Westallgäu/Lindau

Bodensee: Fischer fordern Jagd auf Kormoran und Haubentaucher

Die Erträge der Berufsfischer am bayerischen Bodensee gehen inzwischen wieder nach oben.

Die Erträge der Berufsfischer am bayerischen Bodensee gehen inzwischen wieder nach oben.

Bild: Matthias Becker

Die Erträge der Berufsfischer am bayerischen Bodensee gehen inzwischen wieder nach oben.

Bild: Matthias Becker

Die Felchenerträge sind am bayerischen Bodensee erstmals seit langer Zeit wieder angestiegen. Wieso die Berufsfischer befürchten, dass das nicht von Dauer sein wird.
16.08.2020 | Stand: 20:04 Uhr

Vor zehn Jahren konnten die bayerischen Bodenseeberufsfischer noch rund 70 Tonnen Felchen fangen, dann sind die Erträge Jahr für Jahr gesunken um über 60 Tonnen bis zum Rekordtief im Jahr 2019. Da gingen nur noch 7,5 Tonnen Felchen in die Netze der Berufsfischer. Der Trend hat sich laut der Genossenschaft bayerischer Berufsfischer auch zu Beginn des Jahres 2020 fortgesetzt. Allerdings gehen die Fänge mittlerweile wieder nach oben. Von Dauer ist das nach Ansicht der Fischer aber vermutlich nicht. Ihnen sind zunehmend „Fischräuber“ in der Natur ein Dorn im Auge.

Genossenschaft blickt etwas optimistischer in die Zukunft

Im Augenblick können die Berufsfischer für die Verhältnisse am Bodensee erfreuliche Mengen an Felchen fangen. Es tue gut, wieder etwas optimistischer in die Zukunft sehen zu können, betont die Genossenschaft. Im Freiwasser haben sich erfreuliche Mengen von sogenanntem Zooplankton (tierisches Plankton wie Daphnien oder Hüpferlinge) gebildet. Die Bodenseefelchen haben nun erstmals seit dem Jahr 2016 wieder über einen längeren Zeitraum ausreichend Nahrung und konnten bisher nach Schätzung der Genossenschaft 60 bis 100 Gramm an Körpergewicht zulegen.

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Wie lange der positive Effekt anhält, ist noch nicht vorhersehbar. Die Fischer befürchten, dass er nur von kurzer Dauer ist. Dafür nennen sie mehrere Gründe. Zum einen muss die Maschenweite ab 1. August wieder von 38 Millimeter auf 40 Millimeter umgestellt werden. Zum anderen drohe mit einer weiterer Erwärmung des Sees eine Kieselalgenblüte.

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Durch Kalkausfällung werde die Bildung des wichtigen tierischen Planktons verhindert. „Die Natur zeigt aktuell einmal wieder, wie schnell der See auf freiverfügbare Nährstoffe im Wasser reagiert und die gesamten Wachstumsprozesse in Gang gesetzt werden können“, erläutert Roland Stohr, Vorsitzender der Genossenschaft. Die fordert seit Langem die zugelassene Menge an Phosphat im See heraufzusetzen.

Die Bodenseefischer kämpfen mit dem Kormoran

Sorge bereitet den Fischern der Kormoran. „Seit einigen Jahren kämpfen wir mit einer stark zunehmenden Zahl“, sagt Stohr. Er rechnet mit 3000 Tieren am Bodensee, die überwiegend in den baden-württembergischen Kolonien beheimatet sind. Ähnlich dem Trend im Jahr 2019 fliegen derzeit jeden Morgen 500 bis 800 Kormorane zur Jagd auf die bayerische Halde.

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Der Kormoran war ursprünglich nicht am Bodensee beheimatet, sondern ein Zugvogel, der sich dann im Laufe der Jahre hier niedergelassen hat. Laut Genossenschaft frisst jeder Kormoran täglich mindestens 400 Gramm Fisch. Hochgerechnet seien das deutlich mehr als 300 Tonnen im Jahr. Damit fressen die Kormorane mehr Fisch als alle Berufsfischer zusammen im Jahr 2019 fangen konnten. Deren Ertrag lag bei 208 Tonnen. Wie Stohr ausführt, wachsen die Kormoranbestände von Jahr zu Jahr. Es stelle sich daher die Frage, wie viele Kormorane der See vertrage – 300, 3000 oder 30 000? Es gelte abzuwarten, wann die baden-württembergische Landesregierung den Bedarf sehe, etwas gegen die Riesenmengen an „schwarzen Fischräubern“ zu unternehmen, so Stohr weiter.

Die Fischern fordern ein Gesamtkonzept für den Bodensee

Die Genossenschaft fordert einen Gesamtmanagementplan, um die „Kormoranbestände regulieren zu können“. Dies sollte parallel auch für die stark angewachsene Zahl an Haubentauchern in Betracht gezogen werden. Haubentaucher sind wie Kormorane Fischfresser und verzehren etwa 200 Gramm Fisch am Tag. Sie tauchen bis zu 40 Meter Wassertiefe und gehen laut Genossenschaft wie die Kormorane an Fischernetze, um Beute bekommen zu können. Stohr: „Nur mit einer vernünftigen Regulierung der Fischräuber, die nur den Menschen als natürlichen Feind haben, können sich die dezimierten Fischbestände im Bodensee wieder erholen und dann als regionales Nahrungsmittel der Bevölkerung zur Verfügung stehen.“