Umweltbewusstsein

33-jährige Weißensbergerin eröffnet nachhaltigen Spielzeugladen

Hannah Paffen hat sich mit ihrem Internetshop „Tiny Hazel“ auf nachhaltig hergestellte Spielwaren spezialisiert.

Hannah Paffen hat sich mit ihrem Internetshop „Tiny Hazel“ auf nachhaltig hergestellte Spielwaren spezialisiert.

Bild: Ruth Eberhardt

Hannah Paffen hat sich mit ihrem Internetshop „Tiny Hazel“ auf nachhaltig hergestellte Spielwaren spezialisiert.

Bild: Ruth Eberhardt

Hannah Paffen verkauft im Internet nachhaltig erzeugte Spielsachen. Doch in der Branche gibt es noch keine einheitlichen Zertifizierungen. Das möchte die junge Geschäftsfrau ändern.
Hannah Paffen hat sich mit ihrem Internetshop „Tiny Hazel“ auf nachhaltig hergestellte Spielwaren spezialisiert.
Von Ruth Eberhardt
09.01.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Ein Besuch in einem Spielwarengeschäft in der schwedischen Hauptstadt Stockholm hat das Leben von Hannah Paffen in eine neue Richtung gelenkt. Dieser kleine Laden faszinierte sie sehr, weckte Kindheitserinnerungen und zündete eine Idee: Sie wollte selbst Händlerin für sozial- und umweltverträgliches Spielzeug werden. Und tatsächlich: Sie hat ihre Idee in die Tat umgesetzt – allerdings ein bisschen anders als zunächst gedacht.

Paffen hat Modedesign und Unternehmensentwicklung und -beratung studiert, als Produktmanagerin gearbeitet und sich, wie sie sagt, schon während des Studiums für das Thema Nachhaltigkeit interessiert. Vor etwa einem Jahr hängte sie ihren Job an den Nagel und zog los, um Europas Norden zu erkunden. Ein halbes Jahr lang reiste die 33-Jährige durch Skandinavien. Auf dem Rückweg stieß sie eher zufällig auf besagten Spielzeugladen.

Konzept auf einer Weltreise ausgedacht

Die Idee, selbst in diesem Bereich tätig zu werden, ließ sie fortan nicht mehr los. Noch während der Weiterreise überlegte sie sich ein Konzept. Als sie zu Hause war, besuchte sie Spielwarenmessen, schrieb Businesspläne und begab sich auf die Suche nach geeigneten Geschäftsräumen. Denn das Konzept für ihr Start-Up-Unternehmen ruhte zunächst auf zwei Säulen: Paffen wollte einen Laden für nachhaltig erzeugtes Spielzeug eröffnen und dort auch Spiel- und Bastelworkshops anbieten. Dieses Geschäft wollte sie mit einem Online-Shop verknüpfen. „Doch dann kam Corona und der erste Lockdown“, erzählt sie. „Mir wurde klar: Das kann ich vergessen, ausgerechnet jetzt ein Geschäft zu eröffnen.“ Doch der Gedanke, dass Kinder schon beim Spielen ein umweltschonendes Bewusstsein entwickeln können, blieb bestehen.

Schließlich verabschiedete Paffen sich vom Gedanken an ein Ladengeschäft und konzentrierte sich auf den Vertrieb via Internet. Im Oktober eröffnete sie ihren Onlineshop „Tiny Hazel“ (zu deutsch: kleine Haselnuss). „Es läuft gut an. Ich bekomme viel positives Feedback. Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ Die junge Unternehmerin ist überzeugt, dass der Bereich „nachhaltiges Spielzeug und Kinderbedarf“ viel Potenzial hat.

Doch was bedeutet hier der Begriff Nachhaltigkeit? Paffen sieht ihn unter drei Aspekten. Erstens soll das Spielzeug unter sozial-verträglichen Bedingungen hergestellt werden und dabei bestimmte Arbeitsstandards eingehalten werden. Zweitens sollen die Spielsachen umweltschonend produziert werden. Und drittens sollen sie auch ökonomisch sinnvoll sein, also ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Kriterien für Nachhaltigkeit festgelegt

Das Problem: „Anders als in der Lebensmittel- und Textilbereich gibt es in der Spielwarenbranche noch keine einheitliche Zertifizierung“, sagt Paffen. Folglich legte sie selbst Kriterien zurecht, nach denen sie ihr Sortiment zusammenstellt: „Ich achte darauf, dass die Sachen in Europa hergestellt werden, damit die Transportwege kurz bleiben und weniger CO2 ausgestoßen wird. Wichtig sind mir recycelte Materialien, FSC-zertifiziertes Holz, Schadstofffreiheit, Naturöle und Langlebigkeit.“ Mit Blick auf soziale Aspekte hat sie auch Spielsachen im Sortiment, die aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung stammen.

Ob ihre Kriterien letztlich eingehalten werden, könne sie selbst nicht kontrollieren. „Man kann sich Urkunden und Zertifikate zeigen lassen, aber in vielen Bereichen muss man sich auf die Angaben der Hersteller verlassen.“ Paffen will ihren Teil beitragen, um einheitliche Standards zu erwirken. Sie ist Gründungsmitglied der Fair Toys Organisation (FTO), die im Juli gegründet wurde. „Seit 2018 arbeitet die FTO daran, eine neue Kontrollinstanz für die Branche für nachhaltiges Spielzeug zu schaffen“, sagt Paffen. Sie ist überzeugt, dass das Bewusstsein dafür weiterwachsen wird.