Überschwemmungen im Westallgäu

Dauerregen im Westallgäu: Dutzende Keller laufen voll, mehrere Straßen überflutet

Feuerwehr

Einsatzkräfte der Feuerwehr Weiler pumpen Wasser neben aufgestapelten Sandsäcken. In der Gemeinde hat vor allem die Rothach Probleme bereitet.

Bild: Benjamin Schwärzler

Einsatzkräfte der Feuerwehr Weiler pumpen Wasser neben aufgestapelten Sandsäcken. In der Gemeinde hat vor allem die Rothach Probleme bereitet.

Bild: Benjamin Schwärzler

Dauerregen hat für über 60 Feuerwehr-Einsätze im Westallgäu gesorgt. Maria-Thann traf es besonders heftig. Bürgerinnen und Bürger halfen den Einsatzkräften.
31.08.2021 | Stand: 17:54 Uhr

Wie bei einem reißenden Fluss bahnt sich das Wasser mit hoher Geschwindigkeit seinen Weg über den Dorfplatz von Maria-Thann. Die Menschen stehen hilflos am Rand der dunklen Brühe. Ein Video vom Montagabend zeigt, wie heftig der Dauerregen das Westallgäu getroffen hat – und vor allem Maria-Thann. Dort war die Feuerwehr ganze 25 Mal im Einsatz. Zudem rückten die Wehren aus Opfenbach und Hergensweiler mit aus, da die Einsatzkräfte aus Maria-Thann nicht alle Notrufe allein abarbeiten konnten. In Heimenkirch war die Feuerwehr mit 17 Einsätzen beschäftigt.

Insgesamt sorgten die Niederschläge zwischen Montagabend und Dienstagmorgen für über 60 Einsätze im Landkreis Lindau.

„Es hat anfangs etwas gedauert, die Lage unter Kontrolle zu bringen“, sagt Kreisbrandinspektor Paul Sporrädle. Nachdem die Einsätze koordiniert und verteilt waren, habe sich die Lage jedoch schnell entspannt. Das Wasser staute sich im Westallgäu laut Sporrädle vor allem deshalb so stark, da es in den vergangenen Wochen und Monaten ohnehin viel geregnet hatte. Die Wiesen konnten beispielsweise nichts mehr aufnehmen.

Der Überblick der Einsätze wegen Dauerregen im Westallgäu

  • Maria-Thann Der Dorfplatz stand unter Wasser, zahlreiche Keller liefen voll. In Schwarzenberg überflutete ein Bach die Kreisstraße. „Das ist natürlich nicht normal gewesen“, sagt Kommandant Fabian Schief. Besonders problematisch: Alle 25 Alarmierungen kamen nahezu gleichzeitig. „Das waren für uns viel zu viele Einsatzstellen auf einmal“, sagt Schief. Er schätzt, dass sich 60 bis 70 Feuerwehrler im Einsatz befanden.

    Bürgerinnen und Bürger organisierten zudem gegenseitige Hilfe. Anfangs probierten die Einsatzkräfte noch, das Wasser mit Sandsäcken umzuleiten. „Wenn die Keller aber volllaufen, hilft nur noch, sie der Reihe nach auszupumpen“, sagt Schief.

    Notdürftig richteten die Helferinnen und Helfer außerdem eine Einsatzmeldestelle im eigenen Feuerwehrhaus ein, an die sich die Menschen direkt wenden konnten. Denn unter der 112 war es zeitweise nicht mehr möglich, Notrufe anzunehmen. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, halfen die Wehren aus Hergensweiler und Opfenbach
  • Opfenbach Wenig später war die Gemeinde selbst vom Dauerregen betroffen. In Wigratzbad und Bleichen trat die Leiblach über die Ufer und in die Keller. Über einen Hang floss zudem Wasser in eine Garage. Die Feuerwehr war deshalb auch in der eigenen Gemeinde damit beschäftigt, Sandsäcke zu stapeln.
  • Wohmbrechts Die Feuerwehr hatte zehn Einsätze am Montagabend. Auch dort liefen Keller voll, zudem wurden Straßen überflutet. Wie die Einsatzleitung berichtet, halfen auch hier Feuerwehrler aus Opfenbach und Hergensweiler.
  • Heimenkirch 30 Feuerwehrleute sind am Montagabend 17 Mal ausgerückt. Der starke Regen sorgte für vollgelaufene Keller unter anderem in Riedhirsch, Meckatz und in der Sürgenstraße. An der Sonnenhalde und in Mapprechts wurden Straßen überflutet. In einer Tiefgarage an der Rehbergstraße sammelte sich Wasser.

    Innerhalb von sieben Stunden Einsatzzeit stapelten die Einsatzkräfte zusammen mit dem Bauhof 1500 Sandsäcke, pumpten Wasser aus und erkundeten, ob Bäche drohten, überz
Überschwemmungen in Heimenkirch.
Überschwemmungen in Heimenkirch.
Bild: Feuerwehr Heimenkirch
  • Lindenberg Die starken Regenfälle sorgten auch im Mittelzentrum vereinzelt für volle Keller und überschwemmte Straßen. Laut Kommandant Marcus Schneider rückten rund 25 Einsatzkräfte am Montagabend knapp zehn Mal aus. Die Lage hätten sie zu jeder Zeit gut unter Kontrolle gehabt.
  • Weiler-Simmerberg Eine Hausbesitzerin aus Weiler traf es besonders hart: Die Rothach trat zum wiederholten Mal über das Ufer – und flutete zum dritten Mal in diesem Sommer ihren Keller. Die Feuerwehr rückte mit Sandsäcken und technischem Gerät an. Generell bereitete die Rothach an mehreren Stellen in Weiler Probleme. Keller liefen voll, Brücken wurden überflutet. „Der Pegel der Rothach ist zwar schnell gestiegen, fiel aber genauso schnell wieder“, sagt Feuerwehrkommandant Manuel Rädler.

    Die Lage sei deshalb unter Kontrolle geblieben. Sieben Mal rückten die Einsatzkräfte aus. An einem Hang errichteten sie einen kleinen Damm. Die Wasserwacht musste wegen des Regens ihre eigene Garage wegen drohender Überflutung absichern. Die Simmerberger Feuerwehr rückte im Verlauf des Abends zweimal wegen überfluteter Keller aus.

Betroffen von den Überschwemmungen waren mehrere Grundstücke in Heimenkirch.
Betroffen von den Überschwemmungen waren mehrere Grundstücke in Heimenkirch.
Bild: Feuerwehr Heimenkirch
  • Stiefenhofen Der Dauerregen sorgte in Burkatshofen und Balzhofen jeweils auf einer Länge von etwa 80 Metern für überschwemmte Straßen. Wie Kommandant Bruno Keppler erklärt, hatte sich das Wasser in umliegenden Feldern angestaut und war schließlich auf die Fahrbahnen übergetreten.

    Die 25 Feuerwehrler räumten an den betroffenen Stellen Geröll mit Schaufeln von der Straße und leiteten das Wasser mit Sandsäcken über die Wiesen um.

Die Pegelstände im Landkreis Lindau:

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Für die Pegelstände im Landkreis Lindau gibt das Wasserwirtschaftsamt Kempten Entwarnung. Die Hochwasserrückhaltebecken in Oberreitnau, Röthenbach und Scheidegg seien zwar in Staubetrieb – die Lage sei jedoch nicht besorgniserregend, solange der Regen wie vorhergesagt am Mittwoch aufhört.

Ansonsten müsse man die Lage neu bewerten. Die Pegel im Bodensee befinden sich derweil über dem Mittelwert, aber noch rund 40 Zentimeter unter den Höchstwerten.

Eine Übersicht zur Lage beim Thema Dauerregen im Allgäu finden Sie hier.