Corona-Pandemie im Allgäu

"Corona ist noch nicht vorbei" - Wie Allgäuerinnen und Allgäuer zur Maske stehen

Sabine Sieber findet es zwar gut, dass die Maskenpflicht gefallen ist. Andererseits hat sie auch kein Problem, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, um andere und auch sich selbst zu schützen – wie hier in der Memminger Stadtbücherei.

Sabine Sieber findet es zwar gut, dass die Maskenpflicht gefallen ist. Andererseits hat sie auch kein Problem, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, um andere und auch sich selbst zu schützen – wie hier in der Memminger Stadtbücherei.

Bild: Matthias Becker

Sabine Sieber findet es zwar gut, dass die Maskenpflicht gefallen ist. Andererseits hat sie auch kein Problem, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, um andere und auch sich selbst zu schützen – wie hier in der Memminger Stadtbücherei.

Bild: Matthias Becker

Von vergessenen Hinweisschildern und gemischten Gefühlen: Ein Rundgang vier Wochen nach dem Ende der Maskenplficht.
02.05.2022 | Stand: 21:38 Uhr

Vor vier Wochen ist die Maskenpflicht in Bayern weitgehend gefallen. Viele Menschen freuen sich über die neue Freiheit, auch wenn die Inzidenzwerte immer noch hoch sind. Und doch ist der Mund-Nasen-Schutz aus dem Bild vieler Städte noch längst nicht verschwunden: Dies hat ein Rundgang in der Memminger Innenstadt gezeigt.

An etlichen Läden hängen immer noch Zettel mit der Bitte, einen Schutz zu tragen. Sogar „Maskenpflicht“ prangt in großer Schrift am Eingang des Blumengeschäfts Kurlebaur am Marktplatz. Doch aus dem Laden kommen nur Kunden ohne Schutz – und auch im Geschäft ist keine Maske zu sehen. „Wir haben das Hinweisschild noch nicht abgemacht, weil es so fest angeklebt ist“, erzählt Floristin Sigrid Groß. „Ich freue mich, wenn Kunden keine Maske aufhaben und ich ihre Mimik und ihr Lächeln sehe.“ Auch für sie sei die Arbeit ohne Mund-Nasen-Schutz angenehmer. Angst vor Corona habe sie nicht, sagt Groß: „Ich bin geimpft.“ Kundin Lydia Schwenk kommt zwar ohne Maske ins Blumengeschäft – „weil ich sie heute das erste Mal vergessen habe“. Ansonsten trägt sie weiterhin den Schutz: „Denn Corona ist noch nicht vorbei.“

Matthias Lapatschek: „Die Maske macht immer noch Sinn in geschlossenen Räumen“

Immer mit Maske in Geschäften unterwegs ist auch Christine Messner. Die Musiklehrerin hatte Corona, obwohl sie geboostert ist. „Ich fühle mich so sicherer und will auch andere schützen.“ Sie glaubt, dass der weitgehende Wegfall der Maskenpflicht zu früh gekommen sei. Das sehen auch Gesundheitsexperten so: „Dass die Inzidenzen immer noch sehr hoch sind und nicht so sinken, wie wir uns das im März noch gewünscht hatten, liegt wohl auch an den Lockerungen“, sagt der Kemptener Virologe Dr. Matthias Lapatschek. „Die Maske macht immer noch Sinn in geschlossenen Räumen oder auch im Freien, wenn dort ein Abstand von mindestens zwei Metern nicht einzuhalten ist.“

„Dringende Empfehlung: FFP-2-Maske“: Das steht an der Tür des historischen Rathauses von Memmingen, in dem Teile der Stadtverwaltung untergebracht sind. Wer dort etwas zu erledigen hat, soll einen Termin mit dem zuständigen Amt vereinbaren, heißt es auf der Homepage der Stadt – oder anrufen oder eine Mail schreiben. Und am besten gleich die Online-Formulare benutzen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt laut Pressesprecherin Alexandra Wehr aktuell noch der sogenannte Arbeitsschutz – das heißt, dass sie Masken zumindest auf den Fluren tragen müssen. (Lesen Sie auch: Urteil für Arzt wegen falscher Masken-Atteste gefällt)

Stadtbibliothek Memmingen: Etwa 60 Prozent der Kunden mit Maske

Für die Besucherinnen und Besucher der Stadtbibliothek gibt es eine „nachdrückliche Empfehlung“, weiterhin Maske zu tragen und Abstand zu halten. Etwa 60 Prozent hielten sich daran, schätzt Leiterin Anke Limprecht – daran habe sich in den vergangenen vier Wochen nichts geändert. Man spreche Kunden ohne Mund-Nasen-Schutz jedoch nicht darauf an. „Aber alle Mitarbeitenden schauen, dass sie immer einen guten Abstand halten.“ Zudem werde in der Stadtbibliothek regelmäßig gelüftet. „Wir sind froh, dass nun auch die Eingangskontrollen weggefallen sind. Das war für uns personalintensiv und die Kunden fanden es lästig“, sagt Anke Limprecht.

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Bücherei-Kundin Sabine Sieber aus Dettingen an der Iller findet es einerseits gut, dass die Maskenpflicht gefallen ist. Andererseits hat sie auch kein Problem, eine Maske zu tragen, um andere und sich selbst zu schützen. „Schöner ist es aber, wenn man sie endlich weglassen kann.“ Die Bibliothek in Memmingen schätzt sie, weil diese auch während der Corona-Hochphase geöffnet hatte. Dort steht immer noch ein Gerät zum Desinfizieren der Hände. Viele der Bücherei-Besucher nutzen es weiterhin. Solche Angebote befürwortet Dr. Fabian Heuser. Der Ärztliche Direktor der Asklepios Klinik Lindau empfiehlt auch außerhalb von Krankenhäusern häufiges Händewaschen und Abstand halten – und „lächeln statt Händeschütteln“. (Lesen Sie auch: DIY-Tipp mit Augenzwinkern: So können Sie ihre alten Masken ganz einfach recyclen)

Wo müssen Masken noch getragen werden?

  • Seit 3. April entfällt die allgemeine Maskenpflicht in Bayern.
  • Ausgenommen sind öffentliche Verkehrsmittel, Arztpraxen, Krankenhäuser, Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Rettungsdienste, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder auch Flüchtlingsunterkünfte. Kinder müssen bis zu ihrem sechsten Geburtstag nirgendwo eine Maske tragen. Befreit sind auch Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können.
  • Für Innenräume empfiehlt die Staatsregierung weiter das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Händler und Firmen können von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und etwa an einer Maskenpflicht in Innenräumen festhalten. Apotheken bitten ihre Kunden, bei ihnen weiterhin freiwillig Masken zu tragen – weil dort viele Menschen gesundheitlich angeschlagen oder krank seien.
  • 250 Euro kostet es, im Öffentlichen Nahverkehr keine Maske zu tragen.

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