EM-Serie

Frankreich: Spontanität und ein Käse, den es nur im Winter gibt

Die Französin Claire Perrot-Minot spielt Handball beim TSZ Lindenberg.

Die Französin Claire Perrot-Minot spielt Handball beim TSZ Lindenberg.

Bild: Privat

Die Französin Claire Perrot-Minot spielt Handball beim TSZ Lindenberg.

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Claire Perrot-Minot lebt seit fünf Jahren im Westallgäu und spielt Handball beim TSZ Lindenberg. Welches Land ist mehr Fußball-begeistert?
17.06.2021 | Stand: 06:27 Uhr

Das hätte ja jetzt nicht unbedingt sein müssen: Weltmeister Frankreich hat Deutschland den EM-Auftakt ordentlich vermiest. Über das knappe 1:0 dürften sich aber zumindest die 171 Franzosen gefreut haben, die laut Landratsamt m Landkreis Lindau leben.

Zumindest diejenigen davon, die sich für Fußball interessieren. Dazu gehört Claire Perrot-Minot nur bedingt. Die 29-Jährige, die seit 2016 in Deutschland lebt und an der Hochschule in Kempten arbeitet, liebt einen anderen Sport: Sie spielt Handball beim TSZ Lindenberg.

Wir haben die Sigmarszellerin, die aus der Region Franche-Comté im Osten Frankreichs kommt, gebeten, uns ihre Heimat vorzustellen. Über Fußball geht es dabei auch ein bisschen.

  • Ist Frankreich ein Fußball-Land? Ja. Fußball ist sehr populär, aber ein bisschen weniger als in Deutschland. Hier kommen überall in den Nachrichten die Fußball–Ergebnisse. Sogar im "Deutschlandfunk". Da muss ich manchmal schon lachen.
  • Nennen Sie drei typisch französische Eigenheiten? Man sagt, dass die Franzosen sich die ganze Zeit beschweren. Und das stimmt auch ein bisschen. Man findet immer irgendwo ein Problem, zum Beispiel in der Politik. Die Franzosen treffen sich oft zum Kochen und Essen und verbringen viel Zeit am Tisch. Das Abendessen beginnt teilweise erst um 21 Uhr oder noch später. Typisch ist auch die Gastfreundschaft – man lädt sich oft gegenseitig ein.
  • Welche Stadt/Region in Frankreich sollte man unbedingt mal gesehen haben? Meine Heimatregion Franche-Comté. Hier kann man guten Käse essen und wandern, es gibt viele Seen und kleine Städte. Also fast ein bisschen wie das Allgäu.
  • Was ist das Highlight der französischen Küche? Aus meiner Heimat kommt ein sehr leckerer Käse namens Mont d’Or („Goldberg“). Er wird in einer kleinen Holzbox gemacht und gelagert. Man schiebt ihn mit Knoblauch und Weißwein in den Ofen und isst ihn geschmolzen mit Kartoffeln. Das Besondere: Es gibt ihn nur im Winter. Man kann sich also den ganzen Sommer drauf freuen.
  • Was sollten die Deutschen unbedingt über Frankreich wissen? Viele Franzosen sprechen – je nach Alter und Region – nicht besonders gut Englisch. Aber wenn man „bonjour“, „ça va“, „merci“ und „au revoir“ drauf hat, kann man dazwischen auch Englisch sprechen und kommt gut durch.
  • Was ist in Frankreich besser oder schöner als in Deutschland? Die Gastfreundschaft und die Spontanität. In Frankreich ist es einfacher, sich mal schnell auf ein Bier zu verabreden. In Deutschland muss man viel mehr planen.
  • Warum leben Sie dennoch in Deutschland? Ich fühle mich in dieser Region und Kultur wohl. Man braucht im Allgäu zwar etwas Zeit, um anzukommen, aber wenn man es geschafft hat, dann bleibt man auch gern. In der Zwischenzeit bin ich glaube ich auch recht deutsch geworden. Ich müsste mich in Frankreich wieder einleben – gerade mit dieser Spontanität.
  • Wenn Frankreich bei der EM ausscheidet: Wem drücken Sie die Daumen? Da wir Weltmeister sind, glaube ich, dass wir mindestens in Halbfinale kommen. Sollte schon vorher Schluss sein, bin ich natürlich für Deutschland – wenn die nicht noch früher ausscheiden.