforscht und werde unterschätzt.

Wie kann das "Dooring" verhindert werden?

Bei der für Radfahrer häufigen Unfallursache Dooring reißt der Autofahrer in dem meisten Fällen nach links unachtsam seine Fahrertür Richtung Straße auf, der Radfahrer hat keine Chance zu bremsen, kollidiert mit der Tür und stürzt mit voller Wucht zu Boden. Das Problem nehme zu, weil der Radverkehr auch häufiger auf die Fahrbahn verlegt werde, sagte Brockmann. Der Sicherheitsabstand zwischen solchen Radverkehrsanlagen und den Parkstreifen müsse vergrößert werden.

Parkende Autos können für Radfahrer zu einer großen Gefahr werden. Vor allem das sogenannte "Dooring", wenn Autofahrer unvermittelt die Türe aufreißen, führt zu vielen Fahrradunfällen.
Parkende Autos können für Radfahrer zu einer großen Gefahr werden. Vor allem das sogenannte "Dooring", wenn Autofahrer unvermittelt die Türe aufreißen, führt zu vielen Fahrradunfällen.
Bild: Marijan Murat/dpa

Was verursacht die meisten Radunfälle im Allgäu?

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West passieren aber etwa 60 Prozent aller Fahrradunfälle ohne Fremdbeteiligung. Die häufigsten Unfallursachen sind demnach:

  • eine nicht angepasste Geschwindigkeit
  • zu wenig Abstand zum Vordermann oder seitlich zu Fußgängern
  • Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot
  • betrunkenes Fahrradfahren

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Wie kann man Fahrradunfälle vermeiden?

So mancher Fahrradunfall lässt sich laut dem Polizeisprecher vermeiden, wenn man als Radler folgendes beachtet:
  • Verkehrsregeln einhalten
  • Auf Radwegen, die mit Fußgängerwegen kombiniert sind: Möglichst weit rechts fahren
  • Angepasste Geschwindigkeit (vor allem wenn Fußgänger denselben Weg benutzen)
  • Nur in klaren Situationen überholen
  • Defensiv fahren
  • Vorausschauend fahren und mögliches Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer berücksichtigen
Wie Fußgänger zählen auch Radfahrer zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern. Daher ist es für sie umso wichtiger, Unfälle mit den richtigen Maßnahmen vorzubeugen.
Wie Fußgänger zählen auch Radfahrer zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern. Daher ist es für sie umso wichtiger, Unfälle mit den richtigen Maßnahmen vorzubeugen.
Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

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