Interview

Eine Vertraute für Katzen - Wie sich Katzenhalter im Westallgäu gegenseitig helfen

Tanja Straub ist Katzensitterin im Westallgäu. Sie hat selbst Katzen und hilft, wenn andere Katzenhalter beispielsweise im Urlaub sind.

Tanja Straub ist Katzensitterin im Westallgäu. Sie hat selbst Katzen und hilft, wenn andere Katzenhalter beispielsweise im Urlaub sind.

Bild: Gerhard Heng/Tayfun Salci, dpa

Tanja Straub ist Katzensitterin im Westallgäu. Sie hat selbst Katzen und hilft, wenn andere Katzenhalter beispielsweise im Urlaub sind.

Bild: Gerhard Heng/Tayfun Salci, dpa

Wenn die Besitzer im Urlaub sind, passen Katzensitterinnen im Westallgäu auf die Tiere auf. Dazu gehört mehr als nur füttern - und vor allem viel Vertrauen.
27.09.2021 | Stand: 11:45 Uhr

Mit der Katze nach Mallorca fliegen? Oder sie im Wohnmobil verstaut in den Campingurlaub nach Italien nehmen? Wenn Herrchen und Frauchen Ferien machen, stellt sich oft die Frage, wer sich in dieser Zeit um die Haustiere kümmert. Weil nicht immer Familie und Freunde einspringen können, gibt es im Westallgäu eine Ortsgruppe des Vereins „Freundeskreis Katze und Menschen“. Hier übernehmen Katzensitterwie Gruppenleiterin Tanja Straub aus Lindenberg, 45 Jahre alt, die Betreuung der Vierbeiner.

Frau Straub, was macht Sie zur Expertin für Katzenbetreuung?

Tanja Straub: Expertin ist etwas hochgegriffen. Tatsächlich habe ich in den fünf Jahren, in denen ich zum Verein gehöre, erst zweimal fremde Katzen betreut. Das liegt aber eher daran, dass auf dem Land meistens noch Familie oder Freunde als Katzensitter zum Einsatz kommen. Die haben aber oft selbst keine Katzen oder wenig Zeit für die Tiere. Da kommen wir ins Spiel. Denn genau aus dem Grund gibt es unseren Verein: damit die Besitzer entspannt Urlaub machen können und wissen, dass ihre Tiere von Menschen, die selbst Katzen haben, versorgt werden.

Katzenhalter helfen sich untereinander: "Menschen, die gerne auf meine Katzen aufpassen"

Wie viele Katzen haben Sie?

Straub: Drei. Sie heißen Pepper, Lucky und Muffin. Sie waren auch der Grund, warum ich überhaupt in den Verein eingetreten bin. Ich habe einen Bericht in der Zeitung gelesen und dachte, dass das doch eine geschickte Lösung für uns wäre. Zwar hat zu der Zeit meistens der Neffe meines Lebensgefährten auf die Katzen aufgepasst, aber es kann ja immer auch passieren, dass das mal nicht klappt. Dann ist es gut zu wissen, dass es noch andere Menschen gibt, die gerne auf meine Katzen aufpassen und denen ich vertraue. Man kommt so nicht in Not und muss niemanden belästigen.

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Wie gut kennen Sie die anderen Katzensitter denn?

Straub: Wir haben einen monatlichen Stammtisch, damit wir uns besser kennenlernen. Dort tauschen wir uns auch über Themen wie Futter, Pflege oder Krankheiten aus. Oft ist es aber so, dass die Katzenbesitzer erst über uns stolpern, wenn sie merken: Hoppla, was mache ich eigentlich mit meinen Katzen, wenn ich im Urlaub bin. Ich habe zum Beispiel ganz kurzfristig auf die Katzen von Neumitgliedern aufgepasst. Aber ein Treffen vorher muss schon sein. Jede Katze hat schließlich ihren ganz eigenen Charakter und bestimmte Futtervorlieben.

Auch Blumengießen und Müllrausbringen kann der Katzensitter im Urlaub übernehmen

Ist das nicht komisch, für die Katzen von fremden Menschen zu sorgen?

Straub: Schon ein bisschen. Man hat sich erst ein- oder zweimal getroffen, und schon bekommt man den Schlüssel überreicht. Neben den Katzen hat man dann ja auch Verantwortung für Haus und Hof.

Tanja Straub leitet die Ortsgruppe Freundeskreis Katze und Mensch im Landkreis Lindau.
Tanja Straub leitet die Ortsgruppe Freundeskreis Katze und Mensch im Landkreis Lindau.
Bild: Gerhard Heng

Was gehört da alles an Aufgaben dazu?

Straub: Neben der Versorgung der Katzen bringen wir auch mal die Mülltonne raus, gießen die Pflanzen oder schauen nach der Post, wenn das so abgesprochen ist. Viele Katzensitter sind auch ein eingespieltes Team. Wir haben zum Beispiel drei Mitglieder in Scheidegg, die regelmäßig gegenseitig auf ihre Katzen aufpassen. Das würden wir uns auch für andere Orte wünschen, aber dafür brauchen wir noch mehr Mitglieder aus verschiedenen Bereichen des Westallgäus. Aktuell sind wir von Weißensberg bis Lindenberg eher einzeln verteilt.

Wie viel Arbeit ist es denn, Katzensitter zu sein?

Straub: Wir schauen morgens und abends nach dem Rechten. Das heißt, wir füttern die Katzen, machen Schüsselchen und Katzenklo sauber und beseitigen sonstige Malheure. Sollte eine Katze krank werden, fahren wir mit ihr natürlich auch zum Tierarzt. Bei meinem ersten Einsatz habe ich noch Zeit eingeplant, um mit den Katzen etwas zu schmusen. Doch die meisten bleiben eher zurückhaltend. Auch wenn man den Tieren nachsagt, sie seien ganz unabhängig, merken sie doch, dass ihre Menschen nicht da sind. Vor allem bei Freigänger-Katzen bin ich schon froh, wenn ich sie zweimal am Tag sehe und weiß, dass es ihnen gut geht. Seit der Gründung des Vereins vor fünf Jahren haben aber noch alle Katzen ihren Urlaub zu Hause wohlbehütet überstanden.

So kann man Katzensitter im Westallgäu werden

  • Verein: 1995 wurde der Verein „Freundeskreis Katze und Mensch“ gegründet. Aktuell sind 8400 Mitglieder in ganz Deutschland aktiv. Die Ortsgruppe Lindenberg/Westallgäu hat sieben Mitglieder.
  • Punktesystem: Mit dem Eintritt bekommt jedes Mitglied zehn Punkte. Für jeden Tag als Katzensitter bekommt man einen Punkt gutgeschrieben. Nimmt man den Dienst in Anspruch, wird ein Punkt abgezogen.
  • Aktivitäten: Ein Großteil der Mitgliedsbeiträge fließt in den Kauf von Futter für bedürftige Katzen, auch sonst setzt sich der Verein für Tierwohl ein.
  • Kontakt: Tanja Straub ist per E-Mail an lindenberg@katzenfreunde.de oder per Telefon unter 0172/7063538 erreichbar.

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