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Nach Absage der Großveranstaltung:  Der familiäre Viehscheid von Maierhöfen

Der Viehscheid in Maierhöfen ist 2022 ohne Zuschauer über die Bühne gegangen. Fotos sehen Sie bei uns trotzdem.

Der Viehscheid in Maierhöfen ist 2022 ohne Zuschauer über die Bühne gegangen. Fotos sehen Sie bei uns trotzdem.

Bild: Ingrid Grohe

Der Viehscheid in Maierhöfen ist 2022 ohne Zuschauer über die Bühne gegangen. Fotos sehen Sie bei uns trotzdem.

Bild: Ingrid Grohe

Der Viehscheid in Maierhöfen geht 2022 ohne Publikum über die Bühne. Trotzdem genießen die Älpler das Ereignis. Sie sind stolz auf das Geleistete.
20.09.2022 | Stand: 19:57 Uhr

Das Leitrind ist schön herausgeputzt. Es trägt eine tief tönende Schelle um den Hals und zwischen den Hörnern einen prächtiger Kranz aus Blumen, Kräutern und einem glänzenden Spiegel in der Mitte.

Geführt von Verena Fink im schmucken Dirndl marschiert das Tier gelassen talwärts, begleitet von einem weiteren Rind und den beiden Hirtenbuben Hannes und Korbinian Schneider. Die fünf bilden die Vorhut beim Maierhöfener Viehscheid, der in diesem Jahr so ganz anders vonstatten geht als früher. Auch in der kleinen Version ist er ein herrlicher Anblick.

Viehscheid in Maierhöfen 2022 ohne Zuschauer

Die anderen 190 Rinder, Schumpen und Kälber, für die heute der Sommer am Hochgrat endet, warten derweil bei der Unterlauchalpe. Das bekränzte Rind und seine Begleitung kriegen viel Vorsprung, um ihre prominente Position behalten und auskosten zu können. Als dann die ganze Herde startet, drängt sie ungeduldig ins Tal.

Bilderstrecke

Fotos vom Viehscheid in Maierhöfen 2022: Beschauliches Fest an der Hochgrat-Talstation

Die Treiber in Lederhosen und weißen Hemden haben alle Hände voll zu tun, die Tiere abzubremsen und auf dem mit Bändern abgezäunten Weg zu halten. Am Ende der Herde geht Renate Fink, deren 36. Alpsommer eben zu Ende geht. Sie hat ihre zweieinhalbjährige Enkelin Emma an der Hand und ruft strahlend einem der wenigen Zuseher am Wegrand zu: „Das ist doch schön, oder?“

(Lesen Sie auch: Zahlen und Fakten zu den Viehscheiden im Allgäu)

Weidengenossenschaft wollte Viehscheid nicht mehr als Großereignis durchführen

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Alpabtrieb

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Aus anderen Jahren ist die Weidegenossenschaft Maierhöfen mehr Publikum gewohnt. Vor allem bei der Ankunft im Dorf warteten früher Tausende. Der fast 30 Kilometer lange Marsch von Steibis nach Maierhöfen findet heuer ebenso wenig statt wie das traditionelle Viehscheidfest mit Zelt und Party.

Im Mai hat die Weidegenossenschaft beschlossen, keinen Viehscheid mehr in dieser Form durchzuführen. Für die Bauernfamilien war es immer schwieriger geworden, genügend Leute für ein solches Großereignis aufzubringen, erklärte Alpmeister Herbert Mader. Außerdem dämpften Angriffe von Tierschützern die Motivation der Landwirte.

(Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Die Geschichte einer Entfremdung)

Älpler machten den Termin für den Alpabtrieb vorher nicht publik

Ein Vergnügen hat sich Maierhöfen trotzdem gegönnt. Am zweiten September-Wochenende lud der Viehscheidverein zum Alpsommer- und Heimatfest. Mit Zelt, ohne Herde. Während hier die Resonanz der Gäste groß war, begehen die Bauern und Hirten den eigentlichen Viehscheid an diesem Dienstag in kleinem Rahmen. Das Datum machten sie vorab nicht publik.

(Lesen Sie hier, welche Viehscheid-Termine noch im Allgäu anstehen.)

Keine halbe Stunde dauert es, bis die imposante Herde den Viehscheidplatz nahe der Hochgratbahn-Talstation erreicht. Sie füllt ein großes, eingezäuntes Feld, wo die Tiere zunächst unruhig hin- und herlaufen, sich aneinander drängen, übermütig springen und auch mal raufen.

Jetzt beginnt das eigentliche Ausscheiden, das Teilen der Herde. Hirten und Treiber sortieren die Rinder, Schumpen und Kälber, sie leiten sie trichterförmig auf einen aus Metallgattern aufgestellten Gang zu. Durch diesen gelangt jedes Tier einzeln auf eine aufgeteilte Weide, jedes Abteil ist gekennzeichnet mit dem Namen eines Bauern. Als später die Viehtransporter zum Aufladen kommen, stehen die Gruppen nach Heimatställen sortiert bereit.

Viehscheid in Maierhöfen 2022: Abschied vom Vieh

In aller Ruhe läuft das Ausscheiden ab. Renate Fink beobachtet es zufrieden. „Wir sind glücklich, dass wir das so machen dürfen“, sagt sie. Für die Hirtenfamilie ist es wichtig, gemeinsam mit der Herde von der Alp runterzulaufen, sich vom Vieh zu verabschieden.

„Das gehört einfach dazu“, sagt die 55-jährige Älplerin und Wirtin. „Wir sind ja stolz darauf, dass wir das Vieh so gut über den Sommer gebracht haben“ beschreibt sie ihr Gefühl und das ihres Mannes Herbert, der seit 50 Jahren auf die Alp geht. Sich die Mühe zu machen und einen Kranz fürs Leitrind zu binden, stand für die Finks außer Frage, auch wenn dieses Mal keine Menschenmassen den Anblick bestaunen. "Das haben wir sogar in den letzten zwei Pandemiejahren getan, als das Vieh nur verladen wurde."

Zufriedene Hirtenfamilie und ihre Helferinnen und Helfer: (von links) Hannes Schneider, Herbert Fink, Verena Fink, Korbinian Schneider, Claudia Hutter. Es fehlt Stefanie Hartmann.
Zufriedene Hirtenfamilie und ihre Helferinnen und Helfer: (von links) Hannes Schneider, Herbert Fink, Verena Fink, Korbinian Schneider, Claudia Hutter. Es fehlt Stefanie Hartmann.
Bild: Ingrid Grohe

Am Ende dieses Vormittags gönnen sich die Maierhöfener Bauern, Hirten, Helferinnen und Treiber ihr eigenes kleines Fest. Der Hirt von der Nachbaralp setzt sich dazu und ein Mann von der Bergwacht, der mit den Finks befreundet ist. Die ersten Tiere sind da bereits im Lkw heim nach Maierhöfen unterwegs.

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