Erst nass und kalt, jetzt trocken und warm

Borkenkäfer: Die Gefahr im Forst wächst rasant

Buchdrucker

Der Hauptschwärmflug der Borkenkäfer in der Region hat nun mit besonderer Wucht begonnen.

Bild: Christine Achhammer

Der Hauptschwärmflug der Borkenkäfer in der Region hat nun mit besonderer Wucht begonnen.

Bild: Christine Achhammer

Kaum steigen die Temperaturen, ist der Borkenkäfer da. Der Hauptschwärmflug hat mit besonderer Wucht begonnen. Was Waldbesitzer im Westallgäu jetzt tun sollten.
21.06.2021 | Stand: 06:04 Uhr

Das kühl-feuchte Wetter im April und Mai hat die Fichtenborkenkäfer ausgebremst. Nun aber dreht sich die Situation, die Käfer schwärmen massiv aus. Das teilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit. Es sieht die Waldbesitzer aktuell gefordert, „ihre Wälder regelmäßig zu kontrollieren und befallene Bäume rasch aufzuarbeiten“.

Förster Christian Müller erlebt den sprunghaften Anstieg hautnah

Christian Müller vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kempten leert die Borkenkäferfallen im Forstrevier Lindau Woche um Woche. Er erlebt den sprunghaften Anstieg seit Anfang Juni hautnah. Die Fallen werden zu Monitoring-Zwecken betrieben und belegen, dass der Hauptschwärmflug der Borkenkäfer in der Region nun mit besonderer Wucht begonnen hat. Die „Gefährdungsschwelle“ von 3.000 Buchdruckern pro Falle und Woche, ab der auch vermehrt gesunde Fichten geschädigt werden, wird deutlich überschritten.

Experten rechnen damit, dass im Ober- und Westallgäu auch bisher gesunde Fichten befallen werden

„Durch den starken Befall in den Vorjahren haben viele Käfer im Boden und unter der Rinde der Bäume überwintert, sodass wir mit einem hohen Ausgangsbestand in das Frühjahr gestartet sind“, berichtet Förster Müller. Die feuchte und kühle Witterung habe die Borkenkäfer in ihrer Entwicklung zwar erst deutlich gehemmt. Wie der Bereichsleiter Forsten Simon Östreicher ergänzt, holen die Schädlinge das „jetzt mit den hohen Temperaturen der vergangenen Tage nach und fliegen zeitlich komprimiert aus“. Die Fachleute rechnen deswegen damit, dass im Ober- und Westallgäu in den nächsten Tagen und Wochen auch bisher gesunde Fichten befallen werden.

Förster Christian Müller leert eine Borkenkäferfalle und misst die Käferzahl.
Förster Christian Müller leert eine Borkenkäferfalle und misst die Käferzahl.
Bild: Isenhoff

Was können Waldbesitzer tun, um einer katastrophalen Vermehrung vorzubeugen? „Zu Beginn der Borkenkäfersaison ist eine Aufarbeitung der befallenen Bäume am wirkungsvollsten“, erklärt Christian Müller. Heißt also: Regelmäßig die Wälder kontrollieren und bei Befall rasch handeln.

Schadholz muss zügig aus dem Wald transportiert werden

Frischer Borkenkäferbefall ist gut am rötlich-braunen, kaffeepulver-ähnlichen Bohrmehl auf den Rindenschuppen oder den Pflanzen am Boden zu erkennen. Das eingeschlagene Schadholz muss dann zügig vor dem Ausfliegen der Käfer aus dem Wald abgefahren oder in einem Abstand von mindestens 500 Metern zum nächsten Fichtenbestand gelagert werden.

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Die Revierleiter des AELF Kempten beraten die Waldbesitzer zum richtigen Vorgehen und über finanzielle Fördermöglichkeiten. Unterstützung bei der Aufarbeitung und Vermarktung der befallenen Fichten bieten die Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen sowie sonstige forstliche Dienstleister an.

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