Lindau/Westallgäu

Immer mehr weggeworfene Zigarettenkippen: Was es kostet, was dagegen getan wird

Zigaretten auf dem Boden: In Lindau sagt die ÖDP den Kippen den Kampf an. Sie fordert unter anderem ein Rauchverbot an Kinderspielplätzen

Zigaretten auf dem Boden: In Lindau sagt die ÖDP den Kippen den Kampf an. Sie fordert unter anderem ein Rauchverbot an Kinderspielplätzen

Bild: Matthias Becker (Symbolfoto)

Zigaretten auf dem Boden: In Lindau sagt die ÖDP den Kippen den Kampf an. Sie fordert unter anderem ein Rauchverbot an Kinderspielplätzen

Bild: Matthias Becker (Symbolfoto)

Kippen werden oftmals achtlos weggeworfen. Dabei sind die weggeworfenen Zigaretten alles andere als harmlos. Die ÖDP fordert in Lindau verschärfte Maßnahmen.
04.08.2020 | Stand: 13:06 Uhr

Es gibt womöglich keinen anderen Müll, der so selbstverständlich auf den Boden geworfen wird wie Zigarettenkippen. Dabei gelten die abgerauchten Glimmstängel als giftig. Die ÖDP hat deshalb in Lindau den Zigarettenstummeln den Kampf angesagt. „Größte Gefahr besteht für spielende Kinder, wenn sie die Kippen unkontrolliert in den Mund nehmen oder gar verschlucken“, sagt ÖDP-Stadträtin Christiane Norff. Sie und ihre Partei fordern deshalb in Lindau ein Rauchverbot auf Kinderspielplätzen und verschärfte Maßnahmen gegen Verstöße.

Sind weggeworfene Zigarettenkippen im Westallgäu ein Thema?

Als ein „nicht unerhebliches Problem“ bezeichnete Patricia Herpich von der Stadt Lindau die Zigarettenstummel auf dem Boden. Vor allem im Altstadtbereich der Insel, wo viele Touristen sind, seien die Zigaretten verbreitet. Neben der Gefahr für die Umwelt bedeuten sie auch einen hohen Arbeitsaufwand. „Zigarettenkippen müssen auf der Lindauer Insel mit einem Zwicker von Hand aufgesammelt werden“, sagt Herpich. Die Glimmstängel, die sich oftmals in den Rillen zwischen den Pflastersteinen befinden, werden nicht von der Kehrmaschine aufgenommen. In Lindenberg sind Zigaretten auf dem Boden kein Thema. „Wir haben damit keine Probleme“, sagt Thomas Geiger, Sachgebietsleiter für öffentliche Ordnung und Soziales in Lindenberg.

Was geschieht, wenn Kinder eine Kippe verschlucken?

Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zählen Nikotinvergiftungen durch versehentlich verschluckte Zigaretten zu den häufigsten Vergiftungen im Kleinkindalter. Dabei seien Kippen deutlich giftiger als vergleichbare Mengen unverbrannten Tabaks, da das Nikotin beim Rauchen kondensiere. Für eine Vergiftung reiche eine Dosis von 0,2 Milligramm Nikotin pro Kilogramm Körpergewicht. Typische Symptome seien vermehrter Speichelfluss , schneller Puls, und leichte Benommenheit. In der Rotkreuzklinik in Lindenberg wurde laut Pressesprecherin Julia Staritz in den vergangenen zwei Jahren ein Kind wegen einer verschluckten Kippe behandelt.

Welche Auswirkungen haben weggeworfene Kippen auf die Umwelt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht in einem Bericht von 2017 davon aus, dass weltweit jährlich 340 bis 680 Tonnen Müll von Tabakprodukten auf Straßen und in der Umwelt landen. Dieser Müll enthalte über 7000 giftige Chemikalien, darunter krebserregende, die so in die Umwelt gelangen und sich dort anreichern – beispielsweise im Wasser.

Bußgeld: Was kostet’s?

Laut bayerischem Umweltministerium ist es verboten, Zigarettenkippen in die Umwelt zu werfen. In Bayern sei ein Regelsatz von 20 Euro Bußgeld vorgesehen – je nach Einzelfall könne davon abgewichen werden. Ob es überhaupt verhängt wird, sei eine Frage des konkreten Falls. Die Stadt Lindau verhängt bei einem Verstoß ein Bußgeld von bis zu maximal 55 Euro. „Seit dem vergangenen Jahr hat es jedoch keine einzige Verwarnung gegeben“, sagt Sibylle Ehreiser, Pressesprecherin des Landratsamtes Lindau. Laut Geiger vom Lindenberger Ordnungsamt gibt es in der Stadt kein festgeschriebenes Bußgeld für weggeschmissene Zigarettenkippen.

Wie geht die Stadt sonst noch gegen Zigarettenkippen vor?

Damit Passanten ihre Zigaretten problemlos wegwerfen können, hat die Stadt Lindau die Müllbehälter auf der Insel mit Aschenbecher nachgerüstet. „Diese wurden sehr gut angenommen“, sagt Herpich. Eine Vielzahl an Kippen konnte laut der Pressesprecherin dadurch sachgerecht entsorgt werden. Zudem wird durch Veröffentlichungen in der Presse auf das Thema aufmerksam gemacht.