Pflege in der Pademie

Die Haar-Strategien geselliger Westallgäuer im Lockdown

Claudia Rudolph

Claudia Rudolph

Bild: Daniel Boscariol (Archiv)

Claudia Rudolph

Bild: Daniel Boscariol (Archiv)

Corona erfordert Kreativität beim Frisur-Styling. Geschlossene Friseur-Salons lassen die Menschen in der Region aber nicht verzweifeln – im Gegenteil.
26.01.2021 | Stand: 12:04 Uhr

Es tut sich etwas auf den Köpfen, jeden Monat. Um etwa einen Zentimeter wächst das Haar in diesem Zeitraum. Der Corona-Lockdown zwingt die Menschen seit Dezember, dem entweder tatenlos zuzusehen oder selbst zur Schere zu greifen. Denn die Friseur-Salons sind geschlossen – mindestens bis 14. Februar. Die Heimatzeitung hat bei Westallgäuern, die in der Öffentlichkeit stehen, nachgefragt, ob sie nun selbst schneiden, wachsen lassen, verzweifeln – oder schon über die eigene Frisur lachen.

Die Deutsche Hutkönigin, Vanessa Höss, lässt sich nach eigenen Angaben ein-, höchstens zweimal im Jahr die Haare schneiden – und selbst dann kommen nur die Spitzen weg. Sie vermutet, dass eher Menschen mit gewohntem Kurzhaarschnitt mit ihren Frisuren zu kämpfen haben. „Meinem Freund habe ich die Haare schon selbst geschnitten“, sagt Höss. Macht sich Unzufriedenheit über die eigene Frisur breit, rät sie, „einfach öfter mit Hut aus dem Haus zu gehen“.

CSU-Ortsvorsitzende in Lindenberg sehnt Friseur-Besuch herbei

„Extrem ab“ geht der Friseur dagegen Hannelore Windhaber. Wer einen guten Friseur habe, der könne seine Haare zwar mal ein paar Zentimeter länger lassen, sagt die Lindenberger CSU-Ortsvorsitzende und Kulturreferentin. Gefühlt sei der Zeitpunkt bei ihr aber überschritten. „Ich habe die Haare seit 30 Jahren nicht mehr so lang getragen“, sagt die Bankerin, die auch im Beruf viel Kontakt mit Kunden hat. Sie hofft deshalb, dass die Friseure bald als „systemrelevant angesehen werden“. Eines schließt sie in jedem Fall aus: Selber Hand an die Haare zu legen. „Das“, sagt sie lachend, „möchte ich weder mir noch meinen Kunden zumuten.“

Tobias Paintner, der Weilerer Bürgermeister, ist – noch – gelassen bei dem Thema. „Die Matte wächst“, sagt er. In erster Linie sei er froh, überhaupt noch Haare auf dem Kopf zu haben. Etwa alle zwei Monate lässt Paintner sie schneiden. „Ich reize das aber oft aus“, gibt der Bürgermeister zu. Nun, da es jetzt fast jedem gleich gehe mit der eigenen Frisur, sei es aber zu verkraften, wenn die Haare vielleicht etwas wilder aussehen. „Groß länger sollten die Haare bei mir aber nicht mehr werden“, scherzt Paintner.

Friseur Miller hat keine guten Erfahrungen im Früjahr-Lockdown 2020 gemacht

Christian Miller hat eine wichtige Erkenntnis aus dem Frühjahr 2020 gezogen. Der Lindenberger Friseurmeister ist überzeugt: „Mit dem Selbstschneiden haben wir nach dem ersten Lockdown eher schlechte Erfahrungen gemacht.“ Nach Wiedereröffnung sei der ein oder andere „Reparaturschnitt“ nötig gewesen. Generell rät Miller deshalb davon ab, an der eigenen Frisur herumzuschneiden. Nicht umsonst dauere die Ausbildung zum Friseur drei Jahre. Der Lindenberger hat Tipps parat, wie jeder seine Haare im Lockdown unter Kontrolle behalten kann. Die Faustregel: Langhaar-Frisuren sorgen für weniger Probleme. „Die kann man zum Beispiel hinten zubinden“, sagt Miller. Für kürzere Haare empfiehlt er Stylingprodukte wie Gel oder Wachs, „mit denen man viel überbrücken kann“. Zudem bieten einige Friseure im Westallgäu Beratungen per Telefon an. Was man noch tun kann? „Hoffen natürlich, dass wir Friseure bald wieder arbeiten dürfen“, sagt Miller. Die Haare des Friseurs selbst sind derzeit etwas länger, als er es gewohnt ist: „Ich bin da ganz solidarisch.“

„Bei mir läuft das ganz unspektakulär“, sagt Martin Weber, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Heimenkirch. Denn die Rolle der Friseurin übernimmt bei ihm seine Mutter. Besucht der Pfarrer seine Eltern, lässt er sich gerne die Haare schneiden. „Das ist schon ganz gut, wie sie das macht“, lobt Weber. Schon als Kind hat seine Mutter ihm die Frisur frisch gemacht. Die Vorteile seien groß: Weber muss keinen Termin vereinbaren und keine Minute warten, bis er an der Reihe ist. Die Eltern-Besuche fallen auch im Lockdown nicht aus. „Ich bin derzeit also ganz zufrieden mit meinen Haaren“, sagt der Pfarrer.

Beim Lindenberger Hutmuseum sind Haar-Probleme kein Thema

Larissa Düchting von der Museumspädagogik des Lindenberger Hutmuseums hat selbst kaum mit ihrer Frisur im Lockdown zu kämpfen. Einzig „bei den Strähnen wächst die Farbe etwas raus – oben sind sie blond, unten dunkel“, bemängelt sie. Frisurprobleme in Pandemie-Zeiten sind lediglich bei ihrem Partner ein Thema, dem sie bereits die Haare schneiden musste. Das Ergebnis ihres Friseureinsatzes fasst sie so zusammen: „Zum Glück ist mein Partner nicht so eitel.“

Die Anwältin und Vorsitzende der Caritas-Sozialstation Westallgäu, Claudia Rudolph, geht bei ihrer Frisur eigentlich keine Kompromisse ein. „Wenn mich die Haare nerven, schneide ich schnell einmal selbst etwas ab“, sagt sie. Selbst zur Schere hat sie seit dem Lockdown aber noch nicht gegriffen. Sie profitiert jetzt von ihrem letzten Friseur-Besuch, der einen „sehr kurzen Haarschnitt“ hervorbrachte, wie sie sagt. „Bis Februar komme ich gut durch.“ Und sonst trage sie ihre Haare eben mit Humor. „Farbe und Form wechseln bei mir nach Belieben“, sagt Rudolph.